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Radprofi John Degenkolb : „Wie ein Föhn direkt vor dem Gesicht“

  • -Aktualisiert am

Will sich durchbeißen: John Degenkolb (links) Bild: picture alliance/dpa/Kessler-Sportfotografie

Nach der Tour de France geht John Degenkolb auch bei der Spanien-Rundfahrt an den Start. Vor der Vuelta spricht John Degelkolb im Interview über die Strapazen, die vor ihm liegen.

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          Sie bürden sich in diesem Sommer eine Menge auf. Keine vier Wochen nach dem Ende der 3350 Kilometer langen Tour de France gehen Sie an den Start der 3280 Kilometer langen Vuelta a España.

          Seit fünf Jahren bin ich keine zwei Landesrundfahrten in einem Jahr mehr gefahren. Nun bin ich gut durch die Tour gekommen, und als mich das Team gefragt hat, ob ich nicht auch noch die Vuelta fahren könnte, habe ich geantwortet: Warum nicht. Es wird natürlich eine spezielle Belastung werden, aber auch eine, von der ich für das kommende Jahr profitieren werde.

          Inwiefern?

          Man erlangt nach so vielen Rennkilometern in gewisser Weise ein Standgas. Wir haben hier vor dem Start in Utrecht eine coole Truppe beisammen mit drei jungen Rennfahrern, die noch nie eine Grand Tour gefahren sind, und Routiniers wie Nikias Arndt und mir.

          Werden Sie sich mit Landsmann Arndt die Rolle als „Road Captain“ teilen und dadurch selbst Chancen bekommen, bei passenden Etappen in die Offensive zu gehen?

          Ja, auf jeden Fall. Wir werden das Team unterwegs zusammen gut managen und dann soll bei Sprintankünften entweder für Nikias oder für mich angefahren werden, um Ergebnisse zu erzielen.

          Sie haben seit Platz zwei bei Ihrem Heimrennen Eschborn-Frankfurt im Vorjahr kein Top-Ten-Ergebnis mehr erzielt, auch qua Ihrer vorgesehenen Rolle im Team. Lässt es sich leicht umschalten, wieder auf Ergebnisjagd zu gehen?

          Ich denke schon, dass ich das eine oder andere Mal wieder vorne im Geschehen dabei bin und um den Tagessieg mitkämpfen kann. Das wäre auch supergut für mein Selbstvertrauen. Ich schaue aber grundsätzlich entspannt auf alles, was uns erwartet in diesen drei Wochen. Die Vuelta kommt jetzt zu einem guten Zeitpunkt.

          Nun haben Sie einst 2012, 2013 und 2015 bei drei Vuelta-Teilnahmen enorme zehn Etappen gewonnen …

          … die Vuelta ist definitiv die Rundfahrt, bei der ich die meisten Erfolge errungen habe. Ich werde dort auch immer sehr herzlich empfangen. Diese Zeiten, in denen ich dort in Serie gewonnen habe, sind freilich vorbei. Ich habe aber richtig Bock auf das Rennen. Auch wegen der relaxteren Atmosphäre bei den Abläufen im Vergleich zur superstressigen Tour.

          Welchen Stellenwert hat die Vuelta in der Szene?

          Die Spanien-Rundfahrt hat nicht ganz den Stellenwert von Tour und Giro, aber sie ist als dreiwöchige Landesrundfahrt superschwer und anspruchsvoll. Für uns als niederländisches Team werden die ersten drei Tage in Holland speziell werden, weil viele Fans darauf hinfiebern. Sprintetappen dort sind mit den ganzen Fahrbahnteilern und kreuz und quer verlaufenden Radwegen nicht leicht. Da gilt es gut durchzukommen, ehe dann nach dem Transfer ins Baskenland direkt die ersten Anstiege warten.

          Wenn das Rennen die Südküste erreicht und vor allem im andalusischen Hinterland dürfte die Hitze ein großes Thema werden.

          Ja, dem Körper ausreichend Flüssigkeit und Kühlung zu geben, ist bei der Vuelta immer enorm wichtig. Bei der Tour hatten wir in Südfrankreich ja unlängst auch 40 Grad. Da hatten viele Fahrer und auch ich richtig krass mit zu kämpfen – das hat viel Kraft gekostet.

          Wie darf man sich das vorstellen, bei diesen Temperaturen inmitten eines dicht gedrängten Pelotons zu fahren?

          Das ist wie, als ob man die ganze Zeit einen Föhn direkt vor dem Gesicht hat.

          Ihr langjähriger Teamgefährte und einstiger Giro-Sieger Tom Dumoulin hat gerade sein Karriereende bekanntgegeben, weil er mental und körperlich entkräftet sei. Sehen Sie grundsätzliche Probleme im Radsport?

          Tom hat es immer schwer mitgenommen, mit dem ganzen Druck umzugehen. Radsport ist ein hartes Geschäft. Und ich befürchte und gehe auch davon aus, dass künftig weitere Rennfahrer an ihr Limit gebracht werden. Die Fahrer müssen immer jünger erfolgreich sein und sind dann diesem Leistungsdruck voll ausgesetzt, woran man durchaus kaputtgehen kann. Ich persönlich finde es schade, dass die U-23-Klasse zuletzt entwertet worden ist. Die 19- und 20-Jährigen, die heute direkt in der WorldTour aufschlagen, bedürfen des besonderen Schutzes ihrer Teams.

          Quintana will Tour-Disqualifikation anfechten

          Der kolumbianische Radstar Nairo Quintana bestreitet den Gebrauch des Schmerzmittels Tramadol und will die Aberkennung seines sechsten Platzes bei der Tour de France anfechten. „Mir ist die Verwendung dieser Substanz überhaupt nicht bewusst, und ich bestreite, sie jemals während meiner Karriere verwendet zu haben“, wurde Quintana in einer Stellungnahme in kolumbianischen Medien zitiert. Er bereite mit den Anwälten seine Verteidigung vor, so der zweimalige Tour-Gesamtzweite, der zugleich seinen Start bei der am Freitag beginnenden Spanien-Rundfahrt ankündigte.

          In zwei getrockneten Blutproben des 32-Jährigen vom 8. und 13. Juli wurde das Opiat Tramadol nachgewiesen. Hierbei handelt es sich laut Radsport-Weltverband UCI nicht um ein Dopingvergehen, aber um einen Verstoß gegen die medizinischen Regeln des Verbandes. Tramadol ist seit dem 1. März aufgrund seiner Nebenwirkungen von der UCI verboten, steht jedoch nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Dopingagentur WADA. Daher wird Quintana auch nicht gesperrt.

          Im Rahmen eines Programms zum Nachweis von Tramadol wurden während der Tour 120 sogenannte getrocknete Blutproben genommen. Quintana kann gegen das Urteil binnen zehn Tagen Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegen. (dpa)

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