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Trainer Jicha schlägt Alarm : Handballer am Limit

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Trainer Filip Jicha: In der Zwickmühle aus „spielen müssen oder dürfen“ versetzt er sich in die Lage der Profis. Bild: EPA

In der Zwickmühle aus „spielen müssen oder dürfen“ versetzt sich THW-Trainer Jicha in die Lage der Profis angesichts der Corona-Bedingungen und verweist auf den hohen Preis, den sie zahlen.

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          Als Kieler Handballtrainer ist man schon froh, wenn nur noch jeden dritten Tag ein Spiel ansteht. Dann ist wenigstens eine Trainingseinheit zwischen zwei Einsätzen möglich, die etwas mehr als Regeneration bedeutet. Es geht ab sofort in der bekannten Taktung weiter für den deutschen Rekordmeister: am Mittwoch in der Champions League bei Pick Szeged, Achtelfinale, Hinspiel.

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          „Zwei Spiele pro Woche sind machbar“, sagte Filip Jicha gegenüber dem NDR. Der Coach hatte vor der 28:31-Niederlage am Samstag in Flensburg mahnend an die Situation im Februar erinnert, als die Kieler nach ihrer zweiten Quarantäne-Zwangspause sieben Spiele in 13 Tagen absolvierten, das erste davon im Kaltstart-Modus nach nur einem Training. Solch ein Stress verkürze Karrieren, klagte er.

          Weil der Ligaverband und mithin alle Vereine ihre Saison unbedingt beenden wollen und es als Privileg begreifen, überhaupt spielen zu dürfen, kamen Jichas wahre Worte bei der Handball-Liga (HBL) schlecht an. Der THW sah sich genötigt, eine Pressemitteilung herauszugeben, um seinem Trainer beiseite zu springen. Am Samstagabend in Flensburg besänftigte Jicha die Gemüter: „Meine Aussagen war auf die allgemeine Lage gemünzt. Alle Nationalspieler, ob aus Kiel, Flensburg, Göppingen oder woher auch immer, sollten großen Respekt bekommen. Wir versuchen unseren Handball zu retten und die Spieler tragen den größten Teil der Verantwortung.“

          Zusammenstoß vor Derby

          Grundsätzlich ist es erfreulich, dass Jicha die Dinge beim Namen nennt. In der Zwickmühle aus „spielen müssen oder dürfen“ versetzt er sich in die Lage der Profis und verweist auf den hohen Preis, den sie zahlen. Der HBL geht es darum, sichtbar zu bleiben und den Kredit der Öffentlichkeit zu behalten. Das stieß in den Tagen vor dem Derby zusammen. Beide Seiten haben ihre Argumente. Sieht man jedoch, was Jicha und dem THW bevorsteht bis zum Saisonschluss Ende Juni, wirkt verständlich, dass er Alarm schlägt. Die Rückrunde plus Champions League plus DHB-Pokal-Finalrunde muss Kiel in drei Monaten bewältigen. Um das im Drei-Tage-Rhythmus hinzukriegen, darf es keine dritte Quarantäne geben.

          Das gilt natürlich für die SG Flensburg-Handewitt, den neuen Tabellenführer, genauso. Kiel, nach der zweiten Saison-Niederlage fair und gelassen, musste neben den Minuspunkten Verletzungen hinnehmen, die buchstäblich weh taten. Erst knickte Abwehrchef Hendrik Pekeler um und musste zur Bank humpeln. Dann vertrat sich auch sein Ersatz Pavel Horak. Dank des doppelten Ausfalls kam die SG ungefährdet zum Heimsieg.

          Die Dänen mussten draußen bleiben

          Es war ein merkwürdiges Aufeinandertreffen der Landesrivalen. Wegen der Corona-Fälle im dänischen Nationalteam und folgender Quarantäne fehlte Kiel Niklas Landin. Bei Flensburg schauten Mads Mensah Larsen und Simon Hald zu. Weil das Kieler und Flensburger Gesundheitsamt zuständig waren, unterschiedliche Behörden mit möglicherweise anderen Auslegungen, hatten sich die Vereine abgesprochen, dass keiner der Dänen spielen würde. Das traf Kiel mehr als Flensburg, denn während die Mini-SG mit ihren acht Feldspielern auftrumpfte, kam der große THW-Kader auch deshalb nicht zum Tragen, weil eine konstante Torwartleistung fehlte.

          Ein kleiner Kader reicht den Flensburgern, weil sie Leute wie (v.l.:) Jim Gottfridsson, Hampus Wanne und Johannes Golla in ihren Reihen haben
          Ein kleiner Kader reicht den Flensburgern, weil sie Leute wie (v.l.:) Jim Gottfridsson, Hampus Wanne und Johannes Golla in ihren Reihen haben : Bild: dpa

          Zwar machte es Oldie Mattias Andersson gut, als er nach 20 Minuten Dario Quenstedt ersetzte. Doch seine Paraden reichten nicht. Trotzdem beeindruckte es, wie der an diesem Montag 44 Jahre alt werdende Schwede Form und Fitness bewahrt hat, obwohl er doch nur noch Kiels Torwarttrainer ist. In Sachen Ehrgeiz macht ihm ohnehin niemand etwas vor. Bei der SG füllte jeder seine Rolle am Optimum aus. Angeführt von Jim Gottfridsson spielte Flensburg lange Angriffe, fand oft Lösungen über den Kreis oder Außen.

          Dort hat sich Hampus Wanne in die beste Form seiner Laufbahn gespielt. Schärfe und Variabilität des Schweden beim Torwurf suchen ihresgleichen. Der THW hielt in Person von Sander Sagosen dagegen. Zehn Tore warf der Norweger. Doch seine Kollegen waren an diesem Abend mehr damit beschäftigt, auf Flensburgs Spiel zu reagieren, statt selbst zu agieren. Das kritisierte später auch Jicha – in Maßen: „Es war ein gebrauchter Tag heute.“ Bei der SG kommen Mensah und Hald zurück. Drei verletzte Spieler fehlen weiterhin. Und auch für sie geht es am Donnerstag in der Champions League weiter, Achtelfinale in Zagreb. Dann folgt Sonntag das nächste Spitzenspiel – in Magdeburg. Soweit die Füße tragen: Das trifft in dieser Spielzeit auf beide deutsche Spitzenteams zu.

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