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Jelena Isinbajewa : Die Glamour-Lady erfüllt ihren Auftrag

  • -Aktualisiert am

Was für ein Auftritt: Jelena Isinbajewa Bild: dpa

Jelena Isinbajewa, Stabhochsprung-Legende, Olympiasiegerin, Weltmeisterin, der unumstrittene Star und Liebling der Russen, erzeugt endlich eine mitreißende Atmosphäre im Moskauer Stadion.

          2 Min.

          Am Dienstag sind die Leichtathletik-Weltmeisterschaften endlich auch in Moskau angekommen. Atmosphärisch. Und das lag weniger an Robert Harting, wie der Diskus-Weltmeister scherzhaft bemerkt hatte. Die erstmals zu 80 Prozent gefüllten Ränge waren einer ranken Glamour-Lady mit dunklem Pferdeschwanz zu verdanken: Jelena Isinbajewa, die russische Stabhochsprung-Legende, Olympiasiegerin, Weltmeisterin. Der unumstrittene Star und Liebling der Russen, die ja in Moskau mit einer nach zahlreichen Dopingfällen dezimierten Mannschaft vorlieb nehmen müssen. Da tut ein bisschen Glanz und Gloria doch gut.

          Aber so einfach ist das ja nicht, wenn man die ganze Last der Erwartungen auf den immerhin ausgeprägten Schultern trägt. Zumal die 31 Jahre alte Russin in dieser Saison nun nicht gerade Angst und Schrecken verbreitet hatte. Auf Platz eins lag die Kubanerin Yarisley Silva, auf Rang zwei die Amerikanerin Jennifer Suhr, erst auf Position drei die Frau aus Wolgograd. Aber es ist schon bewundernswert, wie Jelena Isinbajewa diese Rangliste kurzerhand umdrehte. Mit Saisonbestleistung: 4,89 Meter. Miss Suhr (4,82 Meter) und der höhengleichen Senora Silva blieben nur Silber, Bronze und die Rollen der besten Nebendarstellerinnen. Und für eine, die bis 4,75 Meter sogar den Part der Heimspielverderberin eingenommen hatte, sprang am Ende wieder einmal nur der vierte Platz heraus: Silke Spiegelburg aus Leverkusen.

          Aber es wäre auch Majestätsbeleidigung gewesen, der Weltrekordinhaberin den Abend auf ihrer großen WM-Bühne zu verderben. Wie groß die Erleichterung war, zeigte sich, als die letzte Konkurrentin das Feld räumen musste. Wie von der Tarantel gestochen raste Jelena Isinbajewa auf die Zuschauer in der Stabhochsprung-Kurve zu, riss die Arme in die Höhe und ließ sich hochleben. Immerhin kam man so einmal in den Genuss einer Wahnsinns-Atmosphäre, mit hohen Phonzahlen, spitzen Schreien und akustischen „Jelena, Jelena“-Wogen, die durch das Stadion schwappten. Natürlich war da eine Menge Patriotismus im Spiel Aber das ist bei Heimspielen ja nicht verboten.

          Keine fliegt schöner durch den Nachthimmel von Moskau Bilderstrecke
          Keine fliegt schöner durch den Nachthimmel von Moskau :

          Nein, dieser Auftritt hätte besser nicht inszeniert werden können. Hochspannung am Anfang, die Möglichkeit des tiefen Falls, dann die glückliche Wendung. Und zum guten Schluss ein Happy End. Da war Jelena Isinbajewa ganz allein auf ihrer Bühne, der Stabhochsprung-Anlage: die Zugabe. Was bei ihr in der Regel bedeutet: Weltrekordversuch. Die Bestmarke hält sie mit 5,06 Meter ja selbst, seit 2009. Das war noch vor ihrer langen Auszeit, wegen Erschöpfung. Die Frau, die viele Jahre in Monaco gelebt und in Italien trainiert hat, ist für ihre Mission eigens in ihre russische Heimat zurückgekehrt.

          Noch ist sie nicht wieder in dieser Verfassung wie damals, als sie Weltrekorde sprang wie am Fließband, insgesamt 30. Aber zumindest den Versuch, Nummer 31 folgen zu lassen, war sie „ihrem“ Publikum einfach schuldig. Also 5,07 Meter. Es war mehr eine Geste denn ein Unterfangen aus Überzeugung, aber es riss die Russen von ihren Sitzen. Und selbst als die Latte dreimal gefallen war, badete die Weltmeisterin in der eigenen Glückseligkeit und in der ihrer Landsleute. Und sie ergriff zu guter Letzt das Mikrofon und hielt eine kleine Dankesrede, in der immer wieder das Wort „spasiba, spasiba“ vorkam. Danke, danke. „Das war der schönste Wettkampf meines Lebens“, sagte sie, „ich habe die Energie von den Rängen aufgesogen, und ich wollte alle Leute glücklich machen.“

          Wenn sie das alles hat sacken lassen, wird sich Jelena Isinbajewa die nächste Auszeit gönnen, die jetzt „Babypause“ heißt. Es soll nur ein Abschied auf Zeit sein. Obwohl es für so eine außergewöhnliche Athletin doch eigentlich keinen schöneren Schlussakt geben kann als diesen in Moskau.

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