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Beachvolleyball-EM : Silber für die Underdogs

Die neuen Europameisterinnen: Anouk Vergé-Depre (r.) und Joana Heidrich. Bild: EPA

Die Nachrücker Kim Behrens und Cinja Tillmann verlieren das Endspiel der Beachvolleyball-EM hauchdünn. Und das, obwohl ihnen der eigene Verband keine Medaillenchance einräumte.

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          Zum ganz großen Coup am Ostseestrand von Jurmala reichte es dann doch nicht für Kim Behrens und Cinja Tillmann. Im Finale der Europameisterschaften in Lettland unterlag das deutsche Beachvolleyball-Duo den favorisierten Schweizerinnen Joanna Heidrich und Anouk Vergé-Depré nach hartem Kampf in drei Sätzen (21:18, 14:21, 16:18). Einen Matchball konnten sie nicht verwandeln, Heidrich/Vergé-Depré dagegen nutzen ihren dritten – danach feuerte Kim Behrens ihre Sonnenbrille in den Sand und Cinja Tillmann kämpfte mit den Tränen. Doch auch mit der Silbermedaille um den Hals hatte sich der Ausflug ins Baltikum gelohnt – und für Aufsehen in der Szene gesorgt.

          Die beiden Endzwanzigerinnen waren nur als Nachrückerinnen ins Teilnehmerfeld gerutscht, weil das deutsche Nationalteam Karla Borger/Julia Sude wegen der ihrer Ansicht nach unklaren Corona-Lage in Lettland auf einen Start verzichtet hatte. Von ihrem sportlichen Leistungsvermögen wären freilich auch Behrens/Tillmann qualifiziert gewesen, doch weil maximal vier Teams pro Nation teilnehmen durften, hatte sich der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) gegen das Duo aus Flacht und Hildesheim entschieden. Nicht zum ersten Mal.

          DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand traut ihnen nicht zu, um internationale Medaillen mitzuspielen. Behrens/Tillmann bilden ein etwas ungewöhnliches Beach-Duo, da sie beide als Abwehrspezialistinnen gelten und keine von ihnen über Gardemaß von mehr als 1,79 Meter verfügt. Im Finale fehlten ihnen dann tatsächlich ein paar Zentimeter am Netz gegen Vergé-Depré (1,85) und Heidrich (1,90). Doch Größe allein macht noch kein Spitzenduo aus.

          Anouk Vergé-Depré findet die Lücke gegen Kim Behrens (rechts)
          Anouk Vergé-Depré findet die Lücke gegen Kim Behrens (rechts) : Bild: EPA

          Die Underdogs bescherten dem deutschen Verband immerhin die einzige Medaille in Lettland. Die Nationalteams scheiterten früher: Olympiasiegerin Laura Ludwig und Margareta Kozuch schieden ebenso wie Victoria Bieneck/Isabel Schneider im Viertelfinale aus. Die deutschen Meisterinnen Sandra Ittlinger/Chantal Laboureur unterlagen im Achtelfinale gegen Ludwig/Kozuch. Von den deutschen Männerteams um die WM-Zweiten Julius Thole/Clemens Wickler erreichte kein einziges auch nur das Achtelfinale.

          Schon im vergangenen Jahr wurden Behrens/Tillmann bei Turnieren auf der World Tour von Hildebrand nicht berücksichtigt. Ihre ungünstige Position wollen sich die durchaus schlagfertigen Beachvolleyballerinnen nun aber nicht länger gefallen lassen. Sie klagten gegen den DVV um ihr Recht auf freie Berufsausübung. Neben fehlender Chancengleichheit machen sie auch entgangenen Prämien und ausbleibende Zuwendungen ihrer Sponsoren geltend.

          Mutig voran: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann (Archivbild)
          Mutig voran: Kim Behrens (l.) und Cinja Tillmann (Archivbild) : Bild: dpa

          Kurz nach der EM wird die Frist verstreichen, die das Frankfurter Landgericht für einen Vergleich vorgeschlagen hat. Der zweite Verhandlungstag ist für Mittwoch, 23. September angesetzt, am Dienstag feiert Kim Behrens ihren 28. Geburtstag. Nach dem knapp verlorenen Endspiel war ihr erst mal nicht nach Freude zumute: „Es überwiegt gerade, dass wir unsere Chance nicht genutzt haben. Das ist wirklich ärgerlich“, sagte sie: „Gefühlt hätten wir den Sieg verdient.“

          Man dürfe das Resultat aber auch nicht zu schlecht reden, meinte sie noch und bekannte: „Ich bin echt stehend K.o.“ Mit ihrem dritten Rang bei den deutschen Meisterschaften vor 14 Tagen hatten die beiden ihre Saison eigentlich schon beendet –  ehe doch noch der Ruf nach Riga erfolgte. „Wir sind ohne große Erwartungen angereist, wollten einfach nur spielen und ein letztes gutes Turnier in diesem Jahr haben“, sagte Cinja Tillmann. Das erste Gruppenmatch hatten sie noch verloren, sich dann aber von Spiel zu Spiel gesteigert, blieben im weiteren Turnierverlauf ohne Satzverlust und schlugen auf dem Weg ins Finale auch die topgesetzten Schweizerinnen Tanja Hüberli/Nina Betschart.

          „Wir könnten nie lernen, mutig und geduldig zu sein, wenn es nur Freude auf der Welt gäbe“, zitiert Psychologiestudentin Kim Behrens schon mal die amerikanische Autorin Helen Keller, um ihre Situation zu beschreiben. Die taubblinde Schriftstellerin beschäftigte sich mit Menschen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. Kim Behrens meint: „Ich war schon immer mutig und noch nie geduldig.“ Um ihr Ziel zu erreichen, müsse sie es aber Schritt für Schritt angehen. Jurmala könnte ein großer gewesen sein.

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