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Skandal um Schwimmstar : Eine verhängnisvolle Affäre im Liebeshotel

Eine verhängnisvolle Affäre: Daiya Seto Bild: Picture-Alliance

Daiya Seto ist Japans große Hoffnung für Olympia in Tokio. Dann aber wird der Schwimmer bei einem Seitensprung im Liebeshotel erwischt. Für besonders große Empörung sorgt das, was er nach seiner Affäre macht.

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          Er ist eine der großen Medaillenhoffnungen Japans für die auf das kommende Jahr verschobenen Olympischen Spiele: Daiya Seto, der 2019 bei den Schwimmweltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju die Goldmedaillen über 200 und 400 Meter Lagen holte. Doch derzeit macht Seto in Japan andere Schlagzeilen. Ende September enthüllte ein Magazin, dass der Sportler bei einer außerehelichen Affäre in einem japanischen Liebeshotel gesehen wurde. Der 26 Jahre alte Schwimmer erklärte sich am nächsten Tag und entschuldigte sich in einer Stellungnahme. Durch sein sorgloses Verhalten habe er seine wertvolle Familie verletzt und seine Anhänger und Sponsoren und viele andere beunruhigt. Er wolle über seine Tat nachdenken und die Zukunft mit seiner Familie beraten.

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          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auch wenn Liebeshotels in Japan für ein Schäferstündchen zu jeder Tages- und Nachtzeit verbreitet sind, ist ein solcher Seitensprung in dem eher konservativen Land keine lässliche Sünde. Auch Politiker stolpern darüber. Erschwerend kommt für Seto hinzu, dass er nicht irgendein Sportler ist und obendrein noch sein Familienleben für die Werbung nutzte. Der japanische Schwimmverband hatte ihn zum Kapitän der olympischen Schwimmmannschaft auserkoren, und das Nationale Olympische Komitee wirbt mit seinem Konterfei für die Spiele. Seto ist mit der früheren Turmspringerin Yuka Mabuchi verheiratet. Erst im März war das zweite Kind zur Welt gekommen. In einem aktuellen Werbespot kocht Mabuchi für ihren Mann und schwärmt vom Ernährungsprogramm des Nahrungsmittelherstellers Ajinomoto. „Tokio 2020, wir kämpfen zusammen“, sagt die Frau des Schwimmstars am Ende des Werbespots.

          Die Strafe für den Fehltritt kam umgehend, und die finanziellen Folgen für Seto und seine Familie sind unklar. Am Tag nach Bekanntwerden der Affäre löschte Ajinomoto das Werbevideo im Internet. Vergangene Woche trennte sich die Fluggesellschaft ANA von ihrem Werbebotschafter. „Wir haben Seto unterstützt,“ erklärte das Unternehmen. „Aber dieses Problem passt nicht zu dem Image, das unser Unternehmen ausstrahlen möchte.“ Angeblich soll Seto im Jahr mehr als 100 Millionen Yen (820.000 Euro) von ANA erhalten haben. Die Form wahrend, besuchte Seto auch den japanischen Schwimmverband und trat als Kapitän der olympischen Schwimmmannschaft zurück. Sein Vertrag mit dem Nationalen Olympischen Komitee über Bildrechte wird auf seinen Wunsch hin aufgelöst.

          Seto ist in Japan derzeit der herausragende Star im Lagenschwimmen, seitdem sein Vorbild und Konkurrent Kosuke Hagino in ein physisches und mentales Formtief gerutscht war und die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr ausgelassen hatte. Hagino erschwamm bisher vier olympische Medaillen, darunter die Gold- und Silbermedaille über 400 Meter und 200 Meter Lagen in den Spielen in Rio de Janeiro 2016. Seto blieb in Rio die Bronzemedaille über 400 Meter Lagen. Seit 2013 hat er aber sieben Medaillen bei Schwimmweltmeisterschaften geholt, darunter dreimal die Goldmedaille über 400 Meter Lagen. Hagino hatte sich Ende 2019 nur noch mit Mühe für die Olympiamannschaft qualifiziert, und er ist froh, durch die Verschiebung der Spiele mehr Trainingszeit gewonnen zu haben. Seto aber fühlte sich in bester Form und klagte in den Wochen nach der Verschiebung, dass er in ein tiefes Loch gefallen sei.

          In den sozialen Medien wurde Seto für seine Tat heftig kritisiert, doch gab es auch Stimmen, die scharf zwischen Sport und Privatleben trennten und dem Schwimmer jetzt erst recht alles Gute für den kommenden Sommer wünschten. Auf Missfallen vieler stieß, dass Seto gemäß des Magazinberichts nach dem Seitensprung nach Hause fuhr, das Auto wechselte und seine Kinder aus der Kinderkrippe abholte. Seine Frau hatte sich auf dem Internetdienst Instagram noch bei ihm bedankt, dass er auf die Kinder aufpasse und sie die Zeit für ein berufliches Treffen habe.

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