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John Grisham im Gespräch : „Baseball ist kompliziert bis zur Lächerlichkeit“

„Vor siebzehn Jahren habe ich Cove Creek Park für die Kinder in unserem Landesteil aufgebaut. Vorher hatte es in unserer Gegend keine Baseballfelder gegeben, so dass viele Kinder nicht spielen konnten. Also habe ich den Komplex errichtet. Mittlerweile haben wir 400, 500 Jungen und Mädchen, die bei uns jedes Jahr Baseball und Softball spielen. Ich selbst habe dort meinen Sohn und meine Tochter trainiert und bin auch jetzt noch dort eingebunden. Das Spiel dort ist eher ein Freizeitvergnügen als wettbewerbsorientiert, und wir erwarten von jedem, besonders von den Eltern, dass er sich ordentlich verhält.

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In Grishams Cove Creek Park, in einem grünen Landstrich dreißig Kilometer von der nächsten Stadt Charlottesville entfernt gelegen, herrschen strenge Sitten. Fluchen ist den Baseball-Kids und ihren Eltern untersagt, ebenso Wutanfälle und unfaires Benehmen. „Keine Respektlosigkeit!“ steht auf einem großen Schild. Fehlverhalten wird von der Leitung des Nachwuchszentrums geahndet. Dieser besondere Verhaltenskodex ist möglich, weil Cove Creek Park in privatem Besitz ist. Als ein Vorbild an gelebter Bescheidenheit kann der berühmte Gründer gelten. Anders als in Amerika üblich, findet sich nirgends auf dem Gelände ein Hinweis auf John Grisham, den großen Spender.

Scheitern macht für Sie einen großen Teil des Baseballspiels aus. Was können die Kinder im Cove Creek Park fürs Leben lernen?

„Ich bin mir nicht sicher, ob wir viel durchs Spielen lernen. Wenn ich auf dem Feld stand, habe ich niemals über das wahre Leben nachgedacht. Dann hatte ich nur Baseball im Sinn.“

Vor einigen Jahren behaupteten Sie in einem Interview, dass es der größte Traum jedes Anwalts wäre, den Beruf hinter sich zu lassen. Aussteigen und sich mit dem ganzen Geld eine andere Tätigkeit suchen, das sei wie „ein Home Run“. Sie als Jurist leben seit Jahren gut als Schriftsteller und haben einen Roman über Ihren Lieblingssport schreiben können . . .

„. . . es ist ein Traum! Seit zwanzig Jahren hatte ich einen Baseballroman schreiben wollen, aber mir fehlte eine Geschichte. Dann, eines Tages - voilà, fiel mir ,Calico Joe’ ein, und ich begann, am Buch zu arbeiten. Niemals zuvor hatte ich beim Schreiben so viel Spaß.“

In dem Roman, an dem nicht nur Grisham selbst, sondern auch die amerikanischen Kritiker und Leser viel Freude gefunden haben, dreht sich alles um den jungen Baseballspieler Joe Castle aus Calico Rock, der einen rasanten Aufstieg erfährt. Als Talent von einem unterklassigen Team geholt, bricht der Einundzwanzigjährige von den Chicago Cubs als Rookie in der Major League Baseball (MLB) einen Rekord nach dem anderen, wird als First Baseman schnell zum Darling der Fans und der Medien, hat aber nach einigen herausragenden Spielen das Pech, an den ebenso mittelmäßigen wie großmäuligen Warren Tracey zu geraten.

Der Pitcher der New York Mets, der ständig trinkt, seine Frau betrügt und seinen Sohn Paul verprügelt, fühlt sich von Castles erfolgreichem Auftreten dermaßen provoziert, dass er ihm beim direkten Duell den Ball an den Kopf wirft - angeblich ohne Absicht. Nach diesem verhängnisvollen „Beanball“ und der folgenschweren Kopfverletzung muss Calico Joe seine Karriere beenden. Er zieht sich, teilweise gelähmt, in seine Heimatstadt zurück, um das dortige Baseballfeld als Platzwart zu pflegen. Warren Traceys Sohn Paul, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, versucht dreißig Jahre später eine Wiedergutmachung. Er kämpft darum, ein Versöhnungstreffen des todkranken Vaters mit Calico Joe zu arrangieren.

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