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Dopingsünder Jaksche : „Eine Bluttransfusion ist wie eine Atombombe“

  • Aktualisiert am

„Man muss personelle Altlasten beseitigen”: Jörg Jaksche Bild: ZB

Dank der Kronzeugenregelung wurde der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche nur für ein Jahr gesperrt. Nun spricht der Radprofi über das langjährige Doping-System, Toursieger Contador und seine schwierige Zukunft im Sattel.

          Dank der Kronzeugenregelung kam der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche mit einer milden Strafe davon. Der Anti-Doping-Ausschuss des Österreichischen Radsportverbandes sperrte den Ansbacher Profi wegen des Gebrauchs von Epo und Wachstumshormonen sowie wegen Blutdopings für ein Jahr und folgte damit den Vorstellungen der Jaksche-Verteidigung.

          Sie sind aufgrund Ihres Dopinggeständnisses am Mittwoch zu einem Jahr Sperre verurteilt worden, bis Anfang Juli 2008. Sind Sie einverstanden?

          Ich bin enttäuscht, dass die UCI, der Weltverband des Radsports, niemanden geschickt hatte, obwohl dies der weltweit erste Fall im Radsport ist, in dem die Kronzeugenregelung angewandt wird. Da frage ich mich schon, ob es intelligent war, auszupacken. Ich finde auch nicht richtig, dass Ivan Basso, der zu zwei Jahren Sperre verurteilt worden ist, schon drei Monate später als ich wieder fahren darf. Ihm hat der italienische Verband die Suspendierung durch sein Team angerechnet, mir der österreichische nicht. Wir wollen, dass die Wada da eine einheitliche Linie hineinbringt. Ein Kronzeuge, der die Hosen heruntergelassen hat, sollte nicht nur drei Monate weniger Sperre erhalten als jemand, der nicht zu seinen Taten steht.

          Müssen nicht Doper mit aller Härte bestraft werden?

          Ich glaube nicht, dass Jan Ullrich, Patrik Sinkewitz und all die anderen Rennfahrer den Karren in den Dreck gefahren haben. Es gab ein System, das perfektioniert und von Jahrgang zu Jahrgang, von Arzt zu Arzt weitergegeben worden ist. Wenn man vor dreißig Jahren Doping unter ärztlicher Aufsicht okay fand und die nachwachsenden Ärzte auch so erzogen worden sind, kann man nicht sagen, dass diejenigen die einzigen Schuldigen sind, die jetzt auf der Anklagebank sitzen. Das System stinkt vom Kopf her. Man wird das Problem nicht lösen, indem man einzelne Sportler bestraft. Man muss auch personelle Altlasten beseitigen.

          Ist Doping gleich Doping?

          Ich vermute, dass das bei Sinkewitz eine Kurzschlussreaktion war. Sein Frühjahr war schlecht, und er war nicht richtig in Form. Er kam ja wie ich von Teams, in denen gedopt wurde. Um mal die Wirkung und die Wertigkeit darzustellen: Testosteron ist eine Machete im Vergleich zu einer Bluttransfusion; die ist wie eine Atombombe.

          Wollen Sie wirklich zurück in dieses Metier?

          Meine Hoffnung ist, dass ich zurückkehren kann in ein Team, das sich den Luxus leistet, zuerst saubere Leistung zu bringen und dann erst Ergebnisse zu erwarten. Ich war zehn Jahre lang nur bei Teams, in denen es wichtig war, Ergebnisse einzufahren um jeden Preis.

          Hat sich etwas geändert?

          Ich werde das daran sehen, ob ich überhaupt zurückkommen darf, ob sich irgendjemand bei mir meldet oder ob das Antidopinggeschwätz nur eine riesige rhetorische Blase war. Ich empfinde es als gutes Zeichen, dass Contador als Toursieger Schwierigkeiten hat, ein Team zu finden.

          Sind Sie verklagt worden?

          Bjarne Riis, der das wollte, hat gesagt, er mache nichts, mein Text sei von einem Juristen verfasst worden – was mir persönlich schmeichelt. Von Stanga habe ich bisher auch nichts gehört. Von ihm hätte ich erwartet, dass er reinen Tisch macht. Es hat doch keinen Sinn, im Graben zu hocken, auf den anderen zu feuern und abzutauchen. Entweder wir gehen mit der Sache jetzt offen und ehrlich um oder wir machen weiter wie bisher.

          Trainieren Sie?

          Ein wenig. Manchmal bin ich antriebslos. Ich habe sechs Kilo zugenommen.

          Werden Sie, was möglich scheint, die Tour de France 2008 fahren wollen?

          Mein erstes Ziel ist, überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Wenn ich bis 31. Januar oder 28. Februar nichts habe, werde ich auch nichts mehr bekommen. Dann muss ich sagen: Für mich persönlich war das als Kronzeuge ganz wichtig, aber beruflich halt sehr schädlich.

          Werden Sie, wenn Sie dürfen, mit den Besten mithalten können?

          Natürlich habe ich keine Chance. Sonst wäre das ganze Geld, dass ich Doktor Fuentes gegeben habe, rausgeworfen gewesen, und das war es nicht.

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