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Jockeys im Galoppsport : Söldner der Rennbahn

  • -Aktualisiert am

Umziehen, wiegen, reiten - und das im Halbtstundentakt: Jozef Bojko Bild: Bergmann, Wonge

Hunderte Male im Jahr riskiert der Jockey Jozef Bojko im Sattel eines Rennpferds sein Leben - oft für eine Handvoll Euro. Doch der Galoppsport ist sein Leben. Am Ende eines stressigen Tages ist er glücklich.

          Die Startboxen schnellen auf. Waldpark mit Jozef Bojko im Sattel reiht sich hinten im Feld ein. Der Hengst ist 115:10-Außenseiter. Das Feld bleibt dicht beieinander. Der Kommentator erwähnt den Namen Waldpark kein einziges Mal - bis eingangs der Zielgerade. Plötzlich holt der Hengst auf. Wie beflügelt rennt er all den hochgewetteten Favoriten auf und davon.

          Die Zuschauer schreien auf. Waldpark gewinnt mit zwei Längen Vorsprung. Jockey Jozef Bojko hat das wichtigste Rennen hierzulande gewonnen, das Deutsche Derby in Hamburg. Gewinnsumme für den Sieger: 477.000 Euro. Das ist knapp zwei Jahre her. „Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, in so einem bedeutenden Rennen 300 Meter vor dem Ziel auf dem besten Pferd zu sitzen“, erzählt Bojko.

          Der 42-Jährige sitzt in der schmucklosen Jockeystube der Frankfurter Galopprennbahn. Bojko sitzt dort immer gleich rechts neben dem Eingang. An Fronleichnam findet in Frankfurt traditionell der Handwerker-Renntag statt. Noch wenige Minuten bis zum „Rennen der Fleischer-Innung Frankfurt-Darmstadt-Offenbach“, dem ersten des Tages.

          Gewinnsumme für den Sieger: 2400 Euro. Alltag für Bojko. Alltag für die Söldner der Rennbahnen. Acht Ritte auf acht verschiedenen Pferden innerhalb von vier Stunden. Am Abend zuvor hat sich Bojko im Internet kurz die letzten Ritte seiner heutigen acht Pferde angeschaut. Das muss reichen.

          „Lass sie nicht vorneweg donnern“

          “Fleischer-Innung? Das passt ja zum Pferdesport“, witzelt einer der Jockeys. Dann geht es hinaus, an der Waage vorbei, die Treppe hinauf und durch das Zuschauergedränge hinüber zum Führring. Kleine, schmächtige Männer und Frauen in knallbunten Klamotten in Kindergrößen auf dem Weg zur Arbeit. Bojko bewegt sich schnell, beinahe tänzelnd.

          Markus Münch erwartet ihn schon. Der ehemalige Fußballprofi des FC Bayern München hat recht erfolgreich umgesattelt, ist jetzt Galoppertrainer. „Sie hat in der Trainingsarbeit zuletzt nicht viel gezeigt“, sagt Münch. „Lass sie nicht vorneweg donnern, sollen erst mal andere das Tempo machen.“ Bojko nickt und schwingt sich auf den Rücken von Swinging Lonely.

          900 Euro gibt es für den zweiten Platz

          Eine Runde noch durch den Führring, dann sprengt er über die Bahn Richtung Startboxen. Um ein Gefühl für das Pferd zu bekommen. Im vorigen Jahr hat er sie schon mal geritten. Wo und wann, weiß er nicht mehr. Pferde sind für Bojko Arbeitsgeräte. Er wechselt die Pferde wie Tennisspieler die Bälle. 500 bis 600 Rennen absolviert er im Jahr. Seitdem der Slowake 1992 nach Deutschland gekommen ist, hat er rund 10.000 Ritte angenommen. 10.000 Mal sein Leben riskiert.

          Denn ein Sturz kann in diesem Job tödlich sein. Bojko hält Swinging Lonely auf Position drei, auf der Zielgeraden schiebt er sich auf Rang zwei vor - und fliegt auch als Zweiter über die Ziellinie. „Mehr war nicht drin“, sagt Bojko gleichmütig. 900 Euro gibt es für den zweiten Platz. Die Jockeys erhalten stets fünf Prozent der Gewinnsumme, also in diesem Fall 45 Euro. Plus 50 Euro, das sogenannte Reitergeld, das jeder Rennreiter je Ritt bekommt: macht 95 Euro für Bojko.

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