https://www.faz.net/-gtl-901se

CHIO in Aachen : Kleiner Dämpfer für deutsche Springreiter

  • -Aktualisiert am

Deutschlands Bester im Großen Preis von Aachen: Anderas Kreuzer wird mit Calvilot Fünfter. Bild: dpa

Beim Großen Preis von Aachen verlässt die deutschen Springreiter beim CHIO das Glück. Isabell Werth freut sich in der Dressur dagegen über eine nahezu perfekte Prüfung.

          Das Glück ist wankelmütig, besonders im Springreiten. Ein kleiner Stangenkontakt – und schon rumpelt man die Ranglisten hinunter. Wie schnell man wieder auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen kann, bekamen die deutschen Nationenpreis-Sieger im Großen Preis von Aachen ganz besonders zu spüren. Am Donnerstag hatten sie noch mit wehenden Schärpen die Ehrenrunde gedreht. Am Sonntag, beim Millionenspringen, kam keiner aus dem Team fehlerfrei durch die erste Runde.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Shooting-Star Maurice Tebbel havarierte sogar mit Chacco’s Son in der dreifachen Kombination. Vorjahressieger Philipp Weishaupt verabschiedete sich auf Convall mit drei Abwürfen. Von den Team-Reitern erreichte nur Marcus Ehning auf Prêt à Tout mit einem Abwurf Runde zwei, wo er noch einen Hindernisfehler drauflegte und auf Rang 15 landete. Eindruck machten andere: Die erst 23 Jahre alte Studentin Laura Klaphake aus Steinfeld, der man den Nationenpreis noch nicht hatte zumuten wollen.

          Mit null und einem Hindernisfehler auf Catch Me If You Can und Platz 13 empfahl sie sich für die nächste Championats-Equipe. Bester Deutscher war Andreas Kreuzer aus Herford mit Calvilot, der in beiden Runden lediglich die erlaubte Zeit überschritt, als Fünfter. Die 330 000 Euro Siegprämie kassierte der Belgier Gregory Wathelet mit der Schimmelstute Coree als Schnellster im Stechen.

          Weltranglistenerste gewinnt Dressurreiten

          Beim letzten Wettbewerb des glanzvollen, von insgesamt mehr als 357.000 Besuchern verfolgten CHIO wurde die deutsche Begeisterung also ein wenig gedämpft, die vorher reichlich Nahrung erhalten hatte. Die deutschen Equipen hatten die Nationenpreise in allen drei Olympischen Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit gewonnen. Das sind grundsätzlich gute Vorzeichen für die Europameisterschaften im August in Göteborg und Strzegom.

          Die Dressur-Woche gipfelte am Sonntagmittag in einem Adrenalin-Bad Werthscher Prägung: Die Weltranglistenerste aus Rheinberg gewann mit ihrer Olympia-Stute Weihegold die Kür triumphal. „Das war eine nahezu perfekte Prüfung“, sagte sie. Tags zuvor im Grand Prix Special war sie überraschend von der Amerikanerin Laura Graves auf Verdades besiegt worden, die sich selbst zur schärfsten Werth-Rivalin erklärt hat.

          Weihegold hatte diese Aufgabe schon lange nicht mehr bestritten, schien ein bisschen verunsichert und musste vorsichtig hindurchgeleitet werden – deutliche Schnitzer in den fliegenden Zweier-Galoppwechseln machten die beiden ungewohnt angreifbar. Noch ein bisschen Wohlwollen der Richter, und schon war die zarte Amerikanerin mit ihrem massiven holländischen Wallach vorbei.

          Ein Stück psychologische Kriegsführung?

          Doch deren Überlegenheitsgefühl hielt nur eine Nacht. Dann schlug das Werth-Imperium zurück. „Es ist gut, einander gegenseitig unter Druck zu setzen“, sagt Isabell Werth. „So sollte Spitzensport doch sein, auch für die Zuschauer.“ Laura Graves dürfte ihre Erfahrungen vom Sonntag etwas anders interpretieren. Als sie sich fertigmachte zum Einreiten, musste sie den tosenden Applaus ertragen, den das Publikum der großen Konkurrentin spendete: Standing Ovations. Isabell Werth ermunterte das Publikum, weiter zu jubeln, während Graves draußen wartete.

          Ein Stück psychologische Kriegsführung vielleicht? Mit 89,675 Prozentpunkten legte sie eine so enorme Note vor, dass der Amerikanerin ohnehin die Knie weich geworden sein dürften. „Mein Pferd hat sehr sensibel reagiert“, sagte sie zu der Situation vor dem Einreiten. „Aber ich dachte, er muss das aushalten.“ Im Viereck verließen sie dann endgültig die Nerven. Sie ruinierte die Einerwechsel und auch die Schlusslinie, das Renommierstück einer jeden Prüfung, missriet. Wären wir beim Boxen und nicht beim vornehmen Dressurreiten, würde man so etwas einen K.-o.-Sieg nennen.

          Graves zog auf ihrem Riesentier mit 82,550 Punkten von dannen. Den Windschatten des Duells nutzte der Bad Homburger Sönke Rothenberger mit Cosmo, um sich mit einer gelungenen Kür zu magisch wirkender Musik mit 85,750 Prozentpunkten auf den zweiten Platz vorzuschieben. Zusammen mit Dorothee Schneider (Framersheim) auf Sammy Davis jr., Elfte der Kür, und Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit Damsey werden sie die Mannschaft bei der Europameisterschaft im August in Göteborg bilden.

          Ingrid Klimke ist Frau des Turniers

          Auch Langehanenberg erlebte eine Achterbahn mit Isabell Werth als Mitfahrerin. Auf der parallel ausgetragenen kleinen Tour gewann sie zunächst mit Damsey den Grand Prix vor Werth mit dem schlecht aufgelegten Emilio. Das reichte, um Damsey die Bühne zu bereiten für seine EM-Qualifikation. „Wir haben ihr den Teppich ausgerollt“, sagte Isabell Werth danach augenzwinkernd, „und den werden wir ihr jetzt wieder wegziehen.“ Kein Scherz: Tags darauf stellte sie im Special die alte Reihenfolge wieder her. „Es ist ja nicht so, dass man absichtlich Fehler macht“, relativierte sie. Aber ihr innerer Kampfstoff schien sie sichtlich zu beleben.

          In der Vielseitigkeit am Samstag war Ingrid Klimke Frau des Turniers. Sie führte die deutsche Mannschaft zum deutlichen Sieg und gewann die Einzelwertung mit Hale Bob, weil sie dem besten Dressur-Ergebnis keinen einzigen Fehler in Springen und Gelände folgen ließ. Zweiter wurde Michael Jung (Horb) mit Sam.

          Sein legendäres Olympiasieger-Pferd wird er allerdings nicht bei den Europameisterschaften in Polen einsetzen, sondern das nächste Mal beim Klassiker in Burghley. Für Strzegom hat er die Stute Rocana vorgesehen. Auch schon ein bewährter Crack. Jung, der vielseitige Gold-Junge, hat die Auswahl, und die deutsche Reiterei neben Isabell Werth das zweite Trumpf-Ass im Spiel.

          Weitere Themen

          Real Madrid zweifelt an allem

          Champions League : Real Madrid zweifelt an allem

          Vor zwei Jahren noch dominierten spanische Klubs den europäischen Fußball. Doch von der einstigen Herrlichkeit ist lediglich ein Schatten geblieben. Das wird an Real besonders deutlich.

          Topmeldungen

          Brexit-Debatte : Schottland droht mit neuem Unabhängigkeitsreferendum

          Die schottische Ministerpräsidentin Sturgeon hat ein Unabhängigkeitsreferendum für das kommende Jahr angekündigt, sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen. EU-Kommissionspräsident Juncker will konkrete schriftliche Vorschläge von Premierminister Johnson.

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Mieten sollen durch die Maßnahme günstiger werden: Balkone eines Mietshauses in Hamburg

          Kabinettsbeschluss : Mietspiegel soll neu berechnet werden

          117 Millionen Euro sollen Mieter durch diesen Kabinettsbeschluss sparen. Ob das so kommt, ist aber ungewiss – der Mieterbund hält die Maßnahme für nicht ausreichend. Mietern schaden könnte auch noch etwas anderes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.