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Japan triumphiert im Sumo : Das ist mal ein dickes Ding!

Strahlemann: Kazuhiro Kotoshogiku lässt sich für seinen Triumph feiern Bild: Reuters

Nach zehn Jahren triumphiert wieder ein Japaner bei einem traditionellen Sumo-Turnier. Kazuhiro Kotoshogiku unterbricht die Siegesserie der Ringer aus der Mongolei – und räumt mit einem alten Vorurteil auf.

          Japan jubelt. Zehn Jahre hat es gedauert, aber nun hat wieder ein gebürtiger Japaner eines der traditionellen Sumo-Turniere gewonnen. Souverän entschied Kazuhiro Kotoshogiku das Neujahrsturnier für sich. Die lange Vorherrschaft der Sumo-Ringer aus der Mongolei ist damit zumindest unterbrochen. Von beendet will in Japan noch niemand sprechen. Altgediente Sumo-Kämpfer klagen, dass der japanische Nachwuchs zu wenig trainiere. Sie erhoffen sich von Kotoshogikus Sieg mehr Begeisterung der japanischen Jugend für den Traditionssport.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Erfolg des 31 Jahre alten Sumo-Ringers überraschte auch Fachleute, weil Kotoshogiku in den vergangenen Jahren oft durch Verletzungen gebremst wurde. Fünf Mal stand er seit 2011 kurz davor, den Titel des Ozeki, der zweithöchsten Kategorie, zu verlieren. Kotoshogiku wurde in Yanagawa in der Präfektur Fukuoka geboren und fand schon als Schüler den Weg zum Sumo.

          Niederlage gegen einen alten Freund

          Der 1,80 Meter große und 180 Kilogramm schwere Sumo-Champion leistete sich im Neujahrsturnier in Tokio bei 14 Siegen nur eine Niederlage – gegen einen alten Freund aus der Kindheit. Es falle ihm schwer, zu beschreiben, wie er sich fühle, kommentierte Kotoshogiku seinen historischen Sieg. Er bedankte sich bei allen, die ihm in den harten Jahren der schlechten Leistungen geholfen hätten.

          Alle Kräfte mobilisiert: Kotoshogiku vor dem Finale gegen Goeido Bilderstrecke

          Der Niedergang der Japaner in der höchsten Sumo-Klasse begann in den neunziger Jahren mit Ringern aus Hawaii. Ihnen folgte der Ansturm der Mongolen, die seit 2006 die Champion-Turniere fast unter sich ausmachten. Der Mongole Sho Hakuho, der als erfolgreichster Sumo-Ringer der Historie gilt, gewann seit Mai 2006 insgesamt 35 Champion-Turniere, von denen es sechs im Jahr gibt. In den vergangenen Jahren haben Drogen- und Wettspielskandale das Bild des Sports in Japan getrübt. 2007 starb ein junger Sumo-Schüler, nachdem er auf Geheiß seines Stallmeisters von drei älteren Ringern gemaßregelt worden war.

          Im Moment des nationalen Sieges sind diese schwarzen Flecken beiseitegewischt. Japan erwartet nun mehr von Kotoshogiku. Mit einem Sieg im März-Turnier würde er in die exklusive Spitzengruppe der Yokozuna, der Großmeister, aufsteigen, der aktuell nur drei aktive Ringer aus der Mongolei angehören. Zuletzt gelang das einem gebürtigen Japaner vor 18 Jahren.

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