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Spektakuläre Auftritte bei EM : Königliches Klettern

Star der Szene: Janja Garnbret aus Slowenien Bild: dpa

Die Begeisterung in München zeigt, dass es sich lohnt, den Kletterern eine Bühne zu geben. Das weiß auch das IOC, das um junge Zuschauer für Olympia kämpft. Aber braucht das Klettern überhaupt Olympia?

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          Auf dem Königsplatz in München steht momentan eine Kletterwand. Sie ist so schräg, dass man meinen könnte, sie werde gleich umkippen – und sie ist mit 18 Metern so hoch, dass man den Atem anhält, wenn die Athletinnen und Athleten sich an den steilsten Stellen mit den Fingern an einem Griff festhalten, der kaum größer ist als einer der Kieselsteine auf dem Königsplatz. An der Wand sind sie mit einem Seil gesichert. Doch das nimmt der Spannung nichts.

          Am Samstag etwa springt Janja Garnbret aus Slowenien, die Königin der Kletterinnen, im Lead-Finale dem letzten Griff entgegen – und stürzt, kopfüber, mehrere Me­ter, ehe das Seil den freien Fall stoppt. Und wenn sie sich in dem Mo­ment verständlicherweise nicht um Wichtigeres hätte kümmern müssen, hätte sie sehen können, wie 5000 Menschen der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand.

          Kletterer wie Rockstars empfangen

          Am Montag haben die Klette­rinnen und Kletterer ihre Einzelevents der European Championships abgeschlossen. In drei Disziplinen sind sie angetreten: Bouldern, Lead und Speed. Man macht sich nicht des Jubeljournalismus schuldig, wenn man schreibt: Es war wirklich spek­takulär! Das lag natürlich daran, wie sie kletterten, aber auch ein bisschen daran, wo sie kletterten: Auf dem Kö­nigsplatz in München, den einst König Ludwig I. errichten ließ. Das Vorbild: die Akropolis in Athen.

          So schauten die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur auf die Kletterwand, sondern auch auf die so­genannten Propyläen. Am Mittwoch und Donnerstag werden sich dort wohl wieder 5000 Menschen die Kombinationswettbewerbe (Bouldern plus Lead) anschauen. Sie wollen kommen, weil sie die Stars der Szene sehen können. Die Slowenin Janja Garnbret, die – trotz Sturz – sowohl im Lead als auch im Bouldern siegte. Und den Tschechen Adam Ondra, der Gold (Lead) und Bronze (Bouldern) holte.

          In München, wo der Trendsport Klettern zudem oh­nehin besonders beliebt ist, werden sie wie Rockstars empfangen. Die Sektion München des Deutschen Al­penvereins hat 180.000 Mitglieder, immerhin ein Siebtel der Gesamt­mitglieder. Es hätten vermutlich mehr als 5000 Tickets pro Tag verkauft werden können. Und daher kann man schon deutlich vor dem Ende der European Championships sagen: Das Klettern am Königsplatz ist mindestens der heimliche Höhepunkt der Europameisterschaften in München.

          An den Bildern des Königsplatzes kann man auch sehen, warum das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Klettern vor den Sommerspielen in Tokio in sein Programm aufgenommen hat – und die Partnerschaft in Paris 2024 fortsetzen wird. Das IOC muss sich mit dem Problem auseinandersetzen, dass viele olympische Sportarten im Leben der Ju­gend nicht mehr vorkommen.

          Das Beispiel aus München, wo die Jugend begeistert zuschaute, zeigt aber, dass es sich lohnt, dem Klettern eine Bühne zu geben. Was früher oder später wieder zu einer schwierigeren Frage führen wird: Braucht das Klettern, das für die meisten nicht zwingend vom Wettkampf, sondern vom Erlebnis lebt, die Olympischen Spiele überhaupt?

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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