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Jockey Andrasch Starke : Der mit der Kraft in den Händen

  • -Aktualisiert am

Auf der Bahn: Andrasch Starke Bild: EPA

Mit 46 Jahren erlebt Jockey Andrasch Starke einen neuen Erfolgsschub. Das liegt vor allem an einer großen Stärke. Jetzt geht es bei einem prestigeträchtigen Wettkampf um „big points“.

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          „Die Stärke eines Jockeys liegt in seinen Händen, über sie ist man mit dem Pferd verbunden.“ Andrasch Starke muss es wissen, er hat mehr als 2500 Vollblüter zum Sieg gesteuert und ist damit der erfolgreichste Rennreiter Deutschlands aller Zeiten. Seit fast drei Jahrzehnten gehört Starke, der 46 Jahre alt ist, zur Spitze seiner Zunft, er errang viele nationale, aber auch internationale Titel.

          In einem Alter, in dem die meisten Profisportler längst im Ruhestand sind, erlebt Starke einen neuen Schub, ausgelöst durch einen Trainerwechsel. Zwölf Jahre lang war er erster Mann am Stall Asterblüte von Peter Schiergen in Köln-Weidenpesch, im vergangenen Herbst wanderte er ein paar Meter weiter zu Henk Grewe. „Wir haben mit Andrasch Starke den besten deutschen Jockey verpflichten können, das macht das letzte Stück, was letztes Jahr noch fehlte, aus. Deshalb sind wir so erfolgreich“, sagt Grewe, der im Vorjahr erstmals Championtrainer wurde. In dieser Saison dominiert das Duo Grewe/Starke vor allem in den großen Rennen. Drei der vier Gruppe-Rennen, die seit dem Corona-Neustart am 7. Mai gelaufen wurde, konnten sie für sich entscheiden.

          178 Siege, 41 auf Gruppe I

          178 Siege in diesen für den Sport wichtigsten Prüfungen hat Starke in seiner Karriere schon eingeheimst, 41 davon auf Gruppe I, dem höchstem Niveau. Darunter waren auch der Prix de l’Arc de Triomphe in Paris und das King George in Ascot vor den Augen der britischen Königin – auf der Ausnahmestute Danedream, trainiert von Peter Schiergen, einem ehemaliger Spitzenkönner im Sattel.

          An diesem Wochenende in Baden-Baden kann Starke weitere „big points“ sammeln, er hat in allen vier dort ausgetragenen Gruppe-Rennen Ritte. Seine beste Siegchance hat er vielleicht mit dem dreijährigen Adrian des Gestüts Auenquelle im Derby Trial am Sonntag. Es ist ein weitere Hoffnung für Grewe auf den ersten Derbysieg in Hamburg-Horn – Wonderful Moon und der „Galopper des Jahres“, Rubaiyat, haben vor zwei Wochen vorgelegt. Sie gestalteten ihre Vorprüfungen für das wichtigste Rennen des Jahres erfolgreich. Vor allem Wonderful Moon begeisterte und gilt als aktueller Derbyfavorit. „Das Schönste als Jockey ist es, das Derby zu gewinnen“, sagt Starke, der aus Stade bei Hamburg stammt. „Der erste Derbysieg, das ist etwas, was man nie vergisst, so etwas bleibt.“

          1998 mit Robertico war das – für Brüno Schütz, bei dem er 1989 seine Lehre begann. Sechs weitere folgten, zuletzt 2015 auf Nutan. „Die Horner Rennbahn ist wirklich mein Wohnzimmer.“ Das für Mitte Juli angesetzte Derby wird, wie alle Rennen aktuell, ohne Zuschauer gelaufen. Für Starke kein großes Problem: „Ich habe 30 Jahre Trubel gehabt. Es ist natürlich schöner für den Veranstalter und für uns auch, aber jetzt ist es halt mal etwas ruhig.“ Starke kennt die „Geisterrennen“ bereits aus Japan, dort hat er Anfang des Jahres wieder einmal geritten und kam erst Mitte März nach Deutschland zurück. „Im Rennen selbst bekommt man nichts mit, aber es fehlen natürlich die Emotionen und der Applaus nach einem großen Sieg“, berichtete er über seine Erfahrungen in Corona-Zeiten.

          Für den deutschen Galoppsport ist Starke optimistisch: „Der Rennsport wird da durchkommen. Da bin ich mir ganz sicher. Wir haben super Pferde und eine tolle Zucht.“ Wie lange Starke selbst noch reiten wird, ist offen. Sein Gewicht hat er jedenfalls gut unter Kontrolle. „In normalen Zeiten kann ich mit Sattelzeug und Dress 55 Kilogramm reiten, nach Absprache auch 54“, sagt er. Um das so viele Jahre durchzuhalten, gehört viel Disziplin. „An Renntagen trinke ich Tee und Wasser, esse erst abends etwas – Fisch, Salat, Gemüse, ab und zu etwas Fleisch.“ Kondition holt er sich auf dem Fahrrad.

          Als erster Mann am Stall steht Starke im Rampenlicht: „Das Stallklima bei Grewe ist super. Als Stalljockey bin ich dafür verantwortlich mit guten Ergebnissen dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt, denn letztlich wird man an seinen Erfolgen gemessen.“ In den 30 Jahren hat er mehr als 47 Millionen Euro Preisgeld für seine Besitzer verdient, üblicherweise bekommt der Reiter davon fünf Prozent ab. Dabei sitzt er oft auf Pferden, die er erst wenige Minuten vor dem Rennen kennenlernt. „Das ist kein Nachteil“, so Starke. „Es ist meine Aufgabe, die Verbindung herzustellen. Ich entscheide intuitiv aus der Startmaschine heraus, welche Taktik ich wähle.“ Natürlich habe er einen Plan mit dem Trainer, aber es komme darauf an, wie das Pferd reagiere. Dazu braucht man wohl gute Nerven und ein „goldenes Händchen“.

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