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Klitschko gegen Ibragimow : Die „größten Boxer aller Zeiten“ suchen ein Profil

  • -Aktualisiert am

Nicht auf Augenhöhe: Wladimir Klitschko (l.) und Sultan Ibragimow Bild: REUTERS

Klitschko? Nun ja. Aber Ibragimow? Die Veranstalter versprechen einen Boxkampf der Superlative. Im Schlussspurt zum New Yorker WM-Duell der Schwergewichtler versuchen sie nun verzweifelt, den beiden Boxern Profil zu geben.

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          Wladimir Klitschko blickt reichlich hochmütig drein. Jedenfalls auf den riesigen Werbetafeln, die rund um den Broadway einen Boxkampf der Superlative anpreisen. Für die Amerikaner erschließt sich das Besondere am WM-Fight zwischen dem Ukrainer und dem Russen Sultan Ibragimow nicht auf Anhieb. Klitschko, nun ja. Das ist der mit dem Bruder Witali, der einst Lennox Lewis zusetzte. Jetzt also Wladimir. Ein Berufsboxer mit guten Manieren, von dem es mal hieß, dass er ein Glaskinn habe.

          Aber nun nicht mehr, seitdem er Weltmeister des Verbandes IBF wurde und es bis heute blieb. Aber wer zum Teufel ist dieser Ibragimow, der neben dem selbstsicheren Klitschko – man könnte dessen Gesichtsausdruck auch als arrogant deuten – so unendlich brav und unscheinbar wirkt? Im Schlussspurt vor dem Duell an diesem Samstag haben die Veranstalter ganze Arbeit geleistet, um speziell Pay-TV-Kunden doch noch auf den Geschmack zu bringen.

          Eine Promotion-Tour als russischer Heimatabend

          Die Werbung für die Laufkundschaft im Madison Square Garden indes zielt besonders auf jene, deren Muttersprache Russisch ist. Allein in New York sind es mehrere hunderttausend. Viele hat es in den Süden von Brooklyn verschlagen. Dort tragen Läden kyrillische Buchstaben, man deckt sich mit russischen Spezialitäten ein, und wenn gefeiert wird, dann vorzugsweise im „Rasputin Supper Club“. Den waschechten Russen erkennt man an der Betonung der Silben Putin.

          Der letzte Montag war nicht nur Feiertag (Präsidententag) in New York, für den „Rasputin Supper Club“ in Brooklin war es ein Festtag. Erst kam Ibragimow, dann Klitschko. Man setzte sie bei dieser Promotion-Tour, die zugleich zum Heimatabend werden sollte, an Tische, die so reich mit russischen Köstlichkeiten gedeckt waren, als gäbe es keinen nächsten Tag mehr. Die Zahl der Gänge überstieg die Zahl der Runden selbst dann, wenn der Fight im Madison Square Garden über die volle Distanz gehen sollte.

          Die beiden „größten Boxer aller Zeiten“

          Ibragimow und seine Gefolgsleute, auf einem roten Sofa plaziert, langten mit sichtlichem Vergnügen zu. Am Tisch neben ihnen, getrennt durch die Treppe zur Bühne, saß der Asket Klitschko und rührte keinen Bissen an. Über den Ringhelden lief eine Endlosschleife mit bewegten Bildern von Ibragimow und Klitschko als K.-o.-Königen. Ein Moderator im Frack erhob beide zu den „größten Boxern aller Zeiten“. Genauso gut könnte man Carla Bruni zur First Lady des französischen Chansons erklären.

          Zumindest Ibragimow muss erst noch seine Weltklasse beweisen, auch wenn er es bereits zum WBO-Weltmeister gebracht hat. Vor einem Jahr sorgte er für den schnellsten K.o. in der Geschichte des Madison Square Garden, als Javier Mora nach nur 46 Sekunden ausgezählt wurde. Gerade mal elf Wochen später, nach dem Sieg über Shannon Briggs, grüßte Ibragimow als der neue Schwergewichtschampion. Nun also steigt der erste Vereinigungskampf im Schwergewicht seit neun Jahren. Damals nahm der Brite Lennox Lewis dem Amerikaner Evander Holyfield dessen WM-Gürtel ab.

          Den Ausblick gleich zweisprachig formuliert

          Um Neutralität bemüht, haben sie im „Rasputin Supper Club“ beide Athleten mit Fresskörben heimatlicher Kost bedacht, von deren Verbleib Wladimir Klitschkos Manager Bernd Bönte am Tag drauf schon nichts mehr wusste. Man kann nicht behaupten, dass Wladimir Klitschko mit seiner Heimatliebe hausieren ginge. Das passte auch nicht zu einem, der sich als Weltbürger gibt. Geboren in Kasachstan, aufgewachsen in der Ukraine, zwischen Terminen in Deutschland und den Vereinigten Staaten pendelnd, vorzugsweise das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ lesend.

          Bei der kurzen Talkshow in Brooklyn, Seite an Seite mit Ibragimow, formulierte er seinen Ausblick auf den Ernstfall druckreif zweisprachig. Die Formulierungen saßen, bei den Grußworten an alle Gäste erhob er die Stimme. Ein Schauspieler hätte das nicht besser hingekriegt. Ibragimow dagegen hört sich – englisch wie russisch – immer so an, als würde er nuscheln. Selbst Klitschko hatte Mühe, den Mann aus dem äußersten Süden Dagestans zu verstehen.

          Ibragimow hat gar nichts Schillerndes an sich

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