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Ironman in Frankfurt : Frodenos Superzaubertag

  • -Aktualisiert am

Auch nach dem Triathlon bleibt bei Jan Frodeno noch Kraft für einen lauten Jubelschrei Bild: dpa

Die Triathlonszene erwartete beim Ironman in Frankfurt ein erbittertes Duell zwischen Vorjahressieger Sebastian Kienle und Jan Frodeno. Doch der Olympiasieger hat ganz anderes vor – und setzt es gnadenlos um.

          2 Min.

          Es war eine Demonstration der Stärke, ein Solo, wie man es auf der Ironman-Strecke seit Jahren nicht gesehen hat. Jan Frodeno, Triathlon-Olympiasieger in Peking 2008 und seit einem Jahr auf die klassische Langstrecke gewechselt, hat am Sonntag in Frankfurt die Ironman-Europameisterschaft gewonnen und dabei auch Hawaii-Sieger Sebastian Kienle deklassiert. Frodeno benötigte bei Temperaturen von mehr als 35 Grad für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathonlauf 7:49:48 Stunden – Streckenrekord.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Kienle als Zweiter hatte mit einer Zeit von 8:01:39 nie eine Chance, seinen EM-Titel zu verteidigen. Als Dritter machte der Freiburger Andy Böcherer (8:03:49) den deutschen Dreifachsieg perfekt. „Jan hat heute um eine Fabelzeit gekämpft“, sagte Kienle. „Ich habe am Ende nur noch gegen mich selbst gekämpft. Ich hatte das Gefühl, mit meinen kleinen Wachsflügelchen direkt reinzufliegen in die Sonne. Man hat halt nicht jeden Tag einen Superzaubertag.“ Den hatte diesmal Jan Frodeno.

          Die Triathlonszene hatte einen Zweikampf zwischen Kienle und Frodeno erwartet, ein erbittertes Duell. Frodeno hatte ganz anderes vor – und setzte es gnadenlos um. Der gebürtige Kölner ist in Südafrika aufgewachsen, war dort Leistungs- und Rettungsschwimmer, und ist im Wasser eine Klasse für sich, das wusste man.

          Im Langener Waldsee schwamm er am Sonntag dem Profifeld davon, benötigte 46:02 Minuten und war damit fast eine Minute schneller als der Zweitbeste Andy Böcherer, und rund vier Minuten schneller als Kienle, der als relativ schwacher Schwimmer, aber als überragender Radfahrer gilt. Während alle Welt die übliche Aufholjagd von Kienle auf der Radstrecke erwartete, flog Frodeno als Solist davon, vergrößerte den Vorsprung auf seinen schwäbischen Konkurrenten bis zum Wechsel auf mehr als sechs Minuten.

          Da war es noch angenehmer: Frodeno steigt nach dem Schwimmen aus dem Wasser

          Kienle spulte die Radstrecke in 4:11:07 Stunden ab, nie war der in den vergangenen Jahren beste Pedaleur der Szene in Frankfurt schneller – eine Fabelzeit, und doch nicht gut genug. Frodeno, dessen Stärken bislang beim Schwimmen und Laufen lagen, legte eine geradezu unglaubliche Radzeit hin: 4:08:43 Stunden – Rekord für Frankfurt und die drittschnellste Zeit in der langen Ironman-Geschichte. Nur der Amerikaner Andrew Starykowicz war zweimal schneller.

          Frodeno, der im Training als äußerst konsequenter und harter Arbeiter gilt, setzte in seiner bis dahin schwächsten Disziplin ein dickes Ausrufezeichen. Er hatte in Girona in Katalonien, wo er im Sommer mit seiner Frau, der australischen Triathlon-Olympiasiegerin Emma Snowsill, lebt, mit Erfolg an seiner Radform gearbeitet. Neue Zeitfahrmaschine, neuer Ausrüster, neue, tiefere Position auf dem Rad, das alles sah gut aus, das sah schnell aus – und das war es auch, verdammt schnell.

          Hechelnd, glücklich und mit neuem Rekord ins Ziel: Jan Frodeno

          Bis zu diesem Sonntag hatte Frodeno selbst nicht einschätzen können, wie gut er auf dem Zeitfahrrad über 180 Kilometer unterwegs sein kann. In der kurzen Variante, in der er Olympiasieger wurde, sind ja nur 40 Kilometer zu radeln. Im vergangenen Jahr, bei seinem Ironman-Debüt, hatte Frodeno in Frankfurt wegen dreier Platten zwölf Minuten verloren, und auch auf Hawaii, wo er ebenfalls Dritter wurde, stand er vier Minuten am Streckenrand – diesmal kam er ohne Panne durch.

          Und auch ohne lange Gehpausen beim abschließenden Marathon, die er 2014 in Frankfurt noch im Dutzend einlegen musste. Rund zwölf Minuten lag er am Ende vor dem Hawaii-Sieger - eine ganze Welt im Triathlon.

          Diese Abkühlung nach der Anstrengung war höchst willkommen

          Schnellster Schwimmer, schnellster Radler, schnellster Läufer: Frodeno ist mit seinem spektakulären Frankfurter Start-Ziel-Sieg plötzlich das Maß aller Dinge auf der Langstrecke – und seit diesem Sonntag auch der große Favorit für das legendäre Rennen im Oktober auf Hawaii. Kann er diese Form halten, und die Konkurrenz muss fürchten, dass er sie noch verbessern kann, dann ist niemand in Sicht, der ihn schlagen könnte, auch nicht auf Hawaii.

          „Frodeno kann unseren Sport in den nächsten drei, vier Jahren dominieren“, sagte am Streckenrand Normann Stadler, und der Mannheimer ist vom Fach. Als einziger Deutscher hat er Hawaii bislang zweimal gewonnen.

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