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Kampfsport in Corona-Zeiten : „Wir kämpfen nicht nur gegeneinander“

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Ringer Frank Stäbler (in rot) im Angriffsmodus: „Wir kämpfen nicht nur gegeneinander, sondern auch gemeinsam gegen Corona“. Bild: dpa

Unter strengen Hygieneauflagen gehen Ringer und Judoka wieder auf die Bundesliga-Matten. Weltmeister Frank Stäbler spricht von einer „Chance“, die es zu „beschützen“ gilt.

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          Frank Stäbler ist wieder im Angriffsmodus. „Wir kämpfen nicht nur gegeneinander, sondern auch gemeinsam gegen Corona“, sagt Deutschlands Vorzeige-Ringer kurz vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mitten in Zeiten der weltweiten Kontaktvermeidung nimmt ein Kampfsport, bei dem es um nichts anderes als direkten Körperkontakt geht, seinen Liga-Betrieb wieder auf. Klingt bizarr, ist für die Randsportart Ringen aber offenbar überlebenswichtig.

          „Ein Jahr komplett weg zu sein, wäre verheerend“, sagt der für die Bundesliga zuständige Vizepräsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), Florian Geiger. Es gehe auch darum, „dass das Ringen nicht von der Bildfläche verschwindet“. Statt wie im Vorjahr 23 sind diesmal nur 17 Teams am Start. Natürlich gingen sie ein gewisses finanzielles Risiko ein, sagt Geiger. Weil ihnen Zuschauer- und Cateringeinnahmen wegbrechen - und keiner so genau weiß, welche Beschränkungen die Coronavirus-Pandemie in den nächsten Monaten noch so mit sich bringt.

          Verband und Vereine wollen den Athleten mit Blick auf die in den nächsten Sommer verschobenen Olympischen Spiele oder eine mögliche WM noch im Dezember aber eben auch Kämpfe ermöglichen. „Die Bundesliga ist wichtiger denn je“, sagt Dreifach-Weltmeister Stäbler, der seit seinem EM-Triumph im Februar in Rom keinen offiziellen Kampf mehr bestritten hat. „Ich brauche die Wettkampfpraxis, um meinen Olympia-Traum vernünftig am Leben zu halten.“ Weil sein bisheriger Club Red Devils Heilbronn auf einen Start verzichtet, geht der 31-Jährige in der neuen Runde für den ASV Schorndorf auf die Matte.

          Der DRB hat den Klubs als Hilfestellung ein Muster-Hygienekonzept mit auf den Weg gegeben. Die Hallen sollen in drei Zonen (Wettkampf-, Umkleide- und Publikumsbereich) unterteilt, Abstände eingehalten und die Matten nach jeder der zehn Paarungen, die ein Mannschaftskampf umfasst, desinfiziert werden. Zudem wurde das Lizenzierungsverfahren gelockert und erlaubt den Teams auch den Einsatz von Leihringern.

          Doch nur wer symptomfrei ist, darf auch auf die Matte. Reisen Sportler aus Risikogebieten ein, müssen sie einen negativen Corona-Test vorlegen. „Wir bekommen diese Chance. Jetzt gilt es für alle, sich an die Regeln zu halten und sie entsprechend zu beschützen“, sagt Stäbler. Schorndorfs Trainer Sedat Sevsay pflichtet ihm bei. „Wir wollen allen Beteiligten die größtmögliche Sicherheit bieten“, sagt er. „Negative Corona-Schlagzeilen sind das letzte, was unser Sport jetzt gebrauchen kann.“ Und das gilt vermutlich nicht nur für die Ringer.

          Szene aus den Glanzzeiten der Judo-Bundesliga mit Wiesbadens Weltmeister Alexander Wieczerzak (blau): Diesmal wird im Turnierformat gekämpft.
          Szene aus den Glanzzeiten der Judo-Bundesliga mit Wiesbadens Weltmeister Alexander Wieczerzak (blau): Diesmal wird im Turnierformat gekämpft. : Bild: Wonge Bergmann

          In den Judo-Bundesligen der Männer und der Frauen, die schon vor der Corona-Krise mit Attraktivitäts-Problemen und dem Rückzug einiger Riegen zu kämpfen hatten, sollen am 10. und 11. Oktober die Mannschaftsmeister im Turnierformat ermittelt werden. Ursprünglich hätte ab März 2020 an mehreren Tagen im Ligaformat gekämpft werden sollen - wegen der Corona-Pandemie war das aber nicht möglich. Die nun stattdessen geplanten Turniere finden in Senftenberg in der Niederlausitz vor einer begrenzten Anzahl an Zuschauern statt. Dabei gelten strenge Corona-Beschränkungen - so dürfen pro Team maximal 25 Sportler und fünf Betreuer anreisen, zudem müssen detaillierte Gesundheitsfragebögen beantwortet werden. Reinhard Nimz, Vorstandssprecher im Deutschen Judo-Bund (DJB) sieht die Erarbeitung des alternativen Bundesliga-Konzeptes auch als Bestätigung „dass wir versuchen, den Judosport in Deutschland wieder aufleben zu lassen.“

          Die Amateurboxer haben ihren ursprünglich für Mitte Oktober geplanten Cologne Cup nach einer ganzen Reihe von positiven Corona-Fällen während des jüngsten Lehrgangs in Längenfeld (Österreich) in den Dezember (14. bis 17.) verschoben. Der Brandenburg-Cup vom 8. bis 10. Oktober findet aber statt. Tabellenführer Traktor Schwerin wurde zum Meister der im März abgebrochenen Bundesliga-Saison ernannt. Die neue Runde soll im Januar starten. Vorausgesetzt, Corona kommt den Kampfsportlern nicht wieder dazwischen.

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