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Judoka Tölzer : Am falschen Ort 

  • -Aktualisiert am
Alle im Griff: Andreas Tölzer legt in Düsseldorf die Konkurrenz auf die Matte
          3 Min.

          Eigentlich sei es für ihn ja eine Zumutung, als Kölner am Karnevalssonntag ausgerechnet in Düsseldorf antreten zu müssen, hatte Andreas Tölzer vor dem Judo-Grand-Prix in der aus seiner Sicht unwichtigeren der beiden rheinischen Frohsinnsmetropolen gesagt. Der Schwergewichtler kämpfte dann aber doch mit, schließlich war der Große Preis für ihn der letzte größere Wettkampf vor den Olympischen Spielen in London.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Und diese Kraftprobe wollte Tölzer sich nicht entgehen lassen, zumal er als Vorjahressieger einen Ruf zu verteidigen hatte. Was ihm vor 3000 begeisterten Zuschauern nach vier souverän gestalteten Vorrunden-Kämpfen mit dem deutlichen Finalerfolg gegen den Georgier Adam Okruashvili schließlich auch eindrucksvoll gelang.

          Die Karnevalisten in Düsseldorf reagierten humorvoll auf seinen Scherz. Tölzer erhielt vom Venetienclub aus der Landeshauptstadt schon vorab den diesjährigen Karnevalsorden, und vor lauter Freude nahm er Angela Erwin, die Präsidentin des Vereins, gleich auch noch physisch auf den Arm.

          Es sollte eine der leichteren Übungen für ihn an diesem Wochenende sein, denn Tölzers Konkurrenten in der nach oben offenen Gewichtsklasse über 100 Kilogramm sind locker doppelt bis dreimal so schwer wie das smarte Funkenmariechen.

          Tölzer selbst ist eine der stärksten Zugnummern im Schwergewicht. Und das nicht nur wegen seiner 145 Kilogramm Kampfgewicht. Bei den Weltmeisterschaften in Paris 2011 und Tokio 2010 gewann er jeweils die Silbermedaille, und auch in der Weltrangliste hält er derzeit Rang zwei.

          Weil er seine Teilnahmeberechtigung für die Olympischen Spiele deshalb schon sicher hat, verzichtet der Berufssoldat der Sportfördergruppe auf die EM in der russischen Stadt Tscheljabinsk Mitte April. „Es tut gut, schon jetzt für Olympia planen zu können“, sagt Tölzer. Europameister war er schon 2006, bei zwei Olympiateilnahmen kamen für ihn dagegen bislang nur die Plätze sieben (Athen) und neun (Peking) heraus. Statt in die sibirische Ferne wird er deshalb im April in die bulgarischen Berge reisen, wo Konditionsarbeit angesagt sein wird.

          „Futtern mit Niveau“

          Trotz seines enormen Gewichts legt Tölzer Wert darauf, dass er nicht einfach nur dick sei. „Ich habe eine normale Figur, nur eben mit vielen Muskeln.“ Und dies mit zunehmender Tendenz. Noch bei seinem EM-Sieg 2006 hatte er nur 132 Kilogramm auf die Waage gebracht. Und obwohl es mittlerweile ein Dutzend Kilos mehr sind, reduzierte er sogar seinen Körperfettanteil. „Futtern mit Niveau“ nennt der „Riese ohne Bauch“ seine Strategie beim Essen.

          Dass er beweglich ist, zeigt sich beim Kampf auf der Matte. Und richtig stolz ist der 1,92 Meter große Athlet, dass er im aufrechten Stand problemlos seine Füße sehen kann. Nur auf die Frage, ob er als Kind in den Zaubertrank gefallen sei, antwortet er lakonisch: „Sicher bin ich mir nicht.“ Eine der größten Leistungen des „Bullen von Köln“, der übrigens in Bonn geboren ist und für den 1. JC Mönchengladbach kämpft, sich aber in Köln-Junkersdorf heimisch fühlt, ist ein Eintrag ins offizielle Vokabelheft des internationalen Judosports.

          Der 32-Jährige ist Erfinder des „Tölzer Umdrehers“, einer speziellen Boden-Technik, die außerhalb Deutschlands als „Tölzer-Turn-Over“ bekannt ist. Dabei wird der Gegner mit einem Griff unter die Achselhöhle und an die Judo-Jacke aus der scheinbar sicheren Bauch- in die gefährliche Rückenlage gewendet, aus der es dann oft kein Entrinnen mehr gibt. Der Nachahmer gibt es viele, aber wie beim Gienger-Salto im Turnen wird nur der Interpret der Uraufführung im Technik-Titel geführt.

          Tölzers besten Trick kennen alle

          Dass sich technische Geheimnisse im Judo nicht lange halten, liegt auch an einer Besonderheit dieser Sportart: Trainingslager werden oft multikulturell ausgerichtet. So wird - damit sich die lange Anreise für viele der 677 Athleten aus 97 Nationen auch lohnt - im Anschluss an den Düsseldorfer Grand Prix in der Uni-Halle noch ein mehrtägiges internationales Trainingscamp ausgerichtet.

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          Beim Sparring-Kampf, dem sogenannten Randori, wird dann jeweils fünf Minuten gekämpft, fünf Minuten geruht - und anschließend wie in der Tanzstunde zum nächsten Partner gewechselt. Dabei gehe es richtig zur Sache, wie der deutsche Olympiasieger Ole Bischof verrät, der sich mit einem Erfolg in Düsseldorf die Teilnahme in London sicherte: „Jeder will ja seine Techniken anwenden und sich verbessern.“

          Nur gegen die Top-Ten-Kandidaten lasse er manchen Spezialgriff weg, um nicht zu viel zu verraten. Für Tölzer ist das kein Problem, seinen besten Trick kennen sowieso alle. Nur dass er auch noch den Rosenmontag in Düsseldorf verbringen muss - das ist für den Kölner nun wirklich eine Zumutung.

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