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Kommentar : Mehr Event, mehr Drama

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So geht Sport heute: Peter Wright bietet bei der Darts-WM nicht nur einen spannenden Wettkampf Bild: AP

Die Darts-WM zeigt: Ein Sportereignis abseits des Fußballs muss mehr transportieren als den reinen Sport. Deutsche Erfolge reichen nicht mehr.

          Bunter, schriller, lauter, spannender und vieles mehr, nur bloß nicht langweilig - vielleicht trifft das Reformprogramm, mit dem das Internationale Olympische Komitee im Dezember seine Sportverbände erschreckt hat, ja doch viel mehr den Zeitgeist, als man es sich auf den ersten Blick vorstellen kann. Ein Sportereignis abseits des Fußballs muss längst mehr transportieren als den reinen Sport. Eine dichte Atmosphäre ist nötig, eine ausgelassene Stimmung - auf Neudeutsch also alles, was einen Event ausmacht, zum Einschalten reizt und das Ausschalten verhindert.

          Die Deutschen schauen nur zu, wenn ein Deutscher Chancen auf einen großen Erfolg hat - diese alte Faustregel, die gerne angeführt wird, wenn etwa nach Gründen für das stark nachgelassene Interesse an der einstigen Premium-Sportart Tennis gesucht wird, zieht dabei nicht mehr. Als die deutschen Tennisdamen sich im November zum ersten Male seit dem Karriereende von Steffi Graf anschickten, den Fed Cup zu gewinnen, mochten schon am ersten Final-Tag nur 630.000 Fans einschalten, obwohl mit Sat.1 erstmals einer der großen Sender wieder übertrug.

          In der Spitze 1,86 Millionen und im Schnitt 1,36 Millionen Fans verfolgten dagegen am Sonntag bis Mitternacht das Finale der Darts-WM, als der Schotte Gary Anderson und die englische Darts-Ikone Phil Taylor aufeinandertrafen - und das mit Sport1 auch noch auf einem Spartensender, der solche Quoten abseits des Fußballs selten erreicht. Viel schriller, lauter und bunter geht es kaum, und der Spannungsbogen reichte auch spielend über die dreistündige Dauer - auch so ein Punkt, der etwa beim Tennis gerne bemängelt wird: Es dauere zu lang, bis es zu einer Entscheidung komme.

          Etwas mehr als 10.000 Mitglieder hat der deutsche Darts-Verband, und selbst wenn ein paar Zuschauer in den auch immer weniger werdenden Eckkneipen mal die Pfeile geworfen haben - was bedeutet das gegen die 450.000 Mitglieder des Volleyball-Verbandes, der zudem darauf hinweist, dass mit den Hobbyspielern rund sechs Millionen Menschen in Deutschland Volleyball spielen? Als Sport1 das EM-Finale der deutschen Volleyball-Frauen 2013 übertrug, freuten sich alle über einen Meilenstein: Es schauten in der Spitze 1,05 Millionen zu. Die Zeiten für den traditionellen Sport werden offenbar immer schwieriger. Mehr Event muss her, mehr Drama, egal wie.

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