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Raptors-Star Kawhi Leonard : Der Basketballer mit den riesigen Händen

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„König des Nordens“ und „Mann mit der Klaue“: Kawhi Leonard nutzt seine großen Hände gewinnbringend. Bild: AP

Ein Streit, Begehrlichkeiten und ein großes Ziel: Kawhi Leonard, Spitzname „die Klaue“, kämpft mit den Toronto Raptors um den NBA-Titel und will danach offenbar weiterziehen. Ein mögliches Ziel gibt es auch schon.

          Jedes Jahr im Mai versammelt sich in einer Sporthalle in Chicago eine erlesene Gruppe von Basketballtalenten, die alle ein Ziel haben: Sie wollen einen Job in der besten Liga der Welt. Die Veranstaltung dauert mehrere Tage, nennt sich „NBA Draft Combine“ und ist eine Leistungsshow, bei der sich die jungen Spieler medizinischen Tests unterziehen, von Scouts der 30 Klubs interviewt werden und auf dem Platz zeigen, jeder individuell, was sie alles mit dem Ball anstellen können. Nebenbei werden alle ganz genau vermessen, wobei sich immer mal wieder herausstellt, dass die Körpergröße als das auffälligste Merkmal eines Basketballers gar nicht so aussagestark ist wie diese: die Ausmaße seiner Hände.

          Aber selten sorgte diese Information für derartiges Aufsehen wie bei der „Combine“ von 2011, nachdem man einen gewissen Kawhi Leonard vermessen hatte. Während er mit seinen 2,01 Meter gegenüber den anderen Aspiranten nicht weiter aus dem Rahmen fiel, gelten seine Hände mit einer Länge von 25 und einer Breite von 29 Zentimetern geradezu als riesig. Im Basketball ist das sehr hilfreich, etwa beim Rebounden und beim Fangen. Aber Leonard sah darin noch einen weiteren Pluspunkt: Er skizzierte kurze Zeit später ein Signet, das in Nordamerika unter dem Begriff „Claw“ – Klaue – bekannt wurde, als die Sportausrüsterfirma Nike begann, den jungen NBA-Profi damit zu vermarkten.

          Die geschäftliche Beziehung zwischen dem Unternehmen und Leonard ging im letzten Jahr zu Ende. Nicht jedoch der Streit um die Frage: Wem gehört dieses Markenzeichen? Ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich der Starspieler der Toronto Raptors auf nichts anderes als Basketball konzentrieren sollte, um zum ersten Mal eine NBA-Meisterschaft nach Kanada zu holen, reichten seine Anwälte eine neunseitige Klageschrift ein, um einen Zivilprozess gegen den Sportausrüster zu erzwingen.

          Nike soll sich hinter dem Rücken von Leonard per Anmeldung beim Patentamt die Rechte an dem Logo gesichert haben. Das Timing könnte – kurz vor dem dritten Spiel der Best-of-Seven-Finalserie gegen die Golden State Warriors – nicht schlechter sein. Zwar hatten die Raptors in der eigenen Halle die erste Begegnung gewonnen, kamen aber im zweiten Duell am selben Ort trotz sehr guter Leistungen auch von Leonard (34 Punkte, 14 Rebounds) nicht gegen die Energieleistung und die Kombinations- und Wurfakrobatik des Titelverteidigers an. Die 104:109-Niederlage bedeutet, dass man mindestens eine der nächsten drei in Kalifornien stattfindenden Auseinandersetzungen gewinnen muss, um die Chance auf den Titel zu wahren.

          Das heißt aber auch, dass nicht nur Leonard, den sich die Raptors in einer Tauschaktion im letzten Sommer gesichert hatten, eine herausragende Leistung abliefern muss. Aber auf welche Weise der Mann mit der Rückennummer 2 die Team-Chemie beeinflusst, ist von außen nur schwer zu erkennen. Leonard ist nicht bekannt für viele Worte. Aber wenn er redet, wirkt er ernsthaft, zeigt so gut wie keine Emotionen und vermeidet in Interviews jeden Anstrich von Eitelkeit. Dabei dürfte er derzeit aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner Korbausbeute (26,4 Punkte pro Spiel in der regulären Saison, 30,9 in den Play-offs) zu den fünf besten Spielern in der Liga gehören. Und sein Wechsel nach Toronto dürfte der wichtigste Grund dafür sein, dass die Raptors den Entwicklungsschritt von einem Team in der oberen Mittelklasse zu einem Titelanwärter gepackt haben.

          Umzingelt von Gegenspielern: Die Golden State Warriors wissen, auf welchen Raptors-Profi sie ganz genau aufpassen müssen.

          Vergessen die vielen Zweifel, die seinen Umzug nach Kanada begleiteten. Die waren bei seinem alten Klub, den San Antonio Spurs, aufgekommen, mit denen er 2014 Meister geworden und in dieser Finalserie als „wertvollster Spieler“ ausgezeichnet worden war. Es kam zu Zerwürfnissen, die kein gutes Licht auf seine Arbeitsmoral warfen. Der Auslöser: eine Oberschenkelverletzung, die sich Leonard 2017 zugezogen hatte, und die Tatsache, dass ihn die Teamärzte nach einer mehrmonatigen Rehabilitationsphase wieder gesundgeschrieben hatten. Leonard jedoch fühlte sich nicht fit und vom Klub schlecht behandelt. Die Spurs zogen letzten Juli einen Strich unter die Episode, gaben Leonard mit Danny Green an die Raptors ab. Spurs-Trainer Greg Popovich gab dem Profi noch dies mit auf den Weg: Er sei ein großartiger Spieler, aber kein Anführer oder so etwas Ähnliches gewesen.

          Das Risiko für den kanadischen Klub besteht allerdings aus etwas anderem: Der Vertrag mit Leonard läuft zum Ende dieser Saison aus. Und niemand vermag zu sagen, ob er in Toronto verlängert oder sich von einem anderen Team bezirzen lässt. Nur so viel steht fest: Der 27-Jährige, der in dieser Saison 20 Millionen Dollar verdient, ist im Vergleich zum Gehaltsniveau in der NBA eindeutig unterbezahlt. Der nächste Fünf-Jahres-Kontrakt könnte, egal wo, eine Verdoppelung der bisherigen Bruttobezüge auf rund 220 Millionen Dollar bringen. Die Verhandlungen können aber offiziell erst nach der Finalserie beginnen.

          Anders als in San Antonio bringt man Leonard in Toronto uneingeschränkte Sympathien entgegen und feiert ihn als „König des Nordens“. Aber die Clippers haben durchaus Chancen in einem Wettstreit, in dem es weniger ums Geld geht, sondern offenbar darum, wo sich ein Profi am ehesten zu Hause fühlt. Leonard wurde in Los Angeles geboren und ging in einer Stadt an der Peripherie der Metropole zur Schule. Und er hat sich in der Gegend neulich für 13 Millionen Dollar eine Villa zugelegt. In Toronto weiß man das und will dem Star das Leben so angenehm wie möglich machen. Wenn er bleibt, soll er ein Penthouse in einem Wolkenkratzer im Zentrum bekommen.

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