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Kricket-Derby „The Ashes“ : Eine „Traueranzeige“ als Geburtshelfer

  • -Aktualisiert am

Der Außenseiter jubelt: Der Australier James Pattinson feiert beim ersten Ashes-Test in Nottingham den Gewinn eines Wicket gegen Englands Kapitän Alastair Cook Bild: REUTERS

Seit Mittwoch läuft das traditionsreichste Kricket-Derby der Welt: „The Ashes“. Alle zwei Jahre spielen England und Australien um eine kleine Urne, in der 1882 das englische Kricket begraben wurde.

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          „In liebevoller Erinnerung an das englische Kricket, das am 29. August im Oval verstarb, tief betrauert von einem großen Kreis trauernder Freunde und Bekannter. Ruhe in Frieden. Der Leichnam wird verbrannt und die Asche nach Australien überführt.“ Mit dieser „Traueranzeige“ begann vor mehr als 130 Jahren eine der größten Rivalitäten des Weltsports. Dass jetzt, im Jahr 2013, dieser satirische Nachruf der „Sporting Times“ noch immer Bedeutung hat, hätten sich die Journalisten des längst untergegangenen Wochenblattes wohl nicht erträumt.

          Am Mittwoch begann im Trent-Bridge-Stadion von Nottingham in England die 67. Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden, sechs Wochen währenden Wettbewerbs zwischen dem Mutterland und der ehemaligen Strafkolonie. 1882 war der Entsetzen im englischen Establishment über die erste Heimniederlage - ein Affront ohnegleichen - kaum zu beschreiben. „Absolutely shocking“, dass die Nachkommen von Mördern, Räubern und Eierdieben von der anderen Seite der Welt die Einheimischen vor 20.000 am Ende sprachlosen Zuschauern besiegten, nachdem es noch bis kurz vor Schluss nach dem erwarteten Sieg der Engländer ausgesehen hatte.

          „Die Anspannung für die Zuschauer war so stark, dass einer tot umfiel und ein anderer mit seinen Zähnen Stücke aus der Spitze seines Regenschirms biss“, erinnerte sich der australische Spieler Tom Horan. Noch im selben Jahr nahmen die Engländer erfolgreich Revanche in Australien und wurden mit einer winzig kleinen Urne belohnt, die die Asche eines Bails enthält (kleines Hölzchen, dass auf den senkrechten Stangen, Stumps, liegt, die hinter dem Batsman oder Schlagmann stehen), zumindest wird dies allgemein angenommen. Ganz sicher ist das nicht, das gute Stück ist inzwischen so alt, das es nur noch in England im Cricket-Museum steht und kaum noch einmal hervorgeholt wird. Der siegreiche Kapitän reckt aber auch heute noch stolz eine Kopie der nur wenige Zentimeter kleinen Trophäe in die Höhe.

          Beim brisanten Derby dürfen die lautstarken australischen Fans nicht fehlen
          Beim brisanten Derby dürfen die lautstarken australischen Fans nicht fehlen : Bild: REUTERS

          Diesmal spricht alles dafür, dass das diesmal der Engländer Alastair Cook sein wird, die Gastgeber sind Favoriten. Die britischen Zeitungen überschlagen sich bereits mit Vorschusslorbeer und sind nach dem Erfolg von Andy Murray in Wimbledon und dem Erfolg der British and Irish Lions im Rugby in Sydney so in Siegeslaune, dass die Australier fast nur als lästige Prügelknaben hingestellt werden. Das hat sich allerdings in der Vergangenheit schon oft als Fehler erwiesen. Denn von den Engländern ausgelacht zu werden ist der beste denkbare Ansporn für die Männer vom fünften Kontinent. Der Wettbewerb geht über fünf jeweils bis zu fünf Tage dauernde „Tests“ (in der spleenigen Kricket-Sprache sind „Tests“ die richtigen Länderspiele), für jeden Sieg gibt es einen Punkt, keinen für ein Unentschieden. Sollte am Ende ein Unentschieden herausspringen, behalten die Engländer als Titelverteidiger die Ashes. Von den bisherigen 66 Ashes-Serien gewannen die Australier 31, die Engländer 30, fünf endeten Unentschieden.

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