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Kickboxerin Christine Theiss : Sportlich, hübsch und erschreckend gescheit

  • -Aktualisiert am

Pediküre war einmal: Kickboxerinnen wie Christine Theiss tritt kräftig zu Bild: F.A.Z.-Jan Bazing

Christine Theiss hat Medizin studiert und wollte Ärztin werden. Jetzt ist sie Kickboxprofi und ein Mediendarling. Der Grat ist schmal. Aber „Dr. Kick“ lebt gut damit.

          3 Min.

          „Eins! Zwei! Drei!“ Bei drei springt Christine Theiss aus ihrer Ecke im Trainingsring und schleudert ihren rechten Fuß in die Luft. „Perfekt, das war's!“, sagt der Fotograf. „Nee, nee“, widerspricht sie, „das kannst du nicht nehmen, mein Fuß war zu hoch.“ Stimmt, sagt der Fotograf nach einem Blick auf das Actionbild. „Ich bin einfach zu gut“, sagt Christine Theiss. Sie steht schon wieder in Position.

          Als Christine Theiss im Sommer den „Bayerischen Sportpreis“ gewann, ehrte der damalige Ministerpräsident Günther Beckstein die 28 Jahre alte Kickboxerin, die ein weinrotes Glitzerkleid trug, mit den Worten: „Sie ist sportlich, hübsch und erschreckend gescheit.“ Sie ist ein Mediendarling und widerlegt das Vorurteil, dass Kickboxer breite, glatzköpfige Schlägertypen sind.

          Vier Titel in Folge, 40 Fernsehauftritte im Jahr

          Die 1,75 Meter große Ärztin mit den langen blonden Haaren hat gerade ihren Doktortitel gemacht, sie präsentiert sich stets charmant und eloquent - und ist Kickbox-Weltmeisterin. Vor zwei Wochen hat sie ihren Titel vor 3000 Zuschauern in München zum vierten Mal verteidigt.

          „Sie ist sportlich, hübsch und erschreckend gescheit”: Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss

          Auf 40 Fernsehauftritte brachte es Christine Theiss in den vergangenen zwölf Monaten. Sie plauderte mit Günther Jauch ebenso wie mit Johannes B. Kerner. Sie trat Stefan Raab mit dem Fuß einen Apfel von seinem Kopf. Sie schlüpfte für die Männerzeitschrift „Maxim“ in einen Bikini und räkelte sich am Pool. Auch wenn ihre Kämpfe noch nicht live im Fernsehen übertragen werden, der Münchner Boulevard ist auch so schon ganz vernarrt in „unsere Chrissie, die Kickbox-Queen“, und weiß: „Von dieser Frau würde sich jeder Mann gerne verprügeln lassen.“

          Zurückhaltend, uneitel, reflektiert

          Der Privatmensch Christine Theiss hat mit der Medienfigur Christine Theiss wenig zu tun: Sie ist zurückhaltend, uneitel, reflektiert. „Wenn ich alles glauben würde, was die Presse über mich schreibt, dann bin ich mindestens die tollste Frau der Welt“, sagt sie. Sie findet die Geschichten über „Dr. Kick“ oft zu reißerisch, sie selbst würde nie so über sich schreiben. Aber klagen will sie nicht. „Ich verdiene als Profi schließlich mein Geld durch meine Medienpräsenz.“

          Seit einem Jahr ist sie Profikickboxerin, die einzige in Deutschland. Sie verdient mehr als ihre männlichen Kollegen, weil „ein Mann, der Kickboxen macht, nichts Besonderes ist“, wie sie sagt. Das ausgefallene Gehalt als Assistenzärztin kann sie gut kompensieren. Als neuen Geschäftszweig plant ihr Manager jetzt Fitnessvideos mit Christine Theiss. Doch sie will sich nicht von ihrer Hauptaufgabe ablenken lassen: Kickboxen in Deutschland populär zu machen. Bis 2012 will sie auf jeden Fall kämpfen.

          Wieder hübsche Zöpfe?

          Vor dem WM-Duell Mitte Dezember sind die Journalisten geballt angerückt: Ob sie sich wieder diese hübschen Zöpfe machen lasse, wollte einer wissen. Ihre Antwort: „Richtig gedacht! Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, beim WM-Kampf gut auszusehen.“ Christine Theiss weiß mittlerweile Fragen, die sie nerven, auf ironische Art zu parieren. Doch so locker sie mit den Medien umzugehen scheint, leicht fällt es ihr nicht. „Es ist ein schmaler Grat“, sagt Christine Theiss. „Ich muss ein bisschen was von mir zeigen, aber ich will nicht alles preisgeben. Am liebsten nur, was eh bekannt ist.“

          In München weiß fast jeder, dass sie mit Hans, einem Kardiologen, verheiratet ist - und mancher kennt sogar ihren süßen braunen Boxerhund Tiffany. „Mit meinem Mann zeige ich mich offen, wir lächeln in die Kameras und halten Händchen“, sagt Christine Theiss, „da spielen wir eine Rolle.“ Das solle jetzt nicht heißen, dass sie zu Hause nie Händchen halte. „Aber das geht keinen was an.“

          „Axel Schulz und Boxen - das passt nicht zusammen“

          Zum Kickboxen kam Christine Theiss, die in Bayreuth aufgewachsen ist, durch eine Freundin, die nicht allein zum Training gehen wollte. Ihre Eltern ermunterten die damals acht Jahre alte Christine: Selbstverteidigung sei für ein Mädchen immer gut. „Axel Schulz hat ja mal gemeint, Frauen und Boxen, das gehöre nicht zusammen“, sagt Christine Theiss, „da kann ich nur sagen: Axel Schulz und Boxen - das passt nicht zusammen.“

          Showkämpfe mit Männern lehnt sie ab. Nur Stefan Raab würde sie gerne herausfordern, doch der ziert sich. „Ich kann ihn verstehen. Regina Halmich hat ihn schon vermöbelt. Und die ist kleiner und leichter als ich und boxt nur.“ Sie selbst ist beim Kickboxen bis auf einen Nasenbeinbruch bisher von Verletzungen verschont geblieben. Platzwunden holt sie sich anderswo: Zuletzt lief sie gegen ein Verkehrsschild. „Ein dummes Umzugsschild, das sonst nicht dasteht.“ Das wäre mal ein anderes Actionfoto gewesen. (siehe FAZ.NET-Spezial: Heldinnen in Männerdomänen: Frauen, die sich was trauen)

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