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Kommentar : Olympische Trippelschritte

Viel Aufwand: Nach dem Reformpaket sollen Bewerbungen kostengünstiger ablaufen Bild: dpa

Am Montag entscheidet der DOSB, ob er sich mit Hamburg oder Berlin für Olympia 2024 oder 2028 bewirbt. Das ist nur der erste kleine Schritt zu Spielen in Deutschland. Und spätestens im Sommer dürfte die Begeisterung einen Dämpfer erhalten.

          Wer glaubt, der wichtigste Sprung auf dem Weg zu Olympischen Spielen in Deutschland würde schon am Sonntag und Montag genommen, der irrt sich gewaltig. Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zwischen Hamburg und Berlin als Bewerber für 2024 oder 2028 ist noch nicht mal ein Anlauf. Es ist der erste Trippelschritt. Und die qualifizierten und unqualifizierten Diskussionen dieser Tage muss man als laues Lüftchen sehen im Vergleich zu dem, was noch kommen wird.

          Der Bewerber steht erst am Start

          Wenn es um die Kosten geht, lassen sich ohnehin noch keine vernünftigen Aussagen machen. Die Zahlen von Vorgänger-Spielen können nur als grobe Anhaltspunkte dienen, weil sich durch die „Agenda 2020“ die Voraussetzungen geändert haben.

          Nach dem Reformpaket von Thomas Bach, des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sollen Bewerbungen künftig kostengünstiger ablaufen, die Spiele selbst ökonomisch sinnvoll und im Gleichklang mit den Zukunftsplänen des Ausrichters gestaltet werden. Vor ein paar Tagen wurde zum Beispiel bekannt, dass die Organisatoren von Tokio 2020 – dem Geist der „Agenda 2020“ folgend – durch intensivere Nutzung existierender Sportstätten eine Milliarde Dollar einsparen werden.

          Im Sommer dürfte die deutsche Olympia-Begeisterung wohl einen Dämpfer erhalten: Dann vergibt das IOC die Winterspiele 2022 und kann dabei keine populäre Entscheidung treffen. Ob nun Almaty oder Peking: Die Menschenrechtsorganisationen werden genug Ansatzpunkte finden, um das olympische Projekt in Frage zu stellen – das alte Thema bleibt aktuell, auch wenn sich das IOC Schritt für Schritt klarer positioniert, als Organisation mit festen Grundsätzen, die aber die Konflikte der Gastgeberländer nicht lösen kann.

          Eine Zustimmung von 55 Prozent wie in Berlin könnte da natürlich leichter unter die 50-Prozentmarke rutschen als die 64 Prozent von Hamburg – und im September ist Bürgerbefragung.

          Und dann? Sollten genügend Hamburger oder Berliner am Ball bleiben, ist der Bewerber erst am Start angekommen. Von diesem Moment an sind Stadt, Land, Medien, soziale Organisationen nur noch zweitrangig. Die Bemühungen gelten nur noch 100 Personen: den IOC-Mitgliedern.

          Die Zusammensetzung wird 2017, im Jahr der Entscheidung, ziemlich anders aussehen als heute: Ungefähr 16 Mitglieder müssen in der Zwischenzeit ausscheiden, zum Beispiel Chef-Fußballer Joseph Blatter und die Vorsitzende der Athletenkommission, Claudia Bokel. Wer sie ersetzen wird, ist noch unbekannt. Nur eines ist jetzt schon gewiss: Wer nicht antritt, wie München für die Winterspiele 2022, der hat schon verloren.

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