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Jan Ullrich : Einstellung des Verfahrens noch in dieser Woche wahrscheinlich

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Unschuldsvermutung gilt weiterhin: Jan Ullrich Bild: dpa

Die Einstellung des Strafverfahrens gegen Jan Ullrich wegen Dopingverdachts steht laut Bonner Staatsanwaltschaft wohl noch diese Woche bevor. Die Ermittler werden offenbar auf Einsicht in das „umstrittenste“ Beweisstück verzichten.

          Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Radsportstar Jan Ullrich wegen „Dopings zum Nachteil seines einstigen Bonner Rennstalls“ Telekom/T-Mobile dürften noch in dieser Woche zu den Akten gelegt werden. „Wir nähern uns dem Ende“, sagte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel. Er gehe von einem kurzfristigen Abschluss des Verfahrens aus. Als wahrscheinlich gilt die Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung mit Zahlung einer Geldbuße. „Darauf könnte es hinauslaufen“, sagte Apostel.

          Allerdings wird die Bonner Staatsanwaltschaft auf das „umstrittenste Stück“, das in der Schweizer Villa des ehemaligen Radprofis sichergestellt wurde, verzichten müssen. Ein dünner Ordner vorwiegend mit Anwaltspost habe er dem Tour-de-France-Sieger von 1997 zurückgeschickt, sagte der leitende Staatsanwalt des Kantons Thurgau, Hans-Ruedi Graf, der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag. „Der Ordner war das umstrittenste Stück.“

          Staatsanwalt: „Keine Bauchschmerzen“ wegen Unschuldsvermutung

          Die restlichen Akten und Daten, die noch beim Bezirksamt in Kreuzlingen lagern, würden noch in dieser Woche an die Bonner Behörde versandt. „Das sind die Sachen, die im Ausscheidungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Bonn angefordert wurden“, sagte Graf. Die Unterlagen waren bei einer Durchsuchung der Ullrich-Villa in Scherzingen am 13. September 2006 sichergestellt worden, als der 34 Jahre alte Ullrich in den Flitterwochen war. Staatsanwalt Apostel sagte, dass eine Einstellung gegen Auflagen „nicht an Zahlungen allein“ hänge. Eine Einigung „setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen“.

          Die „Bild“-Zeitung mutmaßte, dass das Verfahren gegen eine Zahlung von 250 000 Euro eingestellt werden könnte. Das Magazin „Focus“ hatte von einer Million Euro berichtet. Dass für Ullrich bei einem solchen Deal nach den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs trotz belastender Doping-Indizien weiter die Unschuldsvermutung gilt, stört Apostel nicht: „Da werde ich keine Bauch- oder Kopfschmerzen haben.“

          4,5 Liter Blut lagerten bei Fuentes

          Unabhängig davon ermittelt der Schweizer Verband weiter gegen Ullrich wegen Dopingverdachts. Der in der Schweiz lebende Ullrich hat bis heute jedes Doping bestritten. Der T-Mobile-Rennstall hatte den Ex-Profi kurz vor der Tour 2006 suspendiert, drei Wochen später wurde der Vertrag aufgelöst. „Wir beobachten das aufmerksam, sind aber kein direkter Teilnehmer der Entwicklung“, kommentierte Christian Frommert, Sponsoringleiter der Deutschen Telekom, die jüngsten Geschehnisse.

          Ullrich hat jegliches Doping stets bestritten. Die Bonner Ermittler hatten ihm durch einen DNA-Abgleich nachgewiesen, dass 4,5 Liter seines Blutes beim spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes lagerten. Außerdem wurden Konto-Bewegungen zwischen Ullrich und Fuentes zumindest über 25 000 Euro belegt. Zuletzt wurde das einstige Sportidol durch die Aussagen seines ehemaligen Masseurs Jef D'hont und einen Bericht des Untersuchungsausschusses der Uniklinik Freiburg erneut belastet. Ullrich hatte im Februar 2007 seinen Rücktritt als Radprofi erklärt.

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