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Klitschko-Gegner Solis : Boxen interessiert den Boxer nicht

  • -Aktualisiert am

Er weiß, wie man Stimmung macht: Solis demonstriert Verbundenheit Bild: dapd

19.000 Zuschauer in Köln wollen Weltmeister Witali Klitschko am Samstag siegen sehen. Gegner Odlanier Solis gilt als harter Brocken. Der Exilkubaner ist siegessicher: „Wir können nur verlieren, wenn wir betrogen werden.“

          Schon sein erster Auftritt in Köln hinterließ Eindruck. 2008 fuhr Odlanier Solis jeden Morgen samt Entourage in der Südstadt in seinem goldfarbenen Hummer vor, am Ohr funkelten Brillanten, um den Hals Goldketten, sodass er eher an einen amerikanischen Rapper erinnerte als an einen Boxer. In einem Fitnessstudio mit angeschlossenem Ernährungsinstitut sollte der Kubaner, der an diesem Samstag Weltmeister Witali Klitschko in Köln herausfordert, abspecken und fit werden für die Aufgaben, die dem Olympiasieger der Amateure nach dem Wechsel zu den Berufsboxern bevorstanden.

          Der Erfolg war bescheiden. Als Solis im Juni 2008 den unbedarften Niederländer Harry Duiven jr. besiegte, dessen größte Leistung es war, seinen 20 Jahre älteren Vater in einem Profikampf k. o. geschlagen zu haben, wirkte er zwar austrainierter als sonst, die Leistung war jedoch mäßig. Nun kehrt der 30 Jahre alte Kubaner nach Köln zurück und wieder sieht er aus, als habe er im Trainingslager, dieses Mal in der Sierra Nevada, überflüssige Pfunde gelassen - angeblich 20 Kilogramm. Weltmeister Klitschko, der sich bevorzugt einer handverlesenen Gegnerschaft gegenübersieht, muss sich dem Duell mit dem Kubaner stellen, weil der sich bis zum offiziellen Herausforderer des Weltverbandes WBC durchgeboxt hat.

          Fluchthelfer dreier Olympiasieger

          Der Gewinn des WM-Titels wäre die logische Folge für Solis. Als Amateurboxer war er Juniorenweltmeister, dreimal Weltmeister der Senioren, sechsmal kubanischer Meister, Olympiasieger in Athen, zwei von drei Duellen mit dem kubanischen Idol und dreimaligen Olympiasieger Felix Savon gewann Solis. Den Briten David Haye, neben Witali und dessen Bruder Wladimir Klitschko derzeit Weltmeister im Schwergewicht, besiegte der Kubaner 2001 vorzeitig.

          Zwei Schwergewichte im Ring: Klitschko und Herausforderer Solis

          2006 hatte sich Solis während eines Trainingslagers in Venezuela gemeinsam mit zwei Trainingskameraden von der kubanischen Boxstaffel abgesetzt und flüchtete über Kolumbien und Miami nach Hamburg. Fluchthelfer der drei Olympiasieger war der Hamburger Box-Promoter Ahmet Öner, der sie als Gegenleistung Profiverträge unterschreiben ließ. Öner glaubt, in Solis endlich den Kubaner gefunden zu haben, der den 39 Jahre alten Witali Klitschko schlagen kann. 2009 war sein Boxer Juan Carlos Gómez, ebenfalls als Amateur aus Kuba geflohen, bei diesem Versuch k. o. gegangen.

          Ein Phlegmatiker im Ring

          Öner, der den Klitschkos in Abneigung verbunden ist, ist sich sicher, dass es dieses Mal besser läuft. „Wir können nur verlieren, wenn wir betrogen werden“, sagt er. 2003 stand Klitschko schon einmal einem Olympiasieger gegenüber - der technische K. o. in der sechsten Runde gegen Lennox Lewis war die bislang letzte Niederlage des Ukrainers. Solis hat seine 17 Profikämpfe gewonnen, bleibenden Eindruck hat er dabei jedoch nicht hinterlassen.

          Boxen sei das, was er am besten könne, interessiere ihn aber eigentlich nicht, sagt Solis. Er ist ein Phlegmatiker im Ring, der seinem Beruf eher gelangweilt nachgeht. Mit seiner deutschen Frau lebt er mittlerweile in Miami, in der kubanischen Exilgemeinde genießt der Boxer das Leben. Daran sind schon viele Kubaner gescheitert, die nach der Flucht aus der Heimat für viel Geld Profiverträge unterschrieben.

          Wahrlich kein Kind von Traurigkeit

          „Sie benehmen sich wie Kinder in einem Spielzeugwunderland“, sagt Öner. Der Deutschtürke, wahrlich kein Kind von Traurigkeit, wäre an der Arbeitseinstellung seines Boxers beinahe verzweifelt. Daher verordnete er Solis für das Duell mit Klitschko Training bei Pedro Luis Díaz, der ihn schon als 13 Jahre alten Anfänger auf Kuba im Boxen unterrichtet hatte. Díaz hatte sich 2007 in die Dominikanische Republik abgesetzt, wo er zunächst die Nationalstaffel betreute, ehe auch er ins Profilager wechselte.

          In den Tagen vor dem Kampf fiel Solis in Köln abermals durch seinen Körperschmuck auf. Um seinen Hals baumelte ein großer, vor Diamanten funkelnder SpongeBob Schwammkopf, die Figur aus der gleichnamigen Zeichentrickserie für Kinder. Dabei sollen die schwammigen Zeiten doch eigentlich vorbei sein.

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