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John Grisham im Gespräch : „Baseball ist kompliziert bis zur Lächerlichkeit“

Ein Schlägertyp, aber keiner zum Fürchten: John Grisham fördert auf seinem Grund und Boden amerikanische Baseballtalente Bild: Jonas Karlsson/Vanity Fair

Bestsellerautor John Grisham ist fasziniert von einem durch und durch amerikanischen Spiel. Im FAZ.NET-Interview spricht er über das Ende seines Interesses an Olympia und seinen neuen Baseball-Roman „Home Run“.

          6 Min.

          Vor einigen Jahren schien es für kurze Zeit so, als wäre John Grisham dem Fußball verfallen. Sein englischer Lektor hatte dem Bestsellerautor diesen unamerikanischen Kick nahebringen wollen und ihn zum FC Chelsea mitgenommen. Grisham machte sich einen Spaß aus dem Stadionbesuch, indem er nicht das Spitzenteam aus London anfeuerte, sondern den krassen Außenseiter, den unterklassigen AFC Bournemouth.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenig später sei er in englischen Zeitungen als glühender Bournemouth-Anhänger dargestellt worden, sagt Grisham, was wiederum zur Folge gehabt habe, dass ihm der wirtschaftlich angeschlagene Klub zum Kauf angeboten worden sei: „Es war ein nettes Angebot, aber ich habe abgelehnt.“ John Grisham, mit Justizthrillern reich und berühmt geworden, blieb lieber seinem Lieblingssport treu: Baseball. Sein soeben auf Deutsch erschienener Roman „Home Run“, im englischen Original „Calico Joe“, kreist rund um dieses typisch amerikanische Spiel.

          Herr Grisham, in Deutschland und allen anderen europäischen Ländern ist Fußball unumstritten die Nummer eins unter den Sportarten. Erklären Sie als Amerikaner uns doch einmal die Faszination von Baseball.

          „Nichts ist vergleichbar mit Fußball. Er ist ein wirklich internationaler Sport. In den Vereinigten Staaten haben wir drei bedeutende Sportarten - Baseball, American Football und Basketball -, und sie sind saisonabhängig. Wenn man diese drei in einem gigantischen Paket zusammenschnürte, dann wären sie wohl Ihrem Fußball in etwa ebenbürtig.“

          Im Nachwort Ihres Romans bezeichnen Sie Baseball als ein „einfaches Spiel“. Mit Verlaub, für Nichtamerikaner erscheinen die Regeln höchst kompliziert. Was soll daran einfach sein?

          „Das war scherzhaft gemeint. Baseball ist kompliziert bis zur Lächerlichkeit. Ich bin ein großer Fan, und ich kenne immer noch nicht alle Regeln.“

          In Amerika gibt es viele Filme wie „Field of Dreams“, Bücher wie „Die Kunst des Feldspiels“ und Lieder wie „Mrs. Robinson“, die sich um Baseball drehen. Warum ist dieses Spiel so ein fester Bestandteil der amerikanischen Kultur?

          „Die Geschichte des Baseballs ist die Geschichte Amerikas. Das Spiel wurde schon vor dem Bürgerkrieg gespielt, und es zieht sich seither durch so vieles in unserem Land: die industrielle Revolution, die Einwanderung, die Kriegsjahre, die Bürgerrechtsbewegung, die Große Depression und so weiter. Außerdem wird Baseball von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Mein Vater hat mir das Spiel in derselben Weise beigebracht, wie er es zuvor von seinem Vater gelernt hatte.“

          Mit dreizehn Jahren hegten Sie den Traum vieler amerikanischer Jungen, nämlich Baseballprofi zu werden. Wie und wo haben Sie gespielt?

          „Ich habe unentwegt gespielt, bis ich neunzehn Jahre alt war und letztlich alles aus meinem Talent herausgeholt hatte. Zu verschiedenen Zeiten habe ich auf allen Positionen gespielt. Danach habe ich die Mannschaft meines Sohnes trainiert, zwischen seinem achten und siebzehnten Lebensjahr.“

          Zugleich haben Sie auf einem Ihrer Grundstücke im Bundesstaat Virginia sechs Baseballfelder errichten lassen, für Kinder- und Jugendmannschaften. Wie muss man sich Ihre Unterstützung für Baseballtalente vorstellen?

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