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Kampf gegen Blutkrebs : Ein starker Partner

  • -Aktualisiert am

In den Stromschnellen des Lebens: Sideris Tasiadis Bild: dpa

Der Slalom-Kanute Sideris Tasiadis kämpft mit seiner Freundin gegen Blutkrebs. Und versucht dennoch, die Olympia-Qualifikation zu schaffen - gegen alle Widerstände.

          2 Min.

          Sideris Tasiadis’ bislang größter Triumph im Canadier-Einer der Slalomkanuten ist noch keine vier Jahre her. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 hatte der Augsburger überraschend Silber gewonnen. Und irgendwie war damals allen Beobachtern klar: Das konnte längst nicht alles sein: Einem mit dieser mentalen Stärke und solch grandiosem Gespür für das Wasser musste einfach die Zukunft gehören.

          Bei der Weltmeisterschaft auf demselben Kanal nun ist Tasiadis an diesem Wochenende bereits im Halbfinale mit drei berührten Toren und sechs Strafsekunden ausgeschieden. Ein Resultat, das man für eine Enttäuschung halten könnte - aber nur auf den ersten Blick. Für den Leistungssportler Tasiadis sind Leistung und Sport längst nicht mehr alles. Fast zwei Jahre ist es her, dass bei seiner Freundin Claudia Bär, ebenfalls eine Kanutin, Blutkrebs festgestellt wurde. Von einem Tag auf den anderen rückten die grün- und rot-weiß gestreiften Tore auf wild wirbelnden Wasserläufen in den Hintergrund - eine extreme psychische Belastung für den heute gerade einmal 25-Jährigen.

          Es mag ihm geholfen haben, wie offensiv seine Lebensgefährtin selbst mit der Situation umging. Neben Paddelbildern der Kollegen veröffentlichte sie auch immer wieder Fotos von sich bei Facebook. Zu sehen: eine junge Frau, die zwar von Krankheit gezeichnet ist, aber trotzdem auf jedem Bild lacht - und zwar aufrichtig. Claudia Bär vermittelt eine unglaublich positive Einstellung, einen ansteckenden Optimismus trotz allem, was sie durchleiden muss. Jemand, der so einen starken Partner an seiner Seite weiß, muss auch selbst stark sein, meint man, ob nun auf oder neben dem Wasser.

          Er könne den Wettkampf entspannt angehen, hatte Sideris Tasiadis vor der WM versichert. Die Vorbereitung sei gut verlaufen. Alles andere als selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass die Pendelei zwischen Training, Polizeiausbildung und immer wieder auch dem Krankenhaus sein Leben bestimmt. „Ich bin mit diesem Hintergrund mittlerweile gewachsen“, sagt er. Vergangenes Jahr noch hatte er als Mitfavorit die WM-Teilnahme abgesagt, um seiner Freundin beizustehen.

          Gegen alle Widerstände

          Zuletzt ging es bei ihr wieder bergab. Während Tasiadis in London paddelte, ist Claudia Bär wieder in stationärer Behandlung, rund um die Uhr überwacht von Ärzten und Familie. Zur WM ist ihr Freund diesmal dennoch gefahren. „Im Moment weiß ich, dass sie in guten Händen ist“, sagt er. Und es ging für ihn ja auch um Olympia, um Bonuspunkte für die so schwere nationale Qualifikation; es darf nur ein deutsches Boot pro Disziplin nach Rio. „Es wird ein Kampf, dabei zu sein“, sagt Tasiadis - verglichen mit seinem persönlichen aber wohl der geringere.

          Schafft er es über die vier Qualifikations-Wettkämpfe im Frühjahr abermals zu den Spielen, könnte er zeigen, dass einem Menschen gegen alle Widerstände - vielleicht auch gerade wegen aller Widerstände - Großes gelingen kann, wenn man nur gemeinsam aneinander glaubt.

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