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Klitschko besiegt Ibragimow : Pfiffe und Buhrufe für den doppelten Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Treffer, die in New York wenig Begeisterung auslösten Bild: AP

Nur nichts riskieren: Bei seinem Punktsieg über Sultan Ibragimow wurde Wladimir Klitscho kein Haar gekrümmt. Am Ende reichte es - in jeder Hinsicht. Die Zuschauer in New York pfiffen auf den doppelten Weltmeister.

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          Schön praktisch, wenn man einen Fürsprecher hat, dessen Urteil als Fachmann etwas gilt. Die Pfiffe im Madison Square Garden waren die Stimme des Volkes, aus Lennox Lewis wiederum sprach der Insider des Boxgeschäfts. Nein, jene 14.000 in der nicht ausverkauften Arena, die Wladimir Klitschko gegen Sultan Ibramigow boxen sahen, hatte der souveräne Punktsieg nie groß in Wallung bringen können.

          Am Ende reichte es - in jeder Hinsicht. Jetzt ist der Ukrainer Klitschko also Doppelweltmeister im Schwergewicht, ohne dass ihm auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. „Die Hauptsache ist es, zu gewinnen“, kommentierte Lewis das Geschehen im Ring. Der Brite ist ein Boxkollege, der nach seinem Abbruchsieg über Witali Klitschko Schluss gemacht hat mit der Karriere im Ring. Seitdem beurteilt der ehemalige Weltmeister seine Nachfolger so leidenschaftslos wie es Börsenanalysten auf ihrem Feld tun.

          Klitschko hält sich den risikoscheuen Gegner vom Hals

          „Zwei Weltmeistergürtel hat er, zwei fehlen ihm noch“, rechnete Lewis hoch. Dann wäre Wladimir Klitschko das, was Lennox Lewis einmal war: Der Weltmeister aller Verbände. Die Aktie Klitschko ist gestiegen, nachdem er Ibragimow dessen WBO-Gürtel abgenommen hat, aber um die Gunst des Publikums zu gewinnen, wird er noch zulegen müssen.

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          Wladimir habe „intelligent“ geboxt, lobte ihn Witali unter Brüdern und berief sich auf die strikt eingehaltene Strategie, die drauf hinauslief, stets die Kontrolle über das Geschehen zu behalten. Der um 15 Zentimeter größere IBF-Champion fuhr seinen linken Arm wie einen Fühler aus, hielt sich damit den ebenfalls risikoscheuen Ibragimow vom Hals.

          Nur keine Blöße geben, den Kampfplan minutiös einhalten

          „Ich habe den ganzen Kampf auf seine Rechte gewartet“, beklagte Ibragimow hinterher. So habe er kein Schlupfloch für seine Fäuste vorgefunden. Den Gefallen tat ihm der Ukrainer so wenig wie dem Publikum. Nur keine Blöße geben, den Kampfplan minutiös einhalten war das oberste Gebot. Ehe die rechte Schlaghand erstmals zum Einsatz kam, war bereits die vierte Runde eingeläutet.

          Schon zum Ende des dritten Durchgangs steuerte Ibragimow kopfschüttelnd seine Ringecke an. Das Bild wiederholte sich. Dieser Mann ließ seine Sekundanten wissen: So wird das nichts! Runde für Runde verging nach einem ähnlichen Strickmuster. Wer wie Wladimir Klitschko alles unter Kontrolle hat, erstickt neben den eigenen Emotionen auch die des Publikums.

          „Die schwierigsten Kämpfe liegen noch vor mir“

          Wladimir Klitschko macht sich etwas vor, wenn er behauptet, „jede Sekunde dieses Sports zu genießen“. Im Ring zumindest ist nur noch Anspannung pur bis zur Verkrampfung zu spüren. Vielleicht ist es die Prüfungsangst eines Kandidaten, der schon drei Kämpfe verloren hat und nie wieder durch das Examen rauschen will. Schließlich hat K2, die Firma der Inhaber Klitschko noch viel vor: Als Brüderpaar alle zu vergebenden Titel einzukassieren.

          „Die schwierigsten Kämpfe liegen noch vor mir“, sagt der jüngere, während das Comeback des älteren Witali bereits ein WM-Duell um den Gürtel der WBA sein wird. Bliebe als Kandidat Wladimir Klitschkos für den nächsten Vereinigungskampf der Sieger vom 8. März in Cancun. Dort duellieren sich WBC-Titelverteidiger Oleg Maskajew (Kasachstan) und Herausforderer Samuel Peter (Nigeria). „Gegen den Sieger wird Wladimir anders boxen“, ist sich Lewis sicher.

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