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Schwimm-WM : Die unendliche Rekordserie der Katie Ledecky

  • -Aktualisiert am

Katie Ledecky: Ein All-American-Teenager mit Drang zum Wasser Bild: dpa

Gewinnt Katie Ledecky bei der WM auch über 800 Meter, hätte sie Schwimm-Geschichte geschrieben. Schon mit 18 Jahren ist sie eine Ausnahmesportlerin – und verzichtet dennoch auf Preisgelder, Rekordprämien und lukrative Sponsorendeals.

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          300 locker, 300 steigernd, 200 freie Wahl - was nach einem Trainingsintervall klingt, war tatsächlich die Taktikvorgabe für Katie Ledecky für die Finalqualifikation bei den Schwimm-Weltmeisterschaften. Ein WM-Vorlauf als Trainingseinheit? Kann man schon mal machen, wenn man weiß, dass man sich auch mit knapp zehn Sekunden über Bestzeit - in Ledeckys Fall: über Weltrekord - als Schnellste fürs Finale am Samstagabend qualifizieren würde.

          Gewinnt Ledecky auch diese 800 Meter, dann hätte sie Schwimm-Geschichte geschrieben, im Alter von 18 Jahren. Sind ihr doch zuvor schon die Titel über 200, 400 sowie 1500 Meter Freistil zugeflogen.

          Gold über 400, 800 und 1500 Freistil

          Kathleen Genevieve Ledecky ist ein Ausdauer-Ausnahmetalent. Mit 15 Jahren war sie die jüngste amerikanische Teilnehmerin bei Olympia in London - und nach ihrem Sieg über 800 Meter Freistil die jüngste Olympiasiegerin. Der überraschende Erfolg änderte vieles. Ihre langfristigen Ziele waren plötzlich obsolet. Und sie begann zu verstehen, dass sie die beste Schwimmerin der Welt sein könnte, was sie ein Jahr später bei der WM mit Gold über 400, 800 und 1500 Freistil bestätigte.

          Ledecky schwimmt dem nächsten Titel entgegen.
          Ledecky schwimmt dem nächsten Titel entgegen. : Bild: dpa

          Zwei Jahre nach Barcelona präsentiert Katie Ledecky sich abermals der Welt. Ihr Plan, von 200 bis 1500 alle Freistilstrecken zu schwimmen und zu gewinnen, startete am ersten WM-Tag mit der erfolgreichen Titelverteidigung über 400 Meter Freistil. Ein Rennen, das sie mit zweieinhalb Längen Vorsprung gewann.

          Der All-American-Teenager

          Sie schwimmt, seit sie sechs Jahre alt ist. Ihr Bruder Michael hatte sie damals zu ihrem ersten Sommer-Schwimmcamp überredet. Zusammen traten Katie und Michael dem Curl Burke Swim Club in Washington, D.C., bei, wo sie unter Bruce Gemmell trainiert. Ledecky wirkt wie der All-American-Teenager, fröhlich, locker - unverwüstlich. Die Kurzversion ihres Alltags: „Zwei Trainingseinheiten am Tag, dazwischen Essen, büffeln für den Highschool-Abschluss, schlafen, aufwachen, von vorne anfangen.“

          Bis zu 63 Kilometer bringt Ledecky in insgesamt neun Einheiten pro Woche hinter sich. Wie viele ihrer Teamkollegen hat Ledecky sich entschieden, auf Preisgelder, Rekordprämien und Sponsorendeals zu verzichten, also zu studieren, statt Profi zu werden. Nach den Olympischen Spielen 2016 wird sie für die Stanford University in Kalifornien starten.

          Ein Weltrekord nach dem anderen

          Über die 1500 Meter verbesserte sie ihren eigenen Weltrekord schon im Vorlauf - und sagte anschließend: „Es war einer der coolsten Weltrekorde, die ich je gebrochen habe, weil ich dabei so entspannt war.“ Keine 24 Stunden später begann ihr aufwendigster Tag bei dieser WM: Vorlauf über 200 Meter Freistil, Halbfinale am Abend und dazu das Finale über 1500 Meter. 1900 Meter also - und wieder ein Weltrekord. Bei der Siegerehrung, sagte Trainer Gemmell, habe er Katie Ledecky „das erste Mal wirklich müde gesehen“.

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          Ledecky hat sich die 200 Meter ins Rennprogramm geschrieben, weil sie sichfür die 4x200-Meter-Freistilstaffel anbieten wollte. Doch wer sieht, dass Ledecky selbst unter den besten Frauen der Welt nur gegen sich selbst schwimmt, kann auch verstehen, dass sie es genießt, nur ein paar Zentimeter Vorsprung zu haben statt mehrere Körperlängen. Dass sie als Langstrecklerin die 200-Meter-Spezialistinnen abhängte, verspricht spannende Duelle für die Zukunft.

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