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Kritik an Marathonläuferinnen : Das gespielte Glück der Hahner-Twins

Hand in Hand – auf Platz 81 und 82. Anna und Lisa Hahner beim olympischen Marathon. Bild: dpa

Die Hahner-Twins sind eigentlich drei: Ihr Manager hat sie als Marke plaziert. Doch bei vielen Marathon-Veranstaltern sind die Läuferinnen mittlerweile unerwünscht. Das hat Gründe.

          6 Min.

          Marathon in Frankfurt – und die bekanntesten Läuferinnen Deutschlands fehlen. Nicht, dass man von Anna und Lisa Hahner erwarten konnte, dass sie elf Wochen nach dem Marathon der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro schon wieder 42,195 Kilometer laufen. Doch bei einer solchen Messe des Laufsports zeigen sich alle, die Rang und Namen haben in der Szene. Wer nicht um Sieg oder Platz läuft, rennt in einer Staffel oder als Tempomacher einen Teil der Strecke oder zeigt sich wenigstens. Die Zwillinge stammen zudem aus der Nachbarschaft, aus Rimmels bei Fulda, anderthalb Stunden entfernt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Beim Berlin-Marathon Ende September haben sich Anna und Lisa gezeigt, fröhlich wie immer. Die Abwesenheit der Hahner-Twins in Frankfurt am Sonntag war Folge von Rio. Anna und Lisa machten Schlagzeilen, wie sie auf Platz 81 und 82 ins Sambadrom von Rio de Janeiro einliefen, wie sie Händchen hielten und wie sie begeistert strahlend vom Erlebnis Olympia schwärmten, obwohl sie in 2:45,32 Stunden gut eine Viertelstunde über ihren Bestzeiten blieben. Nun erweist sich ihr Lächeln als Talmi, ihr Glück als gespielt.

          „Warum muss man mit aller Gewalt verkaufen wollen, dass man immer lacht und alles immer super ist?“, hatte schon damals die Läuferin Sabrina Mockenhaupt auf Facebook gefragt. Der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Thomas Kurschilgen, warf den beiden Respektlosigkeit gegenüber den Olympia-Teilnehmern vor und kritisierte, dass sie den Wettkampf als Fototermin missbrauchten. „Bei Olympia darf die PR-Strategie nicht über den Interessen einer deutschen Nationalmannschaft stehen.“

          Damals schien die Erwartung eines Spitzensportverbandes mit der Haltung von zwei jungen Läuferinnen zu kollidieren, die aus der Trimmtrab-Szene aufgestiegen sind und immer noch deren Credo vom Spaß als erster Prämisse vertreten: Genuss statt Qual. Mit siebzehn waren sie - als Fans der Kelly Family - zu einem Motivationsvortrag von Joey Kelly gegangen. Dieser Spross der Musiker-Familie hat sich als sogenannter Extremsportler profiliert, läuft Marathon, nimmt an Promi-Boxen und Wok-Rodeln teil. „Das hat uns so geflasht und motiviert“, erzählte Anna in einer Talkshow, dass sie am folgenden Morgen in Tischtennisschuhen und Baumwolltrikots zu ihrem ersten Lauf antraten. „Es ging weniger um Sport, als vielmehr darum, das zu erleben, was Joey uns beschrieben hat.“

          Nicht ohne meine Zwillingsschwester: Die beiden Leichtathletinnen gibt es nur im Doppelpack.
          Nicht ohne meine Zwillingsschwester: Die beiden Leichtathletinnen gibt es nur im Doppelpack. : Bild: obs

          Neun Jahre später starten sie bei den Olympischen Spielen unterm Zuckerhut. Sie behaupten: Ein Traum wird wahr. Zwar sind die Beine nicht richtig gut, doch sie genießen die großartige Stimmung und finden sich - zufällig - wenige hundert Meter vor dem Ziel wieder. Die Wahrheit könnte sein: Rio war das Finale eines Albtraums. Man muss die jungen Damen bewundern für ihre Fähigkeit, auf dem Tiefpunkt so zu lächeln.

          Während der Olympischen Spiele wird bekannt, dass die Kenianerin Edinah Kwambai beim Hannover-Marathon im April gedopt gewesen war. Anna Hahner, die dort in 2:30:35 Stunden als Zweite im Ziel war, wird zur Siegerin erklärt. In einem Newsletter beschreibt sie damals den olympischen Marathon zwar als eine ihrer härtesten körperlichen Erfahrungen. „Wir haben uns die Hand gereicht, anstatt die Ellenbogen auszufahren“, schwärmt sie dennoch. „In Hannover hatte ich keine Chance, den Zieleinlauf auf Platz eins zu feiern. In Rio habe ich die letzten Meter gefeiert. Für mich war es ein Sieg über mich selbst bei einem Marathon, der mir körperlich alles abverlangt hat. Und wenn ich mir nach 2:45 Stunden, was eine völlig hinter jeder Erwartung liegende Zeit ist, die letzten 95 Meter für mich und Lisa nehme, dann ist das mein Statement für meinen Sport. Ich liebe Laufen, bis zum letzten Meter.“

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