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Davis-Cup gegen Weißrussland : Kohlschreiber gibt Führung aus der Hand

Dumm gelaufen: Philipp Kohlschreiber nach dem verlorenen Einzel. Bild: dpa

Führung durch Struff, Niederlage von Kohlschreiber: Deutschland muss am Samstag hart kämpfen, um in die Davis-Cup-Endrunde einzuziehen.

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          Den Ruf als neues Lieblingsevent der Spieler hat sich das Davis-Cup-Finalturnier bei seiner Premiere im Vorjahr eigentlich nicht unbedingt erarbeitet. Matches bis in die frühen Morgenstunden, oftmals halbleere Ränge und ein bis an die Schmerzgrenze dicht getakteter Spielplan sorgten auch vonseiten der Tennisprofis für viel Kritik. Die deutsche Mannschaft hat sich bei ihrem Play-off-Duell in Düsseldorf gegen Weißrussland dennoch am Freitag mächtig ins Zeug gelegt, um auch in diesem Jahr wieder mit von der Partie zu sein. Doch der Weg nach Madrid ist steinig.

          Nach einem Sieg für Jan-Lennard Struff und einer denkbar knappen Dreisatz-Niederlage für Philipp Kohlschreiber geht es für die Auswahl von Kapitän Michael Kohlmann mit einem 1:1 in den Schlusstag. „Wir haben zwei richtig gute Partien gesehen, zwei enge Matches“, zog Kohlmann insgesamt ein positives Zwischenfazit. „Natürlich hätte ich gerne 2:0 geführt. Aber ich glaube, das ist dennoch ein Ergebnis, mit dem wir gut in den zweiten Tag gehen können.“ Von 12 Uhr an fällt dort an diesem Samstag die Entscheidung. Zunächst steht das Doppel der beiden French-Open-Sieger Andreas Mies und Kevin Krawietz auf dem Plan, anschließend werden noch maximal zwei Einzel-Partien ausgetragen. Zwei Punkte benötigt die deutsche Mannschaft dabei, um im November abermals um die liebevoll als „hässlichste Salatschüssel der Welt“ titulierte Davis-Cup-Trophäe kämpfen zu dürfen.

          Struffs intrinsische Motivation

          Den Auftakt vor nur rund 2500 Zuschauern in der Düsseldorfer Mehrzweckhalle „Castello“ hatte Führungsspieler Struff mit einem souveränen 6:4, 6:4 gegen Ilja Iwaschka gemacht. Der kraftvolle Aufschläger aus dem Sauerland ist in Abwesenheit von Spitzenkraft Alexander Zverev diesmal die Nummer eins im deutschen Team. Seiner Favoritenrolle gegen die Nummer 138 der Weltrangliste wurde Struff vollauf gerecht. „Das war ein hartes Match“, sagte er anschließend, obwohl er das Duell in gerade einmal 79 Minuten zu Ende brachte. „Er hat das gut gemacht, mich immer wieder mit langen Returns unter Druck gesetzt,“ sagte Struff über das Spiel des kämpferischen Iwaschka.

          Sicher zum Sieg: Jan-Lennard Struff beschert Deutschland das 1:0.
          Sicher zum Sieg: Jan-Lennard Struff beschert Deutschland das 1:0. : Bild: dpa

          Dazu hätten ihn in seiner neuen Rolle als Anführer die externe, aber auch seine intrinsische Erwartungshaltung durchaus zu schaffen gemacht, berichtete Struff. „In Deutschland zu spielen, ist zwar schön“, sagte er, „aber man möchte dann auch unbedingt sein bestes Tennis zeigen. Und das ist nicht unbedingt förderlich.“ Weil Struff sich im Endeffekt aber doch auf seine wuchtigen Waffen Aufschlag und Vorhand verlassen konnte, und dadurch auch kein einziges Break zuließ, glückte der deutsche Start dennoch. Kohlschreiber stand somit in seinem Duell mit Weißrusslands Bestem, Igor Gerassimow, etwas weniger unter Druck. Anders als sein Teamkollege zuvor war der erfahrene Deutsche eher in der Rolle des Außenseiters. Er zeigte jedoch früh, dass er mit seiner Raffinesse und seiner Variabilität auch im Alter von 36 Jahren noch immer zu mitreißenden Leistungen imstande ist. Denn Kohlschreibers Partie nahm spätestens im zweiten Satz ordentlich Fahrt auf.

          Satz eins hatte sich der Deutsche verdient gesichert, nun jedoch fing auch Gerassimow an, richtig gutes Tennis zu spielen. Es entwickelte sich ein packender Schlagabtausch, der auch die Zuschauer zunehmend belebte. „Ich fand, das Match war hochklassig“, schwärmte deshalb auch der deutsche Davis-Cup-Kapitän Kohlmann. Gerassimow dominierte besonders mit starkem Service und klugen Netzangriffen, Kohlschreiber zauberte sich immer wieder mit seiner einhändigen Rückhand aus der Bedrängnis heraus. Kohlschreibers Fazit nach dem 6:4, 5:7, 6:7 (3:7) fiel  gemischt aus. „Irgendwie war es gut, irgendwie aber auch beschissen“, befand er. „Ich hätte das gerne gewonnen.“

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