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Klitschko besiegt Charr : Nacht der Peinlichkeiten

  • -Aktualisiert am

Ukrainischer Erfolg in Moskau: Vitali Klitschko bleibt Weltmeister Bild: REUTERS

Witali Klitschko gewinnt nach großer Überlegenheit durch technischen K.o. Herausforderer Manuel Charr tönt dennoch - auf der Pressekonferenz. So endet die Nachtschicht als Groteske.

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          Die Nachtschicht von Moskau endete als Groteske. Verlierer Manuel Charr bettelte zuerst: „Witali, gib mir bitte eine zweite Chance.“ Dann tönte der Wahl-Kölner mit dem libanesisch-syrischen Pass – die deutsche Hymne und schwarz-rot-goldene Fahne seinetwegen waren Etikettenschwindel – auf der Pressekonferenz.

          „Heute wäre ich Weltmeister geworden. In der zweiten Hälfte hätte ich Witali k.o. geschlagen. Ich habe die Angst in seinen Augen gesehen. Der Ringarzt hat den Kampf gewonnen.“ Was sollte Witali Klitschko nach großer Überlegenheit und dem Sieg durch technischen K.o. wegen einer stark blutenden Augenbrauenverletzung des Herausforderers dazu sagen? Der Champion schwieg lieber mit leicht amüsiertem Lächeln.

          Der WBC-Weltmeister im Schwergewicht hat sicher anderes im Sinn, als sich noch einmal mit Charr zu beschäftigen. Am 28. Oktober sind Wahlen in der Ukraine. Dann will der Parteivorsitzende der UDAR ins Parlament einziehen und danach bekanntgeben, ob es noch einen weiteren Box-Kampf geben wird. Doch mit einer derartigen Farce wie vor 20.000 Zuschauern in der Olympiyski Arena und 9,22 Millionen RTL-Zuschauern dürfte Klitschko seine Karriere nicht beenden wollen.

          Das Duell war von vornherein ein sogenanntes Missmatch, das freilich mit einem „Sechser im Lotto“ für Charr endete, wie der deutsche Boxpräsident Thomas Pütz den Abbruch 56 Sekunden vor Ende der vierten Runde süffisant nannte. Denn nun kann der Aufschneider sich weiterhin produzieren. Der 27 Jahre alte Charr besaß die Chuzpe, zu behaupten: „Mir ist es ergangen wie Dir gegen Lennox Lewis.“

          Klitschko dominierte den Kampf gegen den Deutsch-Libanesen klar Bilderstrecke

          Vor neun Jahren hatte Witali Klitschko nach sechs spannenden Runden in Los Angeles gegen den damaligen WBC-Champion Lewis bei allen drei Punktrichtern mit zwei Punkten Vorsprung geführt, als Ringarzt und Ringrichter in der Pause zur siebten Runde den Kampf wegen einer fürchterlich anzusehenden Verletzung an Klitschkos linkem Auge abbrachen.

          Mit einem rechten Konter Ende der zweiten Runde hatte Klitschko den Angreifer zu Boden geschlagen. Charr aber sagte: „Ich bin nur ausgerutscht.“ Mit einem linken Jab riss ihm Klitschko Mitte der vierten Runde die Augenbraue auf. Das Blut ergoss sich über das ganze Gesicht.

          „Ich bin traurig, dass der Kampf so endete“

          Der italienische Ringrichter Guido Cavalleri konsultierte den Ringarzt; Stefan Holthusen empfahl den Abbruch. Charr tobte danach theatralisch, trat gegen die Ringseile, kletterte aber dann in Siegerpose an den Ringpfosten hoch. „Ich bin traurig“, sagte Witali Klitschko, „dass der Kampf so endete. Aber es gibt nun einmal Regeln, die die Gesundheit des Boxers schützen.“

          Selbst vom Auftritt seiner Frau Natalia als Sängerin im „Showact“ schien er nicht begeistert. Klitschko ist dagegen, dass seine Frau ihr Hobby zur Karriere machen will. „Der Papa ist schon ständig unterwegs. Was wird mit den drei Kindern, wenn auch die Mama kaum noch zu Hause ist?“ Ein Box-Weltmeister und seine Sorgen.

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