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Jürgen Van den Broeck : Die belgische Lokomotive

Der kleine VdB: Jürgen Van den Broeck Bild: AFP

Jürgen Van den Broeck macht viel Dampf und wenig Wind. Der erdverbundene Radprofi ist eine der Überraschungen der Tour de France. Er gibt den Belgiern das Gefühl, vorne dabei zu sein. Ein zweiter Eddy Merckx aber wird er wohl nicht.

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          VdB ist wieder da, ein kleiner VdB zumindest. Dahinter steht Jürgen Van den Broeck, der – im Allgemeinen – keine große Schlagzeilen bei der Tour de France produziert, aber er ist dennoch eine der überraschendsten Erscheinungen dieses Rennens. Das Kürzel VdB hatte schon mal einen besonderen Klang im Radsport, in Belgien vor allem, der Heimat Van den Broecks. Es stand für Hoffnung, letztlich aber nur noch für Zerstörung. Es gehörte Frank Vandenbroucke, der ein Versprechen für die Zukunft zu sein schien, jahrelang.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Im vergangenen Jahr war Vandenbroucke tot in einem Hotel im Senegal gefunden worden, der frühere Radprofi soll an einer beidseitigen Lungenembolie gestorben sein. Und er hatte Herzprobleme. Es war ein Leben zwischen Sehnsüchten und Depressionen, und es war ein einsames Ende. In Belgien ist jetzt wieder von VdB die Rede, aber natürlich hat das nichts zu tun mit dem VdB von einst. Van den Broeck ist ein erdverbundener Rennfahrer, ein Mann ohne Allüren. Aber er hat nun besondere sportliche Qualitäten entwickelt: Der Belgier verblüffte bei der Tour mit großer Konstanz, nach der Etappe auf den Tourmalet lag er auf dem fünften Platz – mit einem Rückstand von knapp fünfeinhalb Minuten auf Alberto Contador und Andy Schleck.

          Die große Ausdauer der „Lokomotive von Morkhoven“

          Der Kapitän des belgischen Omega-Lotto-Teams, das vermutlich neuer Arbeitgeber des deutschen Sprinters Andre Greipel sein wird, hatte sich in den Bergen kaum abschütteln lassen, er tauchte immer wieder in der Nähe von Contador und Schleck auf. Seine Präsenz in den vorderen Reihen erstaunt nun auch Belgien ein bisschen, mit einer solchen Leistung Van den Broecks hatte die Nation nicht gerechnet. Sie hatte ja ohnehin lange keinen Rennfahrer mehr, der bei großen Rundfahrten Aufsehen erregt hätte.

          Belgien musste den Klassiker-Spezialisten und Sprintern vertrauen, Profis wie Tom Boonen, der bei dieser Tour aber wegen einer Knieverletzung fehlt. Natürlich ist Van den Broeck kein neuer Vandenbroucke und auch kein neuer Eddy Merckx, doch er gibt Belgien die Zuversicht, künftig abseits von Boonen wieder mitmischen zu können im Radsport. „Er hat ein Loch geschlossen“, sagen seine Landsleute. Und sie preisen den 27 Jahre alten Fahrer nun wegen seiner Ausdauerfähigkeit als „Lokomotive von Morkhoven“.

          Der Druck in Belgien war Van den Broeck zu groß

          Van den Broeck, ehemaliger Junioren-Weltmeister im Zeitfahren, gilt als unbelastet. Allerdings stand er einst bei einer Mannschaft unter Vertrag, die nun ins Zentrum der Doping-Diskussionen geraten ist: US Postal. Im früheren Team von Lance Armstrong soll es umfangreiche Betrügereien gegeben haben, die die amerikanischen Behörden auf den Plan gerufen haben.

          Der Name Van den Broeck wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht erwähnt. Der Belgier erinnert sich gerne an die Zeit bei US Postal und bei Johan Bruyneel, Armstrongs Mentor, der ihn angeblich behutsam aufgebaut hat. Bruyneel ist ebenfalls Belgier. Van den Broeck glaubt jedenfalls, damals in der Fremde besser aufgehoben gewesen zu sein als in Belgien – der Druck wäre für ihn dort deutlich größer gewesen.

          Van den Broeck entzündet ein kleines belgisches Feuer

          Als Van den Broeck zurückkehrte, musste er zunächst manche Enttäuschung hinnehmen, etwa beim Giro d‘Italia, und er hatte bei dem Rennstall Silence-Lotto einen Australier vor sich, Cadel Evans. Der Belgier schien ein geeigneter Helfer für Evans bei der Tour 2009 zu sein, aber der spätere Weltmeister erlebte ein Desaster bei diesem Rennen – er belegte lediglich Platz 30. Weil Evans einbrach, hatte Van den Broeck mit einem Mal alle Freiheiten. Er nutzte sie, und mit seiner forschen Fahrweise wurde er schließlich Fünfzehnter der Frankreich-Rundfahrt. Evans fährt inzwischen für BMC Racing, Van den Broeck ist die Galionsfigur von Omega-Lotto, und er orientiert sich immer noch ein wenig an dem Australier.

          Der Belgier soll einfach das Trainingsprogramm von Evans kopiert haben, dazu zählen regelmäßige Aufenthalte in der Höhe, beispielsweise in der Sierra Nevada. Sie scheinen sich zu lohnen, Van den Broeck hat sich auf alle Fälle deutlich gesteigert. In Belgien bleibt man trotzdem realistisch. Konkurrenten wie Contador und Schleck, heißt es, seien immer noch eine Klasse besser. Der Spanier Contador hatte immerhin geahnt, dass Van den Broeck auf sich aufmerksam machen würde: Er werde, sagte der zweimalige Tour-Sieger vor der Rundfahrt, für ein Spektakel sorgen. Van den Broeck hat allerdings erst mal nur ein kleines belgisches Feuer entzündet, er ist ja auch ein anderer VdB.

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