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John Grisham im Gespräch : „Baseball ist kompliziert bis zur Lächerlichkeit“

Stimmen Sie darin überein, dass man Ihren Roman auf dreierlei Weise lesen kann: als Vater-Sohn-Geschichte, als eine Parabel über Vergebung oder als eine Story darüber, wie der Baseball erst Helden hervorbringt und sich ihrer dann entledigt?

„Offensichtlich erhält der Roman Elemente aus den drei Themen, die Sie aufgezählt haben. Obwohl es sich nicht so sehr um eine Geschichte von Vater und Sohn handelt. Ich bin immer wieder darüber erschüttert, wie schlecht sich professionelle Sportler oft benehmen mit ihrer Arroganz und ihrem Anspruchsdenken. Und ich wollte die Folgen darstellen, die ein solches Verhalten eines egozentrischen Athleten, der nie sein Potential abrufen konnte, Jahre später angerichtet hat.“

Man gewinnt bei der Lektüre den Eindruck, dass es Ihnen bei „Home Run“ - anders als bei Ihren erfolgreichen Justizthrillern - mehr auf die Charaktere ankommt als auf den Plot.

„Ja, aber nur geringfügig. Ich wage mich niemals allzu weit weg von der Handlung.“

Hat ein Herz für Buchhändler: John Grisham.

In Gang gebracht wird die Romanhandlung durch einen Beanball, also einen Wurf, der den Batter am Kopf treffen soll. Ein Brushback, auf den Körper des Batters gezielt, ist gang und gäbe. Aber gibt’s den Beanball überhaupt noch im professionellen Baseball?

„Es handelt sich ja um sehr unterschiedliche Würfe. Der Brushback ist eine Warnung - zieh dich zurück, verschwinde von der Home Plate oder irgend eine andere von einem Dutzend bestimmter Botschaften, die der Batter sofort versteht. So etwas nimmt im Spiel einen großen Teil ein. Der Beanball ist ein vorsätzlicher Versuch, den Spieler am Kopf zu treffen. Er sollte im Baseball generell keinen Platz haben.“

Dasselbe gilt für Leistungsmanipulation. Ist Ihnen als Fan der St. Louis Cardinals nicht das anhaltende Doping-Problem in der MLB ein Dorn im Auge?

„Baseball hatte schon immer eine bunte Schar von Betrügern, also ist es nichts wirklich Neues. Die Doper werden weiter ihren Preis bezahlen müssen, indem sie von der Hall of Fame ausgeschlossen werden. Und es scheint so, dass die MLB endlich ein brauchbares Testprogramm eingeführt hat. Die Spieler haben jetzt Angst zu dopen.“

Von seiner alten Leidenschaft fürs professionelle Baseball hat John Grisham einiges verloren. In der World Series gehe es vorrangig nur noch um Geld, dabei sei das sportliche Niveau oft schlecht. Überhaupt mag sich der Bestsellerautor nicht damit anfreunden, dass Kommerz und Eventcharakter den Sport zunehmend beeinflussen.

Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat kürzlich vorgeschlagen, Ringen aus dem Programm der Sommerspiele zu streichen. Auf der Liste der möglichen neuen olympischen Sommersportarten stehen wieder Baseball und Softball. Würden Sie Ihren Lieblingssport dem Ringen vorziehen?

„Ich habe da keine Vorliebe. Warum nicht beide gemeinsam? Ringen hat so eine reiche olympische Tradition. Baseball und Softball sind beliebte Zuschauer-Sportarten..“

Ringen zu streichen hat weltweit viel Aufruhr und Empörung hervorgerufen. Was halten Sie von dem IOC-Vorstoß?

„Vieles, was das IOC tut, verblüfft mich. Ich habe das Interesse an den Olympischen Spielen verloren. Als sie das Tor für professionelle Sportler geöffnet haben, war der wahre olympische Geist für mich gestorben, und ich habe aufgehört, Olympia zu schauen.“

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