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Julius-Hirsch-Preisträgerin Ribler : „Rechtsextreme missbrauchen Sportvereine für ihre Zwecke“

  • Aktualisiert am

Angelika Ribler: „Teilweise haben Rechtsextreme ganze Orte terrorisiert” Bild: Marcus Kaufhold

Gegen Rassismus und Rechtsextremismus: Angelika Ribler, Referentin für Jugend- und Sportpolitik bei der Sportjugend Hessen und Gewinnerin des Julius-Hirsch-Ehrenpreises 2010, berät Vereine und bietet Präventionskurse an.

          Mit dem Julius-Hirsch-Preis würdigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Personen, Initiativen und Vereine aus, die sich „beispielhaft und unübersehbar für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen und gegen Antisemitismus und Rassismus, für die Vielfalt aller Menschen und für Verständigung und gegen Ausgrenzung von Menschen“ einsetzen. Der Preis ist nach dem ehemaligen jüdischen DFB-Auswahlspieler Julius Hirsch benannt und wurde erstmals 2005 vergeben.

          Der SV Sedlitz Blau Weiß 90 aus Brandenburg, Roter
          Stern Leipzig und der SV Lehrte 06 sind mit den „normalen“ Ehrungen ausgezeichnet worden, Angelika Ribler, Referentin für Jugend- und Sportpolitik bei der Sportjugend Hessen und Gewinnerin des Julius-Hirsch-Ehrenpreises 2010, hat für ihre Beratung für Vereine einen Ehrenpreis erhalten. Im Interview spricht sie über ihr Engagement.

          Sie beraten seit drei Jahren hessische Vereine bei rechtsextremen und rassistischen Vorfällen. Welche Sportart ist am anfälligsten?

          Die meisten Vorfälle haben wir im Fußball. Aber ich würde nicht sagen, dass das an der Sportart liegt. Wir haben einfach mehr als sechs Millionen Menschen, die im DFB organisiert sind. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit höher. Wir hatten aber regional auch schon Vorfälle beim Eishockey und bei den Leichtathleten und bundesweit in einigen anderen Sportarten.

          Wie viele rechtsextreme Vorfälle haben Sie bisher bearbeitet?

          Wirklich rechtsextreme Vorfälle gab es so um die 15. Gegenseitige Diskriminierung und Beleidigungen und Alltagsrassismus kamen ungleich häufiger vor.

          Wie sehen denn diese alltäglichen Diskriminierungen aus?

          Wenn es zum Beispiel im Fußball zu gegenseitigen „interkulturellen“ Beleidigungen der Spieler hinter dem Rücken des Schiedsrichters kommt. Das kennt man vom WM-Endspiel 2006 zwischen Materazzi und Zidane. Die Beleidigungen haben zum Ziel, den schwächsten Punkt des anderen zu treffen, damit der die Kontrolle verliert, tritt oder stößt, und vom Platz gestellt wird. Der empfindlichste Punkt vieler Deutscher ist das Wort „Nazi“, der vieler Migranten „Kanake“. Bei Spielen gegen TuS Makkabi Frankfurt kommt es immer wieder zu unerträglichen antisemitischen Beleidigungen, wie zum Beispiel „Judensau“ oder „man hat vergessen, euch zu vergasen“.

          Gibt es eine steigende Tendenz für solche Beleidigungen?

          Es gibt auf jeden Fall eine verschärfte Wahrnehmung und aufgrund neuer Antirassismusparagraphen mehr Anzeigen. Aber mit Bestrafen alleine ist es nicht getan. Die Idee ist hinter unserer Arbeit für die Sportjugend Hessen, dass wir diese Konflikte aufarbeiten. Wir machen Präventionskurse, bei denen die Sportler lernen, mit Beleidigungssituationen umzugehen. Und wir geben auch Kurse für durch Sportgerichte verurteilte Täter. Sie sollen per Perspektivwechsel merken, was solche Beleidigungen anrichten, nach dem Motto: 'Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem anderen zu'.

          Wie überprüfen Sie, ob Ihre Arbeit erfolgreich ist?

          Das merken unsere Mitarbeiter. Die sind lange genug im Ring, um zu unterscheiden, ob jemand nur 'Ja' und 'Amen' sagt und beteuert, dass er so etwas nie wieder tut, oder ob jemand ernsthaft darüber nachgedacht hat. Wenn die Maßnahmen nicht wirken würden, stünden die Täter zudem schnell wieder vor dem Sportgericht.

          Zurück zu den rechtsextremen Vorfällen: Wie sehen die aus?

          Dabei handelt es sich zum Beispiel um Personen, die sich überhaupt nicht mehr auf der demokratischen Grundordnung befinden. Bei den Fällen, die ich bearbeitet habe, war es teilweise so, dass die Rechtsextremen Gewalt angewendet und ganze Orte terrorisiert haben. Die Vereine sind insofern betroffen, als dass Rechtsextreme in den Mannschaften spielen, als Funktionäre und Trainer Jugendmannschaften betreuen oder Sportveranstaltungen für die Verbreitung ihrer Ideologie missbrauchen.

          Wie reagieren die Vereinsfunktionäre, wenn sich dort ein Vorfall ereignet hat?

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