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Triathlon : Frodeno ist der König von Kona

Der Allesgewinner Frodeno: Erst Olympiasieger über die Kurzstrecke, dann Weltmeister über die Mitteldistanz, nun Ironman-Weltmeister. Bild: dpa

Als erster Olympiasieger gewinnt Jan Frodeno auch den Triathlon-Klassiker auf Hawaii - es könnte der Beginn einer neuen Ära sein. Andreas Raelert schafft als Zweiter das Comeback des Jahres bei den „Eisenmännern“.

          Als aller Ballast abgefallen war, als sich Jan Frodeno wie erwartet die Krone von Kona geholt hatte, geriet der Champion ins Strudeln. „Es ist wie auf Wolke neun, sieben, 35. Keine Ahnung.“ Es ist vor allem dies: Der Beginn einer neuen Ära. Der Startschuss, dass es wieder die deutschen Triathleten sein werden, die den Ironman Hawaii jetzt und in Zukunft prägen dürften. Schon im Vorjahr, als Sebastian Kienle stärker als alle anderen war und sich nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen Weltmeister auf der ultimativen Ironmandistanz nennen durfte, hatte sich der Favorit durchgesetzt.

          Frodeno war der erste Sieganwärter für den Triumph 2015 – und der 34-Jährige hielt den Erwartungen stand. „Es ist ein surreales Gefühl“, sagte Frodeno dem HR-Fernsehen, als er nach 8:14:40 Stunden die berühmteste Ziellinie überquerte, die die Welt des Triathlons kennt. Einmal als Erster auf den Alii Drive einbiegen und am Ende eines gut achtstündigen Arbeitstages die Ovationen des Publikums entgegen nehmen. „Großer Sport braucht eine große Bühne“, sagte Kienle, der Titelverteidiger, der sich diesmal mit Rang acht (8:29:43 Stunden) zufrieden geben musste.

          Mit beindruckender Zeit im Ziel: 8 Stunden, 14 Minuten und 40 Sekunden Bilderstrecke

          Großer Sport, große Bühne, große Athleten. Es ist kein Geheimnis, dass in der Geschichte des Ironman auf der Suche nach Typen und Figuren immer wieder auch die deutschen Eisenmänner genannt wurden. Noch heute genießt Thomas Hellriegel, der erste Deutsche, der 1997 auf Hawaii triumphierte, so etwas wie Heldenstatus – nicht nur in der Triathlonszene, sondern auch auf Hawaii. Auf Big Island, dem Traumziel des Ironman, wo einst alles begann – und wo noch immer ein ganz besonderer Zauber von diesem einzigartigen Wettkampf ausgeht.

          Dass sich auch Frodeno diesem Zauber nicht entziehen konnte, war schon im Vorjahr spürbar, als er bei seinem überhaupt erst zweiten Ironman Dritter wurde. In der Folge absolvierte dieser Ausnahmeathlet Ironman Nummer drei bei der Europameisterschaft in Frankfurt, die er gewann. Und nun also Rennen Nummer vier – und der Sturm auf den Gipfel. Doch es ist viel mehr. Es ist der Erfolg eines Mannes, wie es ihn in der Geschichte des Triathlon nie zuvor gegeben hat. Olympiasieger 2008 in Peking, Weltmeister auf der Halbdistanz 2015 in Zell am See – und jetzt Ironman-Sieger auf Hawaii: Frodeno, dieser komplette Athlet, der scheinbar alles kann, hat auf allen drei Triathlonstrecken Außergewöhnliches geleistet. Er hat Maßstäbe gesetzt.

          Andreas Raelert, der als Zweiter in den Zielkanal von Kona einbog, 8:17:43 Stunden benötigte und die beiden Amerikaner Timothy O‘Donnell (8:18:50) und Andy Potts (8:21:25) hinter sich ließ, verbeugte sich vor seinem Freund und langjährigen Trainingspartner. „Ich war Zeuge, dass Jan heute Geschichte geschrieben hat.“ Doch auch Raelert hat an diesem ganz speziellen Oktobertag, zwölf Zeitstunden von der Rostocker Heimat entfernt, ein gewichtiges Kapitel geschrieben. Im reifen Alter von 39 Jahren nämlich ist Raelert das Comeback des Jahres geglückt. „Für Andi habe ich mich riesig gefreut“, sagte Frodeno. „Es hätte keinen Besseren treffen können.“ Zweimal schon, als die Australier den Ironman Hawaii dominierten, war Raelert Zweiter gewesen (2010 und 2012). Zudem zweimal Dritter (2009 und 2011). Dann der Einbruch, als er erst pausierte, um im vergangenen Jahr als 769. anzukommen. Die Frage einer Aufgabe stellte sich nicht. Wer nach Hawaii kommt, will finishen. „Die Verlockung war groß“, sagte der geschlagene Vorjahressieger Kienle, „dass ich mich einfach auf die Wiese lege. Doch bin ich stolz, dass ich ins Ziel gekommen bin. Sonst hätte ich mich sechs Monate lang mit Depressionen rumgeschlagen.“

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