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Handball : Kommen und Gehen im Löwen-Reich

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Erfolge im Blick: Conny, das Maskottchen der Rhein-Neckar Löwen, hält den zuletzt gewonnenen DHB-Pokal in den Händen. Bild: dpa

Abgesänge gab es schon häufig. Aber die Rhein-Neckar Löwen trotzen der Missgunst. Auch vor der mit dem Supercup beginnenden Saison überzeugen die Handballer aus Mannheim mit einer klugen Personalpolitik.

          Schon häufig wurde der Untergang des Löwen-Reiches vorausgesagt. Das begann 2015, als Torwart Niklas Landin und Abwehrspieler Bjarte Myrhol den Verein verließen. Es ging ein Jahr später weiter, als die Klub-Ikone Uwe Gensheimer Richtung Paris zog. 2017 machte sich Kim Ekdahl du Rietz auf Weltreise und hinterließ eine riesige Lücke im Rückraum. Und in diesem Jahr nun verschwindet Hendrik Pekeler nach Kiel – der Profi, der mit Biss und Haltung immer voranging bei den Rhein-Neckar Löwen.

          Doch die Unkenrufe der Vorjahre sind ausgeblieben. Man traut dem deutschen Handballmeister der Jahre 2016 und 2017 inzwischen zu, jedes Loch zu stopfen. Mit Weitblick und Augenmaß gelingt es Kaderplaner Oliver Roggisch und Geschäftsführerin Jennifer Kettemann Jahr für Jahr, den Abgang arrivierter Profis aufzufangen und die Szene mit cleveren Deals zu überraschen – sicher wird bei den Löwen auf dem Niveau der Branchenspitze bezahlt, aber es ist nicht nur das Geld, das namhafte Spieler nach Mannheim und Heidelberg führt: Es hat sich längst herumgesprochen, dass bei den Löwen unter Trainer Nikolaj Jacobsens Aufsicht Jahr für Jahr ein Team mit besten Titelaussichten in allen drei Wettbewerben aufläuft.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          An diesem Mittwoch steht der Supercup gegen den Meister aus Flensburg in Düsseldorf an (19.30 Uhr/ Sky). Den Rhein-Neckar Löwen scheint dieses Jahr das Kunststück gelungen zu sein, Abgänge nicht zur aufgefangen, sondern sich sogar verstärkt zu haben. „Wir haben künftig mehr Leute auf der Bank, die uns helfen können“, sagte Spielmacher Andy Schmid dem Südwestrundfunk, „wir werden wieder angreifen.“ Der schmale Kader hat die Löwen in den Vorjahren meist daran gehindert, auch in der Champions League erfolgreich zu sein – diesen Wettbewerb haben sie zugunsten der Bundesliga immer stiefmütterlich behandelt.

          Zuversichtlich: Spielmacher Andy Schmid (links) sieht einen breiteren Kader

          Doch mit dem jetzt deutlich größeren Kreis an Topspielern könnte auch international mehr möglich sein. Am Kreis werden sich Nationalspieler Jannik Kohlbacher und der erfahrene Schwede Jesper Nielsen die Arbeit teilen. Steffen Fäth soll für die wichtigen „leichten Tore“ aus dem Rückraum sorgen. Dabei standen die Transfers von Kohlbacher und Fäth schon länger fest; auch Nielsen wurde vor Ende der abgelaufenen Saison verpflichtet. Bei den Löwen wird langfristig geplant.

          Zudem hält der Verein die Stützen Andy Schmid, Alexander Petersson und Patrick Groetzki seit Jahren. Vergleicht man den Umbruch der Löwen mit dem in Kiel und Flensburg, schlagen sie sich sehr gut, denn der THW doktert seit zwei Jahren am Team der Zukunft herum, und die SG wirkt, als wolle sie den Neuaufbau ganz schnell in diesem Sommer vollziehen – sechs Mann sind gegangen, sechs Neue gekommen.

          Letzte Saison für den Trainer

          Trotzdem findet Trainer Jacobsen, das Jahr sei schwer einzuschätzen. Das Einspielen werde eine gewisse Zeit dauern. Das ist natürlich auch gekonntes Understatement. Gern haben die meisten Trainer dem THW Kiel die Favoritenbürde zugeschoben, während deren Trainer Alfred Gislason die Löwen an Nummer eins setzte: „Sie haben trotz des Umbaus den Kader mit der größten Dichte.“ Das stimmt. Auf Lückenfüller oder Mitläufer haben Jacobsen und Roggisch schon immer verzichtet – im Sinne einer starken ersten Sieben.

          Aber die Löwen wären nicht die Löwen, ginge der organische Wechsel nicht genau so weiter: Jacobsen geht in seine letzte Saison. Danach will er zurück nach Dänemark, mehr bei der Familie sein und sich einzig um die dänische Nationalmannschaft kümmern. Wieder sagen manche den Untergang des Löwen-Reiches voraus. Doch abermals reagierten Kettemann und Roggisch klug: Sie verpflichteten den schwedischen Nationaltrainer Kristian Andresson ab Sommer 2019, jenen Coach also, der mit den Schweden überraschend Silber bei der EM in Kroatien holte. Ein geschickter Schachzug, war der Isländer doch ein begehrter Kandidat vieler Klubs.

          Man kann die Geschichte vom Kommen und Gehen noch ein Stück weiterdrehen – und kommt dann zum Herzstück der Mannschaft. Wer wird Andy Schmid folgen, sollte der 34 Jahre alte Schweizer irgendwann einmal aufhören? Wahrscheinlich haben die Löwen die Lösung schon im Kopf.

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