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Konstanze Klosterhalfen : Ungeheuer schnell und unbeschwert

Konstanze Klosterhalfen aus Deutschland freut sich nach dem Rennen über 1500m bei der EM 2017 über Silber. Bild: dpa

Eines der größten Lauftalente Europas ist auf dem Weg Richtung Weltspitze. Die deutsche Meisterschaft dient für Konstanze Klosterhalfen deshalb wohl nur zur Vorbereitung auf den wahren Saisonhöhepunkt in diesem Jahr.

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          Sie gilt als eines der größten Lauftalente Europas. Eines Tages, das erwarten viele Experten, wird sie sich mit den besten Athletinnen aus Kenia und Äthiopien messen, der Wiege vieler Größen des Langlaufs. Doch von hohen Erwartungen, die sie erfüllen müsse, von Druck will Konstanze Klosterhalfen nichts wissen. „Müssen muss ich ja eh erst mal nichts“, sagt sie und verrät, wie sie etwa mit Artikeln umgeht, in denen ihr eine von Medaillen gold glänzende Zukunft ausgemalt wird: „Ich freue mich, wenn jemand nett über mich schreibt.“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          21 Jahre alt ist Konstanze Klosterhalfen, spindeldürr und ungeheuer schnell. Wie das Signal ihrer Unbeschwertheit umwehen sie ihre langen, blonden Haare. Bei der WM von London im vergangenen Jahr attackierte sie im Halbfinale über 1500 Meter in der letzten Runde, weil es ihr zu langsam voranging – und ging mit fliegenden Fahnen unter. „Mir liegt es mehr, einfach loszurennen“, sagt sie. „Aber bei den Meisterschaften muss man Taktik draufhaben. Das versuchen wir jetzt hinzukriegen.“

          Frei laufen heißt die Devise

          Doch neben der Coolness, die sie sich von Weltklasse-Läuferinnen abschauen möchte, will sie auch in Reichweite von deren Zeiten gelangen. Weltmeisterin Genzebe Dibaba (Äthiopien) hält mit 3:50,07 den Weltrekord über 1500 Meter, die für Holland startende Europameisterin Sifan Hassan ist sechs Sekunden langsamer – und damit knapp drei Sekunden schneller als Konstanze Klosterhalfen, für die 3:58,92 Minuten zu Buche stehen. Doch mit Rekorden und Bestleistungen beschäftigt sich die Deutsche nicht – obwohl sie mit ihren Zeiten auf den Distanzen von 800 bis 5000 Meter der Weltspitze immer näher rückt. Über 1500 Meter waren im vergangenen Jahr weltweit nur drei Läuferinnen schneller als sie.

          Frei laufen heißt die Devise, mit der ihr Trainer Sebastian Weiss sie, die U-23-Europameisterin über 1500 Meter und zweimalige U-20-Europameisterin im Crosslauf, in die Wettkämpfe der Erwachsenen hineinschnuppern lässt. Bei der deutschen Hallenmeisterschaft in Dortmund, just an ihrem Geburtstag, zeigte sie, wie das geht. Vom Start weg rannte sie im 3000-Meter-Rennen auf und davon. Nach 8:36,01 Minuten war das Solo zu Ende – sie hatte den deutschen Rekord um fast sechs Sekunden verbessert.

          Fast scheint es, als hätte sie sich aussuchen können, auf welcher Strecke sie an diesem Sonntag in Nürnberg (15.30 Uhr) deutsche Meisterin werden will. Weil bei den Titelkämpfen zwischen den Läufen über 5000 Meter und 1500 Meter weniger als zwei Stunden liegen, musste sie sich für eine Distanz entscheiden. Ihr Trainer hat die kürzere Distanz gewählt; zum einen, weil sie sich für die 5000 Meter gerade, nach vier Monaten Laufpause wegen Kniebeschwerden, bei einem Rennen in Kortrijk in 15:19,93 Minuten für die Europameisterschaft in Berlin qualifiziert hat. Zum anderen, weil die 1500 Meter auch als Tempo-Training für den Saisonhöhepunkt dienen.

          Konstanze Klosterhalfen widerspricht der Annahme, dass man sich auf den langen Strecken quälen müsse. „Schlank war ich schon immer“, sagt sie junge Frau, die bei 1,75 Meter Länge 48 Kilo auf die Waage bringt. „Ich schränke mich beim Essen nicht ein. Das geringe Gewicht kommt vom Laufen.“ Ob sie Yoga und Ballett betreibe, um schneller zu laufen oder einfach um sich wohl zufühlen, will sie gar nicht unterscheiden. Und neben dem Sportstudium in Köln gehören auch Querflöte und Klavierspiel zu ihrem Leben. Sich selber weh tun, um schnell zu laufen? „Darüber denke ich nicht nach“, sagt Konstanze Klosterhalfen. „Schmerz verbinde ich nicht mit Laufen, das lasse ich nicht in meinen Kopf.“

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