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Leichtathletik-EM : Stepanowa muss aufgeben – und ist trotzdem der Star

  • Aktualisiert am

Musste aufgeben: Das Rennen über 800 Meter musste Julia Stepanowa frühzeitig beenden. Bild: dpa

Am ersten Tag der Leichtathletik-EM begeistert 800-Meter-Läuferin Julia Stepanowa das Publikum – auch wenn eine Verletzung sie stoppt. Das erste Gold gewinnt eine Türkin. Und auch für die deutschen Athleten läuft es gut.

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          Kapitänin Betty Heidler gab den Kurs vor, ihre Mannschaftskollegen zogen mit und weckten die Medaillenlust im deutschen Team. Doch im Fokus stand am ersten Abend der 23. Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam eine mutige Russin auf Bahn zwei: Julia Stepanowa gab in ihrem 800-Meter-Vorlauf zwar nach knapp 600 Metern verletzungsbedingt auf, doch der Respekt der Zuschauer und der Beifall im Olympiastadion gehörten ihr am Ende ganz allein.

          Als Whistleblowerin und Kronzeugin hatte Stepanowa mit ihren Enthüllungen den gigantischen Doping- und Korruptionsskandal in der russischen Leichtathletik ins Rollen gebracht. Bei der EM durfte die 30-Jährige deshalb unter neutraler Flagge starten, während die russische Mannschaft nach wie vor suspendiert ist.

          „Ich bin glücklich und dankbar, hier sein zu dürfen“, sagte Julia Stepanowa erschöpft nach dem Rennen. „Der Druck war sehr groß. Viele haben nicht an mich geglaubt.“ Geholfen habe ihr, dass im Umkleideraum Athletinnen zur ihr gekommen seien und gesagt hätte: „Danke für das, was du getan hast. Das hat mir sehr geholfen“, berichtete die blonde Läuferin, die während der Interviews auf einem Stuhl sitzen musste.

          Türkin Can gewinnt erstes Gold

          Im Lauf war eine Sehnenverletzung im rechten Fuß, die sie schon seit Wochen plagt, so schlimm geworden, dass sie das Rennen abbrechen musste. Nach einer ersten Diagnose eines Arztes, kann die Verletzung schnell wieder auskuriert werden, so dass ein Start bei den Olympischen Spielen in Rio möglich wäre – wenn auch nur symbolisch. Ein Brief, in dem Stepanowa um eine Starterlaubnis bittet, soll in dieser Woche an das Internationale Olympische Komitee gegangen sein.

          Den ersten von 44 Einzel- und Staffeltiteln dieser EM holte sich die erst 19 Jahre alte Türkin Yasemin Can über 10 000 Meter. Sie setzte sich in 31:12,86 Minuten vor der Portugiesin Dulce Félix (31:19,03) und der Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal (31:23,45) durch.

          Das 100-köpfige deutsche Team ist einen Monat vor Olympia doppelt motiviert. Gleich zwei heiße Goldkandidaten sollen am Donnerstag die Medaillenlust wecken: Kugelstoßerin Christina Schwanitz will ihren Titel von 2014 in Zürch unbedingt verteidigen. Und „Speerspitze“ Thomas Röhler muss mit seiner Favoritenrolle leben. Keiner hat in diesem Jahr auf der Welt weiter geworfen als der 24 Jahre alte Thüringer – seine 91,28 Meter waren eine klare Kampfansage.

          Die geforderte Qualifikationsweite (81,50) hätte der WM-Vierte wohl auch im Trainingsanzug klar gemacht. Gleich mit dem ersten Wurf vor einer ganz besonderen Kulisse – dem Museumplein in der Innenstadt – hakte er die Kür ab: 83,98 Meter.

          Auch Röhlers Mannschaftskollegen in Schwarz-Rot-Gold konnten sich am ersten der fünf Wettkampftage gut in Szene setzen. Gleich in der ersten Qualifikation erfüllte Betty Heidler ihre Pflichtaufgabe: Mit 71,46 Metern im ersten Wurf übertraf die 32-Jährige von der LG Frankfurt/Main die geforderte Qualifikationsweite deutlich.

          Mannschaftskapitän Heidler ist auf Abschiedstournee, ihren Rücktritt nach Olympia in Rio hat sie längst angekündigt. „Ich bin nicht zum Spaß hier“, sagte die frühere Weltmeisterin und Weltrekordlerin. „Die Qualifikation hat gezeigt, dass ich immer noch hinter dem Erfolg her bin. Ich will zeigen, was ich drauf habe.“

          Betty Heidler will in Amsterdam noch einmal eine Medaille holen
          Betty Heidler will in Amsterdam noch einmal eine Medaille holen : Bild: dpa

          Auf Anhieb hatten sich am Vormittag auch die Diskuswerferinnen Julia Fischer (66,20 Meter) und Nadine Müller (64,75 Meter) für das Finale am Freitagabend qualifiziert. Shanice Craft - die EM-Dritte von 2014 - ist mit 64,59 Metern ebenfalls wieder dabei. Die Hürdensprinterinnen Cindy Roleder, Nadine Hildebrand und Pamela Dutkiewwicz erreichten dank guter Vorleistungen kampflos die Zwischenläufe am Donnerstag.

          Erst im letzten seiner drei Versuche, mit 8,11 Metern, buchte Weitspringer Fabian Heinle seinen Platz im Finale. Der deutsche Meister Alyn Camara enttäuschte dagegen: Mit 7,66 Metern blieb er 39 Zentimeter unter seiner Saisonbestleistung.

          Der deutsche Stabhochsprung-Meister Tobias Scherbarth ist dagegen überraschend in der Qualifikation gescheitert. Mit schwachen 5,35 Metern verpasste der 30 Jahre alte Leverkusener das Finale. Sein Klubkollege Karsten Dilla hatte mehr Glück: Er schaffte zwar auch nur 5,35 Meter, leistete sich aber einen Fehlversuch weniger. Sowohl Dilla als auch Scherbarth haben in dieser Saison bereits 5,70 Meter gemeistert und damit die Olympia-Norm für Rio abgehakt.

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