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Frodenos Heim-Triathlon : Livestream mit Millionenwert

  • -Aktualisiert am

Jan Frodeno: Marathon laufen, ohne das Haus zu verlassen, dazu schwimmen im Garten und Radfahren im Wohnzimmer. Fertig ist der Home-Triathlon. Bild: dpa

Sein Heim-Triathlon war ein Mega-Ereignis in Corona-Zeiten. Dabei erreichte Frodeno nicht nur ein Millionenpublikum, der PR-Wert ging sogar in den achtstelligen Bereich. Und das bei 2000 Euro Produktionskosten.

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          Rund neun Stunden war Triathlon-Profi Jan Frodeno am 11. April dieses Jahres, während des Lockdowns und einer umfassenden Ausgangssperre in Spanien, via Internet weltweit zu sehen. Daheim in seiner Villa in Girona, einem Ort achtzig Kilometer nördlich von Barcelona, machte der dreimalige Hawaii-Sieger einen „Ironman@home“. 1,8 Kilometer Schwimmen im Pool auf der Terrasse mit Gegenstromanlage, 180 Kilometer Radfahren auf der Rolle, und dann noch ein Marathon auf dem Laufband.

          Man konnte Frodeno dabei nicht nur über vielfach verlinkte Streams zuschauen, sondern über die Internet-Plattform Zwift auch virtuell mit ihm radeln, laufen und chatten. Sportler wie Boris Becker, Felix Neureuther, Fabian Cancellara, Andrea Petkovic und Niklas Kaul waren im Lauf des Tages zugeschaltet. Als Schnapsidee geboren, wurde die Aktion zu einem medialen Erfolg. Mit 2000 Euro Produktionskosten, in der Hauptsache für Webcams, war der finanzielle Input minimal. Frodenos Manager, der in Saarbrücken lebt, hatte das Material im Internet bestellt und via Paketdienst nach Girona bringen lassen.

          Zwei Monate später hat das Karlsruher Unternehmen Intelligent Research in Sponsoring (IRIS), das auf die Auswertung von Mediadaten im Sportsponsoring spezialisiert ist und unter anderem für Audi, SAP und den VfL Wolfsburg arbeitet, das Ergebnis seiner Auswertung von Frodenos Heim-Ironman vorgestellt. Mit einem überraschenden Ergebnis. IRIS-Geschäftsführer Christian Riedle spricht von „einer enormen Dimension“. In Zahlen: Die in Nachrichten- und Sportsendungen zu sehenden TV-Bilder von Frodenos Heim-Triathlon erreichten allein in Deutschland 28 Millionen Menschen, auf Facebook gab es Livestreams mit insgesamt 1,5 Millionen Zuschauern und 560.000 Interaktionen. Print- und Onlinemedien in 50 Ländern erreichten 240 Millionen Leser.

          Den sogenannten kumulierten PR-Wert beziffert die IRIS-Studie auf zwölf Millionen Euro. „Er ist damit vergleichbar mit dem Wert von Frodenos Hawaii-Sieg 2019, da waren es 13,4 Millionen.“ Der PR-Wert bezeichnet die Summe für Werbeanzeigen (Print, Online, Social Media), die Frodeno hätte investieren müssen, um dieselbe Anzahl an Kontakten zu erreichen wie mit seinem Heim-Triathlon. Er ist auch eine wichtige Kennzahl für Sponsoren.

          Die enorme Reichweite von Frodenos englisch moderiertem Heim-Triathlon erklärt Riedle mit verschiedenen Faktoren, dem Lockdown, der viele Triathleten und Ausdauersportler zuhause hielt, der Absage aller „normalen“ Wettkämpfe, eine weltweit vernetzte, digital bestens ausgerüstete Community.

          Dazu kommt Frodenos internationale Bekanntheit, die sein Hawaii-Sieg mit Streckenrekord 2019 noch befeuerte, und schließlich die gekonnte Inszenierung einer bis dahin nicht gesehenen sportlichen Aktion und die Verschiebung der Relevanz von Medien hin zu Online-Angeboten, die sich im Lockdown noch verstärkt habe. Der Online-Sektor, sagt Riedle, habe enorm an Wert gewonnen. Mit seinem Home-Triathlon erreichte Frodeno online einen PR-Wert von 8,6 Millionen Euro, beim Klassiker auf Hawaii, der in Print und TV vorn lag, waren es nur 2,8 Millionen.

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