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Fortschritte im Turnen : Kampf der Generationen

  • -Aktualisiert am

Die 16 Jahre alte Emelie Petz am Stufenbarren. Bild: Imago

Für die deutschen Turnerinnen wird sich bei der Heim-WM entscheiden, ob sie mit einem Team bei Olympia an den Start gehen können? Die interne Konkurrenz ist groß – das setzt die Athletinnen unter Druck.

          2 Min.

          Vorlegen bedeutet im Sport immer etwas Positives. Es geht darum, sich in eine gute Ausgangsposition für eine anstehende Entscheidung zu bringen. Im deutschen Frauenturnen steht Anfang Oktober bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart die wichtigste sportliche Entscheidung des aktuellen Olympiazyklus an: Wird Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio mit einem Team an den Start gehen oder nur durch eine Einzelturnerin vertreten sein?

          Doch zuvor geht es für Bundestrainerin Ulla Koch um die Nominierung des Teams. „Der Kampf um diese fünf Plätze ist halt richtig hart, da zählt jede Übung, die wir noch bis Stuttgart turnen werden“, sagte sie bei der ersten Qualifikation am vergangenen Samstag: „Und die, die heute vorgelegt haben, die haben eben schon vorgelegt.“

          Das war vor allem Emelie Petz, die mit vergleichsweise hohen Schwierigkeiten und guter Ausführung 54,35 Punkte erturnte – und das trotz eines Patzers am Balken. Aber auch Kim Bui, die mit einem fehlerfreien Wettkampf nur 0,05 Punkte dahinter blieb. Im Vergleich zu den deutschen Meisterschaften vor drei Wochen sah Ulla Koch „deutliche Fortschritte“, auch bei der Drittplazierten Elisabeth Seitz, die zwar an Sprung und Barren nicht ihre schwierigsten Übungen zeigte, dafür aber dieses Mal auf dem Schwebebalken wieder recht souverän wirkte.

          Theoretische Rechenspiele und Psychologie

          Zwei Turnerinnen mit mehr als 54 Punkten: ein Ergebnis, das auch die internationale Konkurrenz bemerken wird. Hierbei geht es allerdings nicht darum, sich tatsächlich in eine gute Ausgangsposition für den entscheidenden Wettkampf bei der WM zu bringen, denn der beginnt im Turnen bei null. Aber es geht um theoretische Rechenspiele und auch ein wenig um Psychologie: Alle Nationen bestreiten in den Wochen vor der WM ihre internen Ausscheidungen.

          Zum Vergleich: Simone Biles turnte bei ihrem vielbeachteten Auftritt bei den amerikanischen Meisterschaften zuletzt 59,85, die Russin Angelina Melnikowa beim Russian Cup am vergangenen Wochenende 55,9 Punkte. Die Teams aus den Vereinigten Staaten und Russland haben sich aber bereits im letzten Jahr für Tokio qualifiziert.

          Die 30 Jahre alte Kim Bui am Stufenbarren.
          Die 30 Jahre alte Kim Bui am Stufenbarren. : Bild: Imago

          Wichtiger als die puren Zahlen ist aus deutscher Sicht, dass mit Emelie Petz in Stuttgart eine Turnerin gewonnen hat, die bislang international weitgehend unbekannt ist. Sie wurde in diesem März 16 Jahre alt und hat damit gerade das erforderliche Startalter für internationale Seniorenwettbewerbe erreicht. Sie freue sich „mega“, sagte die Turnerin von der TSG Backnang.

          Kim Bui wurde im Januar 30 Jahre alt und war schon vier Jahre im deutschen Nachwuchskader, als Emelie Petz 2003 auf die Welt kam. Zwei Teilnahmen bei Olympischen Spielen und sieben Weltmeisterschaften hat die Master-Studentin der Technischen Biologie bereits erlebt. Auch bei den Weltmeisterschaften im heimischen Stuttgart 2007 war sie dabei, allerdings nur als Ersatzturnerin. „Ich will definitiv mittendrin statt nur dabei sein“, sagte Kim Bui nun. Die interne Konkurrenz ist nach dem deutschen Meistertitel von Sara Voss, die bei der ersten Qualifikation wegen Fußproblemen fehlte, und dem Sieg von Emelie Petz nun größer, als manch eine erwartet hatte. „Junge Leute, die von hinten Druck machen – also für mich ist das top, für die Athleten nicht“, sagte Ulla Koch.

          Wie auch immer es letztlich aussieht: In zwei Wochen steht beim Länderkampf gegen Belgien und Frankreich die zweite Qualifikation an. Das deutsche Team wird bei der WM vorlegen müssen. Denn das Los hat den Deutschen einen Startplatz im dritten von zehn Wettkampfdurchgängen beschert. Das bedeutet, die Entscheidung über die Olympiateilnahme fällt erst anderthalb Tage nach dem eigenen Auftritt, wenn im allerletzten Durchgang Brasilien seinen Wettkampf beendet haben wird.

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