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Kieler Handball-Prozess : Nielsen bleibt bei den Vorwürfen

  • -Aktualisiert am

Keine Gedächtnislücken: Jesper Nielsen (h.) belastet Nenad Serdarusic (v.) schwer Bild: dpa

Jesper Nielsen sagt detailliert im Prozess gegen Serdarusic und Schwenker aus. Die damaligen Kieler Verantwortlichen hätten ihm vom angeblich gekauften Champions-League-Finale 2007 erzählt.

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          Vor fünf Wochen hatte er in einem Zeitungsgespräch noch gesagt, er könne sich kaum daran erinnern, was an jenem 1. Februar 2009 in einer Zagreber Hotel-Bar am Rande der Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien gesprochen worden sei. Am Mittwochmorgen wies Jesper Nielsen dann keine Gedächtnislücken auf, als er am zweiten Tag des Prozesses gegen Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic wegen gemeinschaftlich begangener Bestechung im geschäftlichen Verkehr aussagte.

          Vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Kiel belastete Nielsen die Angeklagten in gleicher Form wie bei seiner ersten Aussage im März 2009. Sowohl Schwenker, der ehemalige Manager des Handball-Bundesligaklubs THW Kiel, als auch der frühere Trainer Serdarusic hätten ihm Anfang Februar 2009 erzählt, dass die Schiedsrichter im Finalrückspiel der Champions League 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt bestochen gewesen seien. Nielsen ist Gesellschafter und ehemaliger Hauptsponsor des Bundesligaklubs Rhein-Neckar Löwen; er gilt als wichtigster Zeuge der Anklage. Die Angeklagten bestreiten alle Vorwürfe.

          Am Mittwoch sagte Nielsen darüber hinaus, treibende Kraft bei der Bestechung sei Serdarusic gewesen. „Schwenker hat damals zu mir gesagt, er habe nichts damit zu tun. Er habe das auch nicht gewollt“, sagte Nielsen, „aber der Trainer habe ihn fast dazu gezwungen“. Die Bestechung sei dann über einen Vertrauten Serdarusics gelaufen, den kroatischen Mittelsmann Nenad Volarevic. Schwenker selbst habe damals in Zagreb gesagt, er habe lediglich das Geld vom THW-Konto angewiesen. Schwenker hat auch das bestritten. Volarevic soll vom THW Kiel 92.000 Euro erhalten haben, einen Teil des Geldes soll er den polnischen Schiedsrichtern in Warschau als Bestechungsgeld übergeben haben. Die Vorwürfe gegen Schwenker und Serdarusic hatte Jesper Nielsen im Frühjahr 2009 in diversen Zeitungen wiederholt.

          Am ersten Verhandlungstag am vergangenen Mittwoch hatten Schwenkers und Serdarusics Anwälte von frei erfundenen Vorwürfen Nielsens gesprochen. Die habe sich Nielsen damals ausgedacht, um den THW zu diskreditieren und die Ablösesummen für zwei der besten Kieler Spieler zu drücken, Nikola Karabatic und Vid Kavticnik. Beide wollten damals gemeinsam mit Trainer Serdarusic zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln.

          Der THW soll für die beiden Profis eine Ablöse in Höhe von 3,5 Millionen Euro verlangt haben. Schwenker und seine Anwälte behaupten, die Löwen, einer der Hauptkonkurrenten der Kieler, hätten mit den Vorwürfen versucht, den THW zu erpressen, um weniger bezahlen zu müssen. Karabatic und Kavticnik wechselten letztlich nach Montpellier.

          Nielsen hatte im März 2009 vor der Staatsanwaltschaft in Kiel ebenfalls ausgesagt, bei einem Treffen in Serdarusics Haus am 11. Februar 2009 hätten der Trainer und seine Frau die Schiedsrichterbestechung zugegeben. Daraufhin habe Nielsen dafür gesorgt, dass Serdarusic seinen Trainervertrag bei den Löwen auflöste. Zu diesem Gespräch soll sich Jesper Nielsen an diesem Freitag äußern; das Gericht hat ihn für diesen Tag noch einmal als Zeugen geladen.

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