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Kienle und Kittel im Gespräch : „Ein positiver Test wäre das Ende für mein Leben“

  • Aktualisiert am

Sebastian Kienle gewann im Oktober den Ironman auf Hawaii Bild: Imago

Am Sonntagabend werden die deutschen Sportler des Jahres gekürt – wir haben unsere Favoriten dagegen schon gefunden: Im F.A.S.-Interview sprechen Triathlet Sebastian Kienle und Radprofi Marcel Kittel über ihr Jahr 2014, falsche und richtige Signale im Kampf gegen Doping und GPS-Ortung für Spitzensportler.

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          Herr Kienle, wie weit würden Sie bei einer Tour de France kommen?

          Sebastian Kienle: Nicht besonders weit. Wahrscheinlich nicht über die erste Etappe hinaus. Die Optionen wären: aus dem Zeitlimit fliegen - oder stürzen. Wahrscheinlich stürzen. Das ist ein ganz schön großer Unterschied zwischen dem einsamen Radfahren beim Triathlon und der Hektik im Riesenfeld einer Tour. Ich kann konstant relative hohe Leistung fahren, im Zeitfahren könnte ich bei der Tour halbwegs mithalten, aber bei einer normalen Etappe wäre es schwierig, ohne Sturz durchzukommen.

          Marcel Kittel: Die Tour ist sehr hektisch, es wird auf Millimeter aneinander gefahren, und dann knallt es eben auch schon mal. Vom Physischen her würdest du die erste Etappe sicher im Zeitlimit überstehen, aber im Feld fahren, das muss man üben. Das ist Gewöhnungssache, man muss sich im Feld mit geringen Abständen sicher bewegen können, denn man verliert unheimlich viel Kraft, wenn man immer wieder Lücken zufahren muss.

          Umgekehrt: Wie weit würden Sie bei einem Ironman-Triathlon kommen?

          Kittel: Dummerweise fängt ein Triathlon mit dem Schwimmen an. Ich würde mir 400 Meter geben, dann wäre ich ertrunken. Ein Ironman, das ist schon eine ungeheure Distanz. Acht Stunden Höchstleistung in drei verschiedenen Sportarten, das ist echt beeindruckend. Mich fasziniert das, mich faszinieren auch andere extreme Sportarten, Klettern zum Beispiel, ich habe ein bisschen mit Bouldern angefangen, und wenn man sich dann vorstellt, an einer Wand tausend Meter über der Erde zu hängen, ohne Seil, nur auf seine Kraft und Konzentration angewiesen, eine solche Leistung kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Und so geht es anderen Leuten wahrscheinlich auch bei der Tour de France.

          Kienle: Ich habe großen Respekt vor Radprofis. Wir im Triathlon vergleichen uns gern ein bisschen mit den Spezialisten im Schwimmen, Radfahren und Laufen, und dadurch können wir relativ gut einschätzen, welch großartige Leistungen in den Spezialdisziplinen erbracht werden.

          Marcel Kittel gewann in diesem Jahr vier Etappen der Tour de France

          Ironman-Europa- und Weltmeister, acht Tour-de-France-Etappen gewonnen - wie kommt man mit derart großen Erfolgen klar?

          Kienle: Wir haben nicht Lotto gespielt und gewonnen, wir haben viele Jahre hart dafür gearbeitet. Ich habe am Anfang meiner Karriere die Rennen nie gewonnen, aber ich war immer nahe genug dran, um heiß darauf zu sein, besser zu werden. Ich war nicht gut genug, um satt zu sein. Und ich war nicht schlecht genug, um aufzugeben. Das ist eine gute Mischung. Man macht weiter, wird besser, setzt sich Ziele, und am Ende hat man nicht das Gefühl, dass der Erfolg vom Himmel gefallen ist. Ich glaube, ich kann ganz gut damit umgehen.

          Kittel: Ich bin Profi geworden mit der Intention, zu sehen, wie weit ich es schaffen kann. Als ich 2013 in Korsika die erste Tour-Etappe gewonnen habe, mit meinem Team, das als Underdog galt, ist um mich herum die Welt schon ein bisschen explodiert. Die Medienaufmerksamkeit war plötzlich riesig, das hat die ganze Mannschaft auch ein wenig überfordert. Bei mir wurde es vor allem nach der Tour schwierig, es hat mich richtig müde gemacht, damit umzugehen und meinen Weg zu finden, ich hatte da einen kleinen Hänger, muss ich ehrlich sagen. Ich musste erst mal verstehen, dass ich jetzt anders wahrgenommen werde.

          Verfolgen Sie eigentlich die Tour, Herr Kienle?

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