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Kommentar : Radfahren nach Gutsherrenart

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42 Wahldelegierte sollen in Madrid darüber befinden, wer künftig erster Mann im internationalen Radsport ist. Es könnte, das ist die Hoffnung mancher Mandatsträger, ein Tag des Wandels werden, des Aufbruchs in eine neue Ära.

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          42 Wahldelegierte sollen am Freitag in Madrid darüber befinden, wer künftig erster Mann im internationalen Radsport ist. Es könnte, das ist die Hoffnung mancher Mandatsträger in der Branche, ein Tag des Wandels werden, des Aufbruchs in eine neue Ära. Daß dies dem Weltverband im Radsport, der UCI, sehr gut tun könnte, ist längst keine Minderheitenmeinung mehr. Aber vielleicht tagt der Kongreß ja gar nicht wie vorgesehen, vielleicht wird er von interessierter Seite doch kurzfristig verschoben - und der umstrittene Niederländer Hein Verbruggen bleibt vorläufig einfach im Amt. Mit überraschenden, auch kuriosen Wendungen scheint man schließlich immer rechnen zu müssen bei der UCI und ihrem Chef, der offenbar gerne nach Gutsherrenart handelt - mit höchst seltsamen Entscheidungen.

          Wie Verbruggen nun führende Funktionäre der UCI kurzerhand von Madrid, dem Ort der Straßen-Weltmeisterschaften, nach Genf scheuchte und gleich wieder zurück nach Spanien fliegen ließ, mutete als ein absurdes Theater mit beträchtlichem Kostenfaktor an. Augenscheinlich sollte dies ein Protest gegen die Spanier sein, die in Gregorio Moreno nicht nur einen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt haben, sondern auch noch einen unabhängigen Wahlleiter für den Freitag bestellen wollten aus Sorge, daß sonst manches nicht den Gepflogenheiten einer solchen Zusammenkunft entsprechen könnte. Die Spanier kamen mit ihrem Antrag allerdings nicht durch; am Mittwoch lehnte eine Friedensrichterin in der Schweiz ihn ab. Verbruggen dürfte dies mit großer Genugtuung registriert haben.

          Zögern in er Affäre Armstrong

          Der ehrgeizige Niederländer wird sich seiner Sache trotzdem nicht sicher sein können. Es gibt Hinweise, daß weder er selbst noch der von ihm geförderte Ire Pat McQuaid, der Verbruggen den Sitz im Internationalen Olympischen Komitee überlassen würde, noch mit einer Mehrheit rechnen können bei der Abstimmung über den neuen starken Mann der UCI. Verbruggen hatte sich schließlich zuletzt manchen Vorwürfen ausgesetzt gesehen; es ging dabei um die Auseinandersetzungen mit den drei größten Radrundfahrten in Sachen ProTour und auch um das zögerliche Verhalten in der Affäre um die positiven Dopingproben des Texaners Lance Armstrong. Es soll zudem in der Korrespondenz mit nationalen Radsportverbänden martialisch die Rede von "vielen blutigen Kriegen" gewesen sein - eine unangemessene Diktion. Gegen seine schärfste Gegnerin, die Frankfurterin Sylvia Schenk, versucht sich Verbruggen mit einer Strafanzeige zu wehren. Die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer wertet dieses Vorgehen schlichtweg als ein Indiz dafür, daß die UCI und Verbruggen arg in der Bredouille stecken. Sie bleibt gelassen.

          Am Mittwoch mittag übrigens war die von Verbruggen initiierte Genfer Episode beendet. Der UCI-Troß kehrte aus der Schweiz zurück, unverrichteter Dinge, wie es heißt. Dafür soll nun an diesem Donnerstag eine Sitzung des UCI-Direktionskomitees mit Sylvia Schenk stattfinden. In Madrid. Das wäre wohl einfacher und billiger zu haben gewesen. Demjenigen, der dies zu verantworten hat, könnte die Rechnung noch in Spanien präsentiert werden.

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