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Kommentar : Vorsicht, Dokumentation

  • -Aktualisiert am

Thomas Bach will kein Anti-Doping-Gesetz - und macht keinen Hehl daraus Bild: ddp

Der DOSB hat in seinem aktuellen „Artikel- und Informationsdienst“ eine erstaunliche Zusammenfassung der Anhörung im Sportausschuß des Bundestags zur Dopingbekämpfung geliefert: Sie ist unvollständig, einseitig, somit nicht korrekt, nicht integer.

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          "Unter Dokumentation versteht man die Nutzbarmachung von Informationen zur weiteren Verwendung . . . Einige Qualitätsmerkmale von Dokumentationen sind: Vollständigkeit, Übersichtlichkeit, Verständlichkeit, Strukturiertheit, Korrektheit, Editierbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Integrität/Authentizität (z. B. Änderungshistorie)." Soweit der Auszug aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in seinem aktuellen "Artikel- und Informationsdienst" (Nummer 40/4. Oktober 2006) unter der Überschrift "Dokumentation" eine erstaunliche Zusammenfassung der Anhörung im Sportausschuß des Deutschen Bundestages vom 27. September zur Dopingbekämpfung geliefert: Sie ist unvollständig, einseitig, somit nicht korrekt, nicht integer - und keinerlei Grundlage für eine weitere Verwendung, etwa in Verbänden, Vereinen, Instituten.

          Der Sport spielt uns eine heile Welt vor

          Zitiert werden in überwältigender Mehrheit all jene, die die von der DOSB-Spitze vorgegebene Position - dieses Land braucht kein Anti-Doping-Gesetz, keinen Straftatbestand Sportbetrug, womöglich nicht einmal eine Besitzstrafbarkeit von Dopingmitteln - stärken. Verschwiegen werden die besonders kritischen, kontroversen Fachbeiträge im Sportausschuß; etwa der des Juristen Dieter Rössner von der Universität Marburg. Rössner antwortete im September in Berlin auf die Vorhaltung, vor fünf Jahren sei er noch gegen eine Doping-Gesetzgebung gewesen, heute aber dafür: "Ich hatte die internationalen Doping-Netzwerke übersehen; ich war wohl naiv."

          Wer die sogenannte Dokumentation liest, muß schon naiv sein, um die Absicht zu übersehen: Hier wird eine Einigkeit und Mehrheitsposition dargestellt, die so nicht existiert. Dafür gibt es, im Sport, in der Politik wie auch in der Justiz (von den Medien gar nicht zu reden), zu viele schwerwiegende Einwände gegen den Status quo. Nicht einmal der Frankfurter Jurist Markus Hauptmann, als Vorstandsmitglied der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) eine wichtige Stimme pro Doping-Gesetz, wird vom DOSB wiedergegeben.

          Rössner hatte in Berlin etwas gesagt, das als Erklärung für den interessanten Umgang des DOSB mit der Wirklichkeit dienen kann: "Dopingkontrollen bringen Einzelfälle zutage. Ein Gesetz würde ein System deutlich machen und das Ansehen des Sports schädigen. Ich weiß nicht, ob er sich das antun will." Die Antwort ist spätestens jetzt klar: Der Sport möchte uns weiter eine heile Welt vorspielen. Doch die gibt es nicht.

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