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Jan Ullrich : Seine letzte Etappe

Wie geht es weiter mit Jan Ullrich? Bild:

Um 11 Uhr an diesem Morgen wird Jan Ullrich in einem Hamburger Hotel wohl seinen Abschied vom aktiven Radsport verkünden. Alles andere käme überraschend. Endet der deutsche Radsportheros unter Dopingverdacht als Unvollendeter, als Gefallener? Von Rainer Seele.

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          Bitterer Abschied mit Alsterblick? Hamburg war der Anfang für Jan Ullrich, und Hamburg könnte nun sein Ende sein. Jedenfalls die finale Stunde als Radrennfahrer. In der Stadt, in der er einst zum Profi geformt wurde, in der er - Anfang der neunziger Jahre - mit anderen Radsportlern in einer WG lebte, in dieser Stadt wird Ullrich jetzt vermutlich, ohne Aussicht auf einen anderen Ausweg, seinen Rücktritt verkünden. In einem Ambiente, das für einen größeren Andrang geschaffen zu sein scheint: Hotel Intercontinental, Ballsaal II.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Dort also wird Ullrich an diesem Montag morgen Platz nehmen, flankiert vielleicht von einem Moderator, von Beratern. Eine halbe Stunde soll dieser Auftritt dauern, eine seltsame, eine bizarre Präsentation wahrscheinlich. Ullrich, des Dopings verdächtigt, wird - mögliches Szenario - ein Manuskript in den Händen halten und eine Stellungnahme verlesen, formuliert von seinen Anwälten. Er wird danach wohl sofort aufstehen und sich wieder zurückziehen, Fragen werden an diesem Tag nicht beantwortet. Weil Ullrich ja, wie es heißt, keine Fragen offenlassen werde. „Er wird“, so ließ das „Team Jan Ullrich“ verlauten, „auf alle ihm wichtigen Gesichtspunkte eingehen.“

          Neues Team? Nicht in Sicht

          Was andere als bedeutend erachten, spielt offenbar keine Rolle. Wer sich für diesen Termin angemeldet hat, erhielt eine Bestätigungsmail, die deutlich macht, dass es sich um keine Pressekonferenz handelt. Dass man lediglich Zuhörer sein wird. „Sie sind“, wurde mitgeteilt, „für die Presseerklärung mit Jan Ullrich akkreditiert.“ Ein Mann mithin, der sich angeblich öffnet und doch niemanden an sich heranlässt - eine Burleske. Abgang Ullrich, endgültig, als Unvollendeter, als Gefallener? Alles andere wäre eine Überraschung. Wie sollte er, aus dem Gleichgewicht geraten, schließlich noch einmal aufstehen als Profi? Ullrich, der Sieger der Tour de France von 1997, hat keine Lizenz mehr, und es gibt keinen Hinweis darauf, dass er ein neues Papier dieser Art beantragt hätte.

          Vom Radstar zum Berater eines zweitklassigen Teams
          Vom Radstar zum Berater eines zweitklassigen Teams : Bild: dpa

          Nicht in der Schweiz, wo er beheimatet ist. Nicht in Österreich, nicht in Deutschland; er hätte dafür ohnehin seinen Wohnsitz verlegen müssen. Eine neue Mannschaft? Ebenfalls nicht in Sicht, obwohl Ullrichs Manager Wolfgang Strohband stets davon gesprochen hatte, mit interessierten Rennställen zu verhandeln. Mit dem Team Volksbank zum Beispiel, einer österreichischen Equipe der zweiten Kategorie, gab es tatsächlich Kontakte - vor mehreren Monaten, sagen die Österreicher. Sie sagen auch, dass Ullrich nicht finanzierbar gewesen sei.

          „Er hat es schwer auf den Rippen“

          Die neue Saison hat inzwischen begonnen, und wer würde sich jetzt noch mit Ullrich verbünden wollen? Mit einem Mann, auf dessen Karriere schwere Schatten liegen, der viele Lasten mit sich herumschleppt. Der seit Juni 2006 kein einziges Rennen mehr bestritten hat. Der in jüngerer Vergangenheit zwar angeblich trainiert hat, zuletzt auf Mallorca mit seinen Kollegen und Freunden Andreas Klöden und Matthias Kessler, dem aber auch nachgesagt wird, weit entfernt von einer passablen körperlichen Verfassung zu sein. In einem Klima von allerlei Vermutungen und Spekulationen gedieh sogar das Gerücht, dass der Tour-Heros von einst sich zumindest zwischenzeitlich zu einem wahren Schwergewicht entwickelt habe. In dem besonderen Spannungsfeld um Ullrich ist das Bild eines 100-Kilogramm-Mannes gezeichnet worden.

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