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Hein Bollow ist tot : Ein Leben für die Pferde

  • -Aktualisiert am

Reitsport-Ikone: Hein Bollow, hier 2017 Bild: Picture-Alliance

Er war eine Legende des Turfs: Von 1936 bis 1963 sammelte er 1033 Siege im Sattel, 13 Mal gewann er das Championat und viermal das Deutsche Derby, die Krone im Galoppsport. Nun ist Hein Bollow im Alter von 99 Jahren gestorben.

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          „Alles andere ist nebenbei, das Wichtigste ist das Pferd.“ Oder: „Meine Pferde sind wie Kinder, die man zweimal am Tag, morgens und abends, begrüßen muss.“ Sätze wie diese beschreiben die große Leidenschaft und das Leben des Hein Bollow sehr treffend. Die Pferde, insbesondere Vollblüter, standen bei ihm im Mittelpunkt – von Kindesbeinen an, bis ins hohe Alter. Mit 99 Jahren ist Bollow nun in einem Kölner Krankenhaus gestorben, an den Folgen eines Schlaganfalls.

          Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Kölner Seniorenheim unweit der Galopprennbahn in Weidenpesch. Der fast tägliche Besuch der Trainingsställe dort war Pflicht und Kür – bis das Coronavirus ihm dieses Vergnügen nahm, weil er das Heim nicht mehr verlassen durfte. „Der deutsche Galopp trauert um seine Lichtgestalt“, würdigte Verbandspräsident Michael Vesper die Turflegende Bollow. Als erster Deutscher und als nur einer der wenigen Menschen weltweit hat er sowohl als Jockey als auch als Trainer mehr als 1000 Siege errungen.

          1920 in Hamburg-Nienstedten geboren, kam Bollow früh mit Pferden in Berührung. „Ich bin nur wenige Minuten vom Springplatz Klein Flottbek aufgewachsen, habe von meinem zehnten Lebensjahr an auf Pferden gesessen, ob Polo, Turnier – oder Springpferde“, sagte Bollow. Mit 1,55 Meter Körpergröße hatte er jedoch die ideale Statur, um Jockey zu werden. Er machte seine Lehre in Hoppegarten bei Berlin und war von 1936 bis 1963 einer der erfolgreichsten deutschen Reiter: 1033 Siege sammelte er im Sattel, gewann 13 Mal das Championat seiner Zunft und viermal das Deutsche Derby, die Krone im Galoppsport. „Dabei kam ich von ganz unten, bekam nichts, aber auch gar nichts geschenkt“, sagte Bollow.

          Die Kriegsjahre verhinderten mit Fronteinsätzen, Verwundung und Flucht noch viele weitere mögliche Siege. 1964 setzte er seine beispiellose Karriere als Trainer in Köln fort. Bis 1988 holte er 1661 Siege, darunter 1974 den Derby-Erfolg mit Marduk. Sein bestes Pferd im Stall war allerdings Nebos im Besitz der Gräfin Batthyany. Der Hengst gewann zehn Gruppe-Rennen, davon vier der höchsten Kategorie I. Im Deutschen Derby 1979 unterlag er allerdings seinem großen Widersacher, dem ebenso überragenden Königsstuhl.

          Mit Kondor gelang Bollow der letzte große Sieg im Preis von Europa 1988 auf der Heimatbahn in Köln. „Der Motor für meine Erfolge war meine Frau Margot“, sagte Bollow, der 56 Jahre lang verheiratet war. Und er war letztlich auch ein wandelndes Turf-Lexikon. „Wenn ich anfange zu erzählen, brauchen wir drei Tage, bis wir durch sind“, sagte Bollow. „Er weiß einfach alles, ob über Zucht oder Rennen“, sagte sein Freund Filip Minarik. Der noch aktive Jockey hatte Bollow häufig mit zu den großen Rennbahnen in Deutschland genommen.

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