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European Championships : Degenkolb und Co. fahren an Medaille vorbei

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Keine Medaille in Glasgow: John Degenkolb. Bild: dpa

Die deutschen Radprofis fahren bei den European Championships am Podest vorbei. Angela Maurer schwimmt in ihrem letzten großen Rennen auf Platz vier. Auf die Wasserspriunger aber ist Verlass.

          John Degenkolb und die deutschen Radprofis fuhren im Regen von Glasgow am Podest vorbei, Angela Maurer schwamm im kalten Loch Lomond im wohl letzten großen Freiwasserrennen ihrer Karriere auf Platz vier – nur auf die Wasserspringer war wieder Verlass. Tina Punzel sprang im Synchronfinale vom 3-m-Brett in Edinburgh zu Silber und sicherte den deutschen Athleten auch am letzten Tag der European Championships in Schottland Edelmetall. „Ich wollte gut aufhören. Dass es so gut war, ist super geil“, sagte die Dresdnerin, die mit der 17-jährigen Lena Hentschel nur den Italienerinnen Elena Bertocchi/Chiara Pellacani den Vortritt lassen musste, in der ARD: „Es hätte nicht viel besser sein können, das ist eine fast optimale Ausbeute.“ Die 23-Jährige machte im Royal Commonwealth Pool ihren persönlichen Medaillensatz nach Gold im gemischten Synchronspringen und Bronze im 3-m-Einzel komplett.

          Den deutschen Wasserspringern bescherte Punzel die achte Medaille. „Es war eine sehr erfolgreiche EM“, bilanzierte Bundestrainer Lutz Buschkow, „neun Athleten kehren mit einer Medaille zurück, das sind 75 Prozent der Mannschaft. Es ist eine Steigerung gegenüber Kiew 2017. Wir gehören zu den Top-Drei-Nationen in Europa.“ Kapitän Degenkolb wurde beim Straßenrennen über 230,4 km schon früh abgehängt, der Klassikerspezialist hatte beim Sieg des Italieners Matteo Trentin nichts mit der Entscheidung zu tun, mit 2:32 Rückstand belegte er Platz 31. Bester Deutscher wurde Nico Denz als Neunter. Der 24-Jährige hatte als letzter aussichtsreicher deutscher Fahrer durch einen Sturz auf der letzten von 16 Runden knapp zehn Kilometer vor dem Ziel seine Siegchancen eingebüßt.

          „Es lief echt gut bei mir“, sagte Denz am ARD-Mikrofon: „Leider war Degenkolb nicht dabei, aber ich habe dann das Go von unserem Teamchef Andreas Klier erhalten. Ich habe mich auch echt gut gefühlt und wollte später eine eigene Attacke setzen. Leider kam es dann zum Sturz auf nasser Straße, wo man nichts machen kann.“ Degenkolb verpasste den zweiten großen Erfolg binnen eines Monats. Vor vier Wochen hatte er bei der 105. Tour de France die fordernde Roubaix-Etappe gewonnen und dabei seinen ersten Tageserfolg bei der Frankreich-Rundfahrt gefeiert. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) konnte am Schlusstag seine beeindruckende Bilanz von zwölf Medaillen auf Bahn und Straße in Glasgow nicht weiter ausbauen.

          Obwohl sie ihre 21. internationale Medaille verpasste, war Freiwasserschwimmerin Maurer nach 25 Kilometern im 16,9 Grad kalten Wasser „super happy mit Platz vier“. Die 43-Jährige konnte sich nach fast fünfeinhalb Stunden und 1:37,9 Minuten Rückstand auf die italienische Siegerin Arianna Bridi keine Vorwürfe machen: „Ich habe meine ganze Erfahrungsschatulle ausgepackt und alles aus mir rausgeholt.“ Eigentlich ein guter Zeitpunkt, nach 22 Jahren im offenen Gewässer zurückzutreten. „Ich will das erstmal sacken lassen“, sagte die Mainzerin. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Maurer nach dem Urlaub ihre aktive Karriere mit insgesamt 20 internationalen Medaillen, darunter WM-Gold 2006 und 2009, beendet. Zumal sie sich für diese EM nur per Ausnahmeregelung qualifiziert hatte.

          Schon nach wenigen Kilometern waren Florian Wellbrock und Sarah Köhler ausgestiegen. Das erfolgreiche deutsche Schwimm-Paar hatte beim Marathon antreten müssen, damit Silber im Staffelrennen am Samstag nicht annulliert wurde. 1500-m-Europameister Wellbrock, wie Köhler schon im Becken zweimaliger Medaillengewinner, freute sich über den gemeinsamen Erfolg: „Mit dem Team und meiner Freundin auf dem Silberrang zu stehen, ist natürlich sehr schön.“

          Marcel Nguyen verpasste bei den Turn-Europameisterschaften in Glasgow am Boden seine insgesamt achte EM-Medaille. Der dreimalige Europameister musste sich bei der Punktzahl 14,066 mit dem sechsten Platz zufrieden geben. Der Sieg ging vor 6000 Zuschauern in der Hydro Arena an den Briten Dominick Cunnigham (14,666 Punkte) vor dem Israeli Artem Dolgopyat (14,466) und dem punktgleichen Russen Artur Dalalojan. Tags zuvor war bei Nguyen nach der verpasste Medaille im Teamfinale Frust zu spüren gewesen. „Ein vierter Rang ist immer undankbar“, meinte der 30 Jahre alte Unterhachinger. Die besten Medaillenchancen hatte er sich eigentlich am Barren ausgerechnet, doch dort misslang ihm im Vorkampf der Abgang, so dass er das Finale verfehlt hatte.

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