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Triathlon : Meister aller Klassen

Der Triathlet und Ironman-Weltmeister Jan Frodeno posiert vor der Kulisse der Stadt Nürnberg am Rande einer Pressekonferenz zum anstehenden Triathlon. Bild: dpa

Die fränkischen Traditionalisten feiern einen Coup: Jan Frodeno lässt den Ironman Frankfurt links liegen und startet in Roth. Dort hat er Großes vor.

          3 Min.

          Es ist gut ein Jahr her, dass Jan Frodeno ein Rennen hinlegte, ein Solo, das seinesgleichen suchte. Sein Auftritt bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt war eine Sternstunde des Triathlons. Bei seinem Sieg in der Fabelzeit von 7:49:48 Stunden – Streckenrekord – ließ er den damaligen Hawaii-Sieger Sebastian Kienle (8:01:39) weit hinter sich. Schnellste Schwimmzeit, schnellste Radzeit, schnellste Laufzeit – Frodeno präsentierte sich als Maß aller Dinge.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Und doch war Frankfurt für den 34 Jahre alten Olympiasieger von 2008 nur der Anfang. Seinen größten Triumph auf der Langstrecke feierte er im folgenden Oktober auf Hawaii. Auch dort war er eine Klasse für sich. Olympiasieger auf der Kurzstrecke (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen), Weltmeister über die Mitteldistanz (1,9/90/21), Europa- und Weltmeister über die klassische Ironman-Strecke (3,8/180/42) – kein anderer Triathlet hat das in Geschichte dieser Sportart je erreicht.

          Als der Frankfurter Ironman Anfang Juli zum 15. Mal stattfand, war Frodeno nicht dabei. Ungewöhnlich, denn es war bisher selbstverständliche Routine, dass der aktuelle Hawaii-Sieger beim Europa-Klassiker am Main an den Start geht – gegen ein entsprechend großzügiges Antrittsgeld. Und so war es eigentlich keine Frage, dass es in Frankfurt zum nächsten deutsch-deutschen Duell zwischen Frodeno und Kienle kommen würde.

          Roth und Frankfurt in der Erzfeindschaft „Triathlon“

          Doch daraus wurde nichts. Frodeno erklärte überraschend, nicht in Frankfurt, sondern beim Konkurrenten in Roth antreten zu wollen. Roth und Frankfurt, muss man wissen, verhalten sich, was Triathlon betrifft, in etwa so wie Katz und Hund.

          Man kann sich nicht riechen, und das liegt auch daran, dass die Rother den Langstreckentriathlon in Deutschland begründet haben, 1988 veranstalteten sie ihren ersten Wettkampf unter dem Ironman-Label. 2001 kam es zum Bruch mit dem amerikanischen Lizenzgeber, der einem Angebot aus Frankfurt den Vorzug gab.

          Seit 2002 veranstalten die Rother nun ihren Langdistanztriathlon (und andere Rennen) unter einem eigenen Label: Challenge Roth. Bei Beliebtheitsumfragen unter Triathleten liegen die fränkischen Traditionalisten immer noch vor den Frankfurter Aufsteigern, doch haben sie ein Problem: Während in Frankfurt in allen Altersklassen die begehrten Startplätze für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen werden können, gibt es Ähnliches in Roth nicht – ein Wettbewerbsnachteil.

          Frodeno nicht an Routine interessiert

          Außerdem ist die – gerade für 650 Millionen Dollar an die chinesische Wanda-Gruppe verkaufte – globale Ironman-Serie eine Art Gelddruckmaschine, da stand Roth wie selbstverständlich in der zweiten Reihe. Umso überraschender nun der Coup mit Frodeno. Während sich die Frankfurter Anfang Juli beim Sieg von Kienle mit einem der schwächsten Starterfelder seit Jahren begnügen mussten, können sich die Franken bei ihrer Challenge an diesem Sonntag mit dem Superstar der Szene schmücken. Und mit der Aussicht auf eine Weltbestzeit.

          Die hält auf dem extrem schnellen Kurs der Rostocker Andreas Raelert mit 7:41:33 Stunden. Frodeno hat angekündigt, sie unterbieten zu wollen. Warum er in Roth startet? Die Frankfurter erzählen hinter vorgehaltener Hand, das sei eine Frage des Geldes, die Konkurrenz habe dem Triathlon-Meister aller Klassen eine Summe angeboten, die man nicht habe überbieten wollen.

          Frodeno sagt da etwas anderes. Er sei nicht an Routine interessiert, und er wolle dieses geschichtsträchtige Rother Rennen, das alle so lobten, gerne kennenlernen. Und natürlich reize ihn auch der Versuch, eine neue Weltbestzeit aufzustellen.

          Frodenos Saisonplan auf der Langstrecke sah so aus, dass er im Januar mit dem Ironman Südafrika beginnen würde, einem Heimspiel, dort ist der gebürtige Kölner aufgewachsen. Er muss ein Rennen der Ironman-Serie beenden, um sich das Startrecht für Hawaii zu sichern, da versteht die Geldmaschine keinen Spaß. Das sollte Südafrika sein.

          Dann im Sommer Roth und im Oktober die Titelverteidigung auf Hawaii. Pech: Aus diesem Plan wurde nichts, eine Wadenverletzung verhinderte Frodenos Start in Südafrika und bedeutete außerdem sechseinhalb Wochen Verzicht auf Lauftraining. Frodeno musste umplanen. Er meldete für den Ironman Lanzarote Ende Mai, um seinen Platz für Hawaii zu sichern, und wurde dort Zweiter.

          Ende Mai bis Mitte Juli – das ist knapp bemessen für zwei Langstreckenrennen, aber Frodeno muss da nun durch. „Das ist nicht perfekt“, sagt er im Hinblick auf Hawaii. „Aber es ist nun einfach so. Ich werde das Risiko eingehen.“

          Während er an diesem Sonntag in Roth gegen einen imaginären Gegner antritt, Raelerts Weltbestzeit, müssen die Fans auf den ultimativen Showdown gegen Sebastian Kienle bis Hawaii warten. Frodeno bedauert das. „Ich hätte das Duell gern schon vorher fortgeführt, aber ich habe mich dann doch für Roth entschieden.“ Kienle seinerseits sieht Vor- und Nachteile darin, dass er seinem „Wunsch- und Angstgegner“ erst wieder auf Big Island begegnet. „Es erzeugt Energie, gegen ihn anzutreten“, sagt er, „aber es kostet auch Energie.“ Abgerechnet wird die Energiebilanz dann am 8. Oktober auf Hawaii.

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