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Jo-Wilfried Tsonga : Der Muhammad Ali des Tennis

Sieht aus wie der echte Ali, hat aber andere Qualitäten: Jo-Wilfried Tsonga Bild: AFP

Der Spitzname „Muhammad Ali“ ist aufgrund des Aussehens nicht überraschend. Nun trifft Jo-Wilfried Tsonga im Halbfinale der Australian Open auf Rafael Nadal. Angst hat er nicht, schließlich kennt er die Schattenseiten seines Berufs.

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          Manchmal erklären sich Spitznamen von ganz alleine - und warum Jo-Wilfried Tsonga von seinen französischen Kollegen „Muhammad Ali“ gerufen wird, sieht man auf den ersten Blick. Die Ähnlichkeit ist verblüffend, allerdings hat das 22 Jahre alte Schwergewicht aus Le Mans bei weitem nicht das laute Mundwerk des einst größten Boxers.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Das ist unglaublich“ - viel mehr bekam er zunächst nicht heraus, nachdem er in Melbourne seine Siegesserie auch im Viertelfinale fortgesetzt hatte. Tsonga, der bei den Australian Open erst zum zweiten Male in seiner Karriere direkt für das Hauptfeld qualifiziert war, besiegte mit dem Russen Michael Juschni auch den dritten gesetzten Gegner und wusste gar nicht, wohin mit seinen Glücksgefühlen: „Am liebsten hätte ich gleichzeitig gelacht und geweint.“

          „Ich hoffe, ich spiele so gut wie heute“

          Zum Auftakt der Australian Open hatte er ganz England entsetzt mit seinem Erfolg über den britischen Weltranglistenneunten Andy Murray (7:5, 6:4, 0:6, 7:6), und nach zwei Dreisatzsiegen in den nächsten Runden über Sam Warburg und Guillermo Garcia-Lopez war er im Achtelfinale in einem französischen Duell auch über den Weltranglistenachten Richard Gasquet (6:2, 6:7, 7:6, 6:3) siegreich geblieben.

          Da hat man gut lachen: Tsonga steht erstmals im Halbfinale eines Grand Slams

          Wer erstmals im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers steht, könnte leicht nervös werden - falls er es denn war, dann legte sich diese Aufregung am Dienstag ganz rasch. Tsonga besiegte Juschni, in der Weltrangliste auf Rang 14 plaziert, in drei Sätzen 7:5, 6:0 und 7:6 und hatte für das Halbfinale nur einen Wunsch: „Ich hoffe, ich spiele so gut wie heute.“

          „Ich möchte so spielen, wie Ali geboxt hat“

          Das wird er müssen, wenn er auch im Halbfinale eine Chance haben will, trifft er dort doch am Donnerstag auf den spanischen Weltranglistenzweiten Rafael Nadal (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker). Am meisten helfen könnte ihm dabei, wenn sein Spitzname dann nicht nur auf Äußerlichkeiten beruhen würde.

          „Am liebsten möchte ich so spielen, wie Ali geboxt hat“, sagt Tsonga: „Wie ein Schmetterling.“ Leichtfallen wird ihm das nicht, denn der Sohn einer französischen Mutter und eines kongolesischen Vaters bringt bei 1,87 Meter Körpergröße immerhin knapp über 90 Kilogramm auf die Waage. Das allerdings verleiht seinen Schlägen eine Durchschlagskraft, vor der seine Gegner in Melbourne in die Knie gingen.

          „Der hat auch nur zwei Arme und Beine“

          Als Profi hat Tsonga, der 2003 die US Open der Junioren gewann, lange nur die Schattenseiten seines Berufs kennengelernt. 2004 musste er ein halbes Jahr wegen einer langwierigen Schulteroperation pausieren, dazu kamen Probleme mit der Rücken- und Bauchmuskulatur, die 2006 wiederkehrten und lange Zeit in Frage stellten, ob er seine Laufbahn würde fortsetzen können. Kollegen wie Richard Gasquet machten ihm aber immer wieder Mut, und im vergangenen Jahr schaffte er den Durchbruch und rückte über 170 Plätze in der Weltrangliste vor bis auf Rang 38.

          Dass er im Halbfinale auf Nadal trifft, der in Melbourne noch keinen Satz verloren hat, jagt ihm keine große Angst ein: „Der hat auch nur zwei Arme und Beine, genau wie ich.“

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