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John McEnroe : „Big Mac“ lebt

Harte Schläge und starke Worte: John McEnroe Bild: dpa/dpaweb

Daß die Legende lebt, das wußte die Tenniswelt. Daß sich die Legende langweilt, das ahnte sie. McEnroe ist 47 Jahre alt und wirkt kein bißchen müde. Jetzt steht „Big Mac“ wieder auf dem Platz und zeigt dem Publikum, was es sehen will.

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          Daß die Legende lebt, das wußte die Tenniswelt. Daß sich die Legende langweilt, das ahnte sie bereits. Daß John McEnroe aber wirklich Ernst macht und zwölf Jahre nach seinem letzten Profiturnier wieder Spaß daran findet, im ATP-Zirkus gegen jüngere Konkurrenten zu schmettern und zu wettern, daran berauschten sich am Mittwoch dann doch alle in San Jose - am meisten der frühere Weltranglistenerste selbst.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Der alte Haudegen wollte den jungen Kerlen ein paar neue Tricks beibringen“, sagte McEnroe nach seinem Comeback und gab dem Publikum damit genau das, was es von dem Altmeister erwartete: harte Schläge und starke Worte. Der Mann, dessen Aufschläge bei den Gegnern so gefürchtet sind wie seine Ausfälle bei den Schiedsrichtern, bleibt seinem Image auch als Senior treu.

          „Schlimmste Werbung für unser Wertesystem“

          Der Amerikaner, früher von der „New York Times“ als „die schlimmste Werbung für unser Wertesystem seit Al Capone“ bezeichnet, wurde von siebentausend Landsleuten in Kalifornien gleich dreifach gefeiert. Als Rückkehrer, als Sieger im Doppel-Achtelfinale mit seinem schwedischen Partner Jonas Björkman (6:3, 6:3 gegen die Australier Wayne Arthurs/Stephen Huss) und um Mitternacht als Geburtstagskind.

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          John McEnroe : „Big Mac“ lebt

          47 Jahre ist McEnroe am Donnerstag geworden, und er wirkt kein bißchen müde. Sechs Kinder, eine Kunstgalerie, ein Job als Fernsehkommentator bei Grand-Slam-Turnieren und immer wieder Auftritte als Spieler auf der ATP-Altherrentour, als Rockmusiker oder als Laiendarsteller in Kinofilmen, das alles mag vielleicht andere Unruheständler auslasten - aber nicht den großen „Big Mac“.

          Werbefeldzug für Doppelwettbewerb

          Er arbeitet weiter am eigenen Mythos, und für die perfekte Inszenierung seiner selbst hätte sich McEnroe kaum einen besseren Ort auswählen können als San Jose. Auf der Anlage nahe San Francisco, wo er am Donnerstag eine Geburtstagstorte kredenzt bekam wie einst Boris Becker bei der ATP-Weltmeisterschaft in Frankfurt, gewann er fünf seiner 77 Einzel- und acht seiner 77 Doppeltitel.

          Seine Rückkehr verkauft McEnroe scheinbar uneigennützig als Werbefeldzug für den Doppelwettbewerb, der auf der ATP-Tour immer weiter an Bedeutung verliert. Die ersten Mitwerber hat der Amerikaner womöglich schon gefunden. Der 42 Jahre alte Franzose Henri Leconte kündigte jüngst an, mit seinem vier Jahre jüngeren Kumpel Boris Becker in den Doppelzirkus zurückzukehren. „New Balls please“, diese Werbekampagne, mit der die ATP im Jahre 2000 die damaligen Jungstars Federer, Roddick und Co. ins Rampenlicht rückte, ist längst passe. Das Motto des Jahres 2006 muß wohl lauten: „Old heroes please!“

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