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Frankfurt-Marathon : Ein Glücksgriff für Frankfurt

Das Frankfurt-Marathon-Trio: Kosgey, Kotut und Sieger Korir. Bild: Wonge Bergmann

Die Bedingungen beim Marathon in Frankfurt sind perfekt – die Zeiten sind es jedoch nicht. Mark Korir setzt sich bei den Männern in einem kenianischen Dreikampf durch. Lust auf mehr macht hingegen der zweite Platz von Tola bei den Frauen.

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          Sie reden gerne vom Jubiläum, aber in Wirklichkeit ist es ja keines. Das aber hat am Main niemanden davon abgehalten, den 35. Frankfurt-Marathon zumindest für seine Ausdauer gebührend zu feiern. Immerhin sind die 42,195 Kilometer durch die City der älteste Stadtmarathon Deutschlands – das spricht angesichts mancher Widrigkeiten für Härte und Durchhaltevermögen. Für so einen halbrunden Geburtstag wünscht man sich natürlich einen optimalen Rahmen, und was das Wetter angeht, haben Renndirektor Jo Schindler und seine Crew einen Volltreffer gelandet. Und fast 16000 Läufer genossen einem strahlend schönen Herbst-Sonntag.

          Was die dünne Spitze dieses bunten Laufspektakels am Sonntag angeht, hätten sich die Frankfurter Organisatoren schon ein deutlicheres Ausrufezeichen gewünscht. Der 28 Jahre alte Kenianer Mark Korir, der im Frühjahr 2015 den Paris-Marathon in 2:05:49 Stunden gewonnen hatte, siegte am Main in 2:06:48 Stunden vor seinen Landsleuten Martin Kosgey (2:07:22) und Cybrian Kotut (2:07:29). Kenia vorne, das ist nicht gerade eine Überraschung, und mit der Siegerzeit von Korir liegt Frankfurt im internationalen Jahresvergleich immerhin auf Platz acht. Aber wer die große Aufmerksamkeit will, muss heutzutage schon Zeiten unter 2:05 Stunden anbieten. „Wir haben nicht ganz die Zeiten erreicht, die wir uns vorgenommen hatten“, räumte der Sportliche Leiter Christoph Kopp ein. Aber im Grunde waren in diesem Jahr am Main nicht die ganz großen Dinge zu erwarten.

          Fate Tola zweite beim Frankfurt-Marathon und deutsche Meisterin.
          Fate Tola zweite beim Frankfurt-Marathon und deutsche Meisterin. : Bild: dpa

          Zwar kann man nach dem schwierigen Jahr 2015 ohne Hauptgeldgeber jetzt dank eines neuen Titelsponsors wieder deutlich entspannter in die Zukunft schauen, und auch das Prämiensystem bietet wieder deutlich höhere Anreize für die Läufergarde, um die bekannt schnelle Strecke, auf der Wilson Kipsang 2011 in 2:03:42 Stunden den damaligen Weltrekord nur knapp verfehlte, unter die Füße zu nehmen. Aber so ist das fast immer im Herbst nach Olympischen Spielen: Das Feld ist ausgedünnt, und wenn sich viele Veranstalter um wenige Spitzenkräfte bemühen, lassen sich eben nicht alle Wünsche erfüllen. Zumal Frankfurt mit der Finanzkraft des übermächtigen Konkurrenten Berlin nicht mithalten kann.

          Da konnten die Frankfurter noch froh sein, dass ihnen manches Missgeschick in die Hände spielte. Das gilt besonders für das Frauenrennen, in dem aber auch die Äthiopierin Mamitu Daska ihr Ziel, Streckenrekord (2:21:01) zu laufen, nach Magenproblemen deutlich verfehlte. 2:25:27 Stunden reichten gerade so, um sich eine Konkurrentin vom Leibe zu halten, die wie sie aus Äthiopien stammt, aber in Frankfurt erstmals als deutsche Staatsbürgerin auf die 42,195 Kilometer ging: Fate Tola fehlten beim Zieleinlauf auf dem roten Teppich in der Frankfurter Festhalle nur 15 Sekunden zum großen Coup.

          Aber die 28-Jährige, die in 2:25:42 Stunden ihre eigene Bestzeit nur um 28 Sekunden verfehlte, war für Frankfurt so eine Art Glücksgriff. Normalerweise wäre die Frau, die in Gelnhausen ganz in der Nähe der Mainmetropole lebt, im August in Rio an den Start gegangen. Die Olympia-Norm hatte sie längst in der Tasche. Was fehlte, war der deutsche Pass. Und weil sich das Einbürgerungsverfahren zog und zog, traf das begehrte Dokument 20 Tage zu spät ein. Nolympia, hieß es für sie. „Das war sehr hart für mich“, sagte Fate Tola. Um so besser war es für Frankfurt. Dort griff man begeistert zu.

          Seit Sonntag liegt die Begeisterung auf beiden Seiten. „Ich bin so glücklich, alles ist aufgegangen“, sagte Fate Tola, die sich bei erster Gelegenheit zudem einen Titel holte. Den der deutschen Meisterin. Und Kopp, der Sportliche Leiter befand, „dass wir mit Fate wieder eine Athletin haben, die international den Anschluss findet.“ Nach Lage der Dinge wird sie beim nächsten Großereignis mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei sein. Den Pass hat sie ja jetzt, und die Zeit vom Sonntag ist weit unter der Norm (2:29:30) für die Weltmeisterschaften 2017 in London. Und die Gefahr, dass es in deutschen Landen drei Athletinnen gibt, die sie bis dahin noch verdrängen könnten, ist äußerst gering. Tolas Zeit ist die viertbeste, die je eine deutsche Staatsbürgerin gelaufen ist.

          Der WM-Norm ein gutes Stück nähergekommen ist in Frankfurt aber auch die promovierte Klimageologin Mona Stockhecke, die in der im Marathon integrierten deutschen Meisterschaft Zweite wurde. 2:31:30 Stunden bedeuten eine Verbesserung um mehr als zwei Minuten. „Die WM ist als Ziel in meinem Kopf“, sagt die Frau, die in Duluth/Minnesota das Klima der Vergangenheit erforscht. Und jetzt überlegt, ob sie bis zur Heim-EM 2018 nicht ganz auf Marathon setzt. „Ich muss jetzt gut überlegen, wie es weitergeht.“

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